Geldanlagen

Der Staat soll sich raushalten

Die Politik geht beim Thema Rente nicht ehrlich mit den Bürgern um, sagt Dr. Jochen Pimpertz, Experte für Alterssicherung am Institut der deutschen Wirtschaft. An privater Vorsorge führe deshalb kein Weg vorbei.

Portraitbild von Dr. Jochen Pimpertz

Herr Dr. Pimpertz, ist die gesetzliche Rente noch sicher?

Ja – in dem Sinne, dass darauf Verlass ist. Wie viel Rente man bekommen wird, ist hingegen vollkommen ungewiss. Die Politik sendet völlig falsche Signale und suggeriert, dass es dauerhaft beim heutigen Rentenniveau von 48 Prozent bleiben wird. Das ist schlicht unseriös. Angesichts des dramatischen demografischen Wandels lässt sich dieses Niveau nicht halten.

Liegt das auch daran, dass immer weniger junge Menschen mit ihren Beiträgen die Renten der Alten finanzieren?

Das Umlageverfahren hat sich seit Jahrzehnten bewährt. Ergänzend braucht es aber die private Altersvorsorge. Denn Kapitalmarktinstrumente funktionieren nicht in staatlicher Hand. Das Desaster mit der Riester-Rente ist das beste Beispiel: Aktienanlagen mit Garantie sind ein Widerspruch in sich. Der Staat sollte nicht versuchen, Anlageprodukte zu entwickeln. Das können private Finanzdienstleister viel besser.

Dann halten Sie wohl auch nicht viel von der neuen Aktienrente?

Von der halte ich in der Tat gar nichts. Würden Sie Ihr Depot dem Finanzminister in die Hand geben? Was wir brauchen, ist eine effiziente Regulierung des Kapitalmarkts, die Betrug ausschließt. Ansonsten sollte sich der Staat aus der privaten Vermögensbildung heraushalten.

Was raten Sie Menschen, die sich auf ihren Ruhestand vorbereiten?

Sie sollten lange vor dem Ruhestand ihren Finanzbedarf im Alter ermitteln und prüfen, mit wie viel Rente sie rechnen können. Da wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit eine Lücke auftun. Und die muss man auffüllen, indem man privat vorsorgt. Wer verheiratet ist oder in einer Partnerschaft lebt, muss noch weitere Dinge berücksichtigen.

Was genau?

Paaren würde ich raten, nicht nur über die Aufteilung des Einkommens zu sprechen, sondern auch die Altersvorsorge gemeinsam zu planen. Sonst steht derjenige, der weniger in die Rentenkasse einzahlt, im Alter womöglich finanziell schlecht da.

Wann sollte man mit der privaten Altersvorsorge beginnen?

Mit 25 ist es für die meisten noch zu früh. Als Berufsanfänger muss man sich erst einmal finden und in das erste Auto, die erste Wohnung investieren. Mit 30 sollte man aber schon anfangen, sich damit zu beschäftigen. Zu dem Zeitpunkt denken viele über eine Familiengründung nach. Dann stellt sich auch die Frage, ob man sich ein Eigenheim leisten möchte. Falls dem so ist, kann ein Bausparvertrag ein sinnvolles Element der Altersvorsorge sein. Damit sichert man sich günstige Bauzinsen. Der Nachteil: Man bekommt viele Jahre lang sehr niedrige Guthabenzinsen. Besonders Sicherheitsorientierte können eine private Rentenversicherung prüfen. Höhere Rendite-Chancen bieten aktienbasierte Sparpläne. Sie sind aber mit größeren Wertschwankungen verbunden.

Auszeichnungen

Zur Person

Der Diplom-Kaufmann und promovierte Volkswirt Jochen Pimpertz ist am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln für den Bereich Staat, Steuern und soziale Sicherung zuständig. Er ist Experte für Alterssicherung sowie Kranken- und Pflegeversicherung. Daneben hat er einen Lehrauftrag an der Universität zu Köln zu volkswirtschaftlichen Grundlagen der Gesundheitsökonomie