Geldanlagen

"Die Anlage in Aktien ist kein Sprint"

Christine Bortenlänger, Chefin des Deutschen Aktieninstituts, über die Vorbehalte der Deutschen gegenüber Aktien und was die Politik tun könnte, um das Vertrauen der Bundesbürger in diese Anlageklasse zu stärken.

Frau Bortenlänger, warum sollte jeder Bundesbürger in Aktien investieren?

Weil mit Aktien schon sehr einfach mit kleinen Beträgen Vermögen gebildet werden kann. Unsere Statistiken zeigen, dass man bei langfristiger und regelmäßiger Anlage auch in schwierigen Zeiten attraktive Renditen mit Aktien erzielen konnte – weit mehr als mit dem Sparbuch oder mit festverzinslichen Anlagen. Außerdem bieten Aktien als Sachanlagen einen guten Inflationsschutz. Denn hinter der Aktie steht konkret ein Unternehmen mit seinen Gebäuden, Maschinen, Technologien, Patenten und Mitarbeitern. Gerade jetzt bei steigender Inflation sollte sich jeder mit Aktien beschäftigen.

Die Realität sieht leider anders aus. Nur etwa jeder sechste Bundesbürger besitzt Aktien, ETFs oder Fonds. Welche sind die Gründe für diese ausgeprägte Angst der Deutschen vor der Aktie?

Zum einen kämpft die Aktie noch immer mit Vorurteilen und Missverständnissen: Sie gilt als risikoreich, obwohl sie eine renditestarke und inflationssichere Geldanlage ist. Zum anderen haben die Deutschen den Umgang mit Aktien nicht gelernt. Das sieht man am Beispiel der deutschen Altersvorsorge. In Deutschland überwiegen die staatliche Rente, Versicherungsprodukte und festverzinsliche Anlagen. In vielen anderen Ländern nutzen die Bürger viel stärker die Aktie, um Vermögen aufzubauen.

Aktien unterliegen allerdings auch Schwankungs- und Verlustrisiken. Wie kann man sich als Anleger dagegen schützen?

Die Aktienanlage ist ein Langstreckenlauf, kein Sprint. Je länger der Anlagezeitraum, desto größer ist die Chance auf attraktive Renditen. Unsere Rendite-Dreiecke zeigen, dass man historisch nach zwölf Jahren mit einer breit gestreuten Aktienanlage – zum Beispiel auf den Deutschen Aktienindex DAX – immer im Plus gewesen ist und attraktive Renditen erzielen konnte. Breit streuen und lange durchhalten – mehr braucht es nicht für eine erfolgreiche Strategie an der Börse.

Was könnte die Politik tun, um die Aktienkultur zu stärken?

Ein Thema, das mir auch persönlich am Herzen liegt und für das wir seit vielen Jahren eintreten, ist die Rente mit Aktien – für alle. Mit der Aktie wird man Miteigentümer eines Unternehmens, mit Fonds oder ETFs gleich an mehreren Unternehmen. Die Sparer werden so am Erfolg der Wirtschaft beteiligt.

Wie legen Sie selbst Geld an?

Ich lege monatlich wie bei einem Sparvertrag breit gestreut in Aktienfonds und ETFs an. Und wenn ich etwas Geld übrig habe und mich das Geschäftsmodell eines Unternehmens überzeugt, kaufe ich auch ausgewählte Einzelaktien.

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Zur Person

Dr. Christine Bortenlänger leitet seit 2012 als geschäftsführende Vorständin das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt am Main. Davor war sie Vorstand der Bayerischen Börse AG und Geschäftsführerin der Börse München. Sie ist außerdem Mitglied des Börsenrates der Frankfurter Wertpapierbörse und Aufsichtsratsmitglied in mehreren Unternehmen.