Geldanlagen

Anleger verlassen sich auf die EZB

Der Optimismus wächst, dass die Europäische Zentralbank die Leitzinsen bald senken wird. An anderer Stelle entzieht die Notenbank dem Markt allerdings Liquidität. Das wird derzeit noch nicht richtig wahrgenommen.

Michael Ausfelder
Marktstratege
Aktualisiert am
31. Januar 2024

Die Finanzmärkte richten ihre Augen zunehmend auf die Europäische Zentralbank. Zwar hat die EZB ihren Einlagenzinssatz, der Basis für den Leitzins ist, im Januar unverändert bei 4,0 Prozent belassen. (vgl. Grafik). Allerdings war bei der Kommunikation der Entscheidung erkennbar, dass sich einige Nuancen seit Dezember verändert haben. So hat sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde nicht mehr explizit gegen baldige Zinssenkungen ausgesprochen. 

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Es überrascht daher kaum, dass die Anleger Leitzinssenkungen immer stärker einpreisen. Aktuell wird am Markt erwartet, dass die EZB den Einlagenzins von heute 4,0 Prozent beginnend im März, bis Ende des Jahres in mehreren Schritten auf 2,50 Prozent senkt. Bereits vor zwei Wochen zeigte sich Lagarde bei einer Rede am World Economic Forum (WEF) in Davos zuversichtlich, dass die EZB bereits im Sommer die erste Zinssenkung bekanntgeben kann. 

Noch weiter geht EZB-Ratsmitglied François Villeroy de Galhau, Gouverneur der französischen Notenbank. Er sagte diese Woche in einem Interview, dass die EZB bereits im Frühjahr die Geldpolitik wieder lockern könnte. Doch was macht ihn so zuversichtlich? Ein Blick auf die Inflationsdaten der Eurozone zeigt, dass sich die Teuerungsrate in den vergangenen Monaten abgeflacht hat. Zwar liegt die Kernteuerung noch bei 3,4 Prozent und damit deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB. Das hat aber in erster Linie damit zu tun, dass die Vergleichsbasis des Vorjahrs niedrig war. Aus diesem Grund dürfte die Inflation im Februar nochmals leicht nach oben gehen. In den darauffolgenden Monaten sieht es aber danach aus, dass sich die Inflation zügig abschwächt. Dann dürfte die Kernteuerung schnell in Richtung des Zwei-Prozent-Bereichs bewegen. 

Ein Zeichen für diese Entwicklung ist der Preisanstieg der Kerngüter, die im zweiten Halbjahr 2023 nur 0,5 Prozent betrug. Auf ein Jahr hochgerechnet wären es also 1,0 Prozent. Diese Datenpunkte zeigen, dass die Zwei-Prozent-Hürde in Griffweite ist. Die Entwicklung der Inflation ist aber nur die eine Seite, die beleuchtet werden muss. Die andere sind die Fortschritte bei der aufgeblähten Bilanz der EZB: In wenigen Monaten hat sie diese von 8,8 auf unter sieben Billionen Euro verringert – also ein Minus von über 1,8 Billionen Euro. Damit ist die Bilanz aber immer noch größer als vor der Pandemie. Mit der Bilanzreduktion entzieht die EZB den Finanzmärkten Liquidität. Das wirkt zusätzlich straffend auf das Finanzierungsumfeld. Die EZB dürfte ihre Bilanzreduktion fortsetzen, auch wenn der Leitzins im Jahresverlauf mehrfach gesenkt wird. 

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