Private Altersvorsorge

"Die Rente wird deutlich sinken"

Ohne private Eigenvorsorge werden viele Menschen im Alter hohe Abstriche machen müssen, sagt der Wirtschaftsprofessor Bernd Raffelhüschen. Er empfiehlt, bei der Altersvorsorge Steuervorteile zu nutzen.

Hinweis: Das Gespräch wurde im Oktober 2022 geführt.

Herr Professor Raffelhüschen, gilt das Versprechen des ehemaligen Arbeitsministers Norbert Blüm, "Die Rente ist sicher", noch heute? 

Ja, das Versprechen gilt noch. Die staatliche Rente kann aber keine Lebensstandardsicherung im Alter mehr sein. Leider hat die Politik die Renten viel zu großzügig erhöht und mit der Rentengarantie die nachfolgenden Generationen betrogen. Doch die werden sich das nicht mehr gefallen lassen. Das Rentenniveau wird deutlich sinken müssen. Ohne private Vorsorge werden die meisten Menschen ihren Wohlstand im Alter dann nicht mehr aufrechterhalten können.

Mit der Basisrente können Selbstständige und Gutverdiener steuerbegünstigt privat vorsorgen. Ist die Basisrente ein Erfolg?

Vom Prinzip her ist die Basisrente eine prima Sache. Den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, welchen gigantischen steuerlichen Vorteil sie durch den Sonderausgabenabzug genießen: Weil sie das investierte Geld erst in 30 oder 40 Jahren – also bei der Auszahlung – versteuern, haben Sie einen immensen Spareffekt. Wenn Sie unter den Spitzensteuersatz fallen, dann investieren Sie bei der Basisrente faktisch etwa 140 Cent für jeden eingesetzten Euro. Darauf erhalten Sie jahrzehntelang Zinsen und Zinseszinsen. Je nach Rendite haben Sie dank des Steuervorteils am Ende 50 Prozent oder mehr im Topf als ohne den Sonderausgabenabzug.

Warum reden einige Politiker und Verbraucherschützer die Basisrente heute schlecht?

Bei der Basisrente haben Sie eine riesige Auswahl. Da kann man schon mal den Überblick verlieren. Wer behauptet, die Basisrente tauge nichts, dem entgegne ich, dass er auf die falschen Produkte setzt. Wenn Sie nur in Anleihen investieren, haben Sie keine Chance auf nennenswerte Erträge. Sie müssen breit gestreut am Aktienmarkt investieren, um Renditen erwirtschaften zu können. Wichtig ist, dass Sie regelmäßig eine feste Summe anlegen und breit diversifizieren. Auf Garantien können Sie in der Regel verzichten. Die Garantien bringen zwar Sicherheit, kosten aber Rendite.

Tragen teure Anbieter dazu bei, die Basisrente zu diskreditieren?

Es gibt in der Tat einige Angebote, die aus Kundensicht nicht besonders lukrativ sind, weil die Gebühren zu hoch sind. Hier sind Verbraucher aufgefordert, zu vergleichen und die untauglichen Produkte auszusortieren.

Was halten Sie von ETF-Sparplänen in Kombination mit der Basisrente?

ETF-Sparpläne haben den Vorteil, dass Sie jeden Monat automatisch eine feste Summe einzahlen, ohne sich laufend darum kümmern zu müssen. Zudem vermeiden Sie dadurch, dass Sie viel Geld auf einmal zu einem ungünstigen Kurs investieren. Denn seien wir ehrlich: Niemand weiß, wie sich der Aktienmarkt kurzfristig entwickelt.     

 

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Zur Person

Bernd Raffelhüschen ist seit 1995 Professor für Finanzwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er war Mitglied der Rürup-Kommission. Diese erarbeitete Maßnahmen, um die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung zukunftsfest zu machen. Eine der Maßnahmen war die Basisrente (auch als Rürup-Rente bezeichnet), die erfolgreich umgesetzt wurde.