Wie sich das Altersvorsorgedepot zum Steuern Sparen eignet

Private Altersvorsorge

Das Altersvorsorgedepot lohnt sich für fast alle Beschäftigten dank der staatlichen Zulagen. Gutverdiener können darüber hinaus eine Menge Steuern sparen – wenn sie es richtig anstellen und am Ball bleiben.

Porträt von Herrn Thomas Wolff, Niederlassungsleiter in Berlin.

Funktion Experte für Altersvorsorge

Publiziert am

19. August 2026

Das Altersvorsorgedepot ist nicht nur dank der staatlichen Zulagen interessant. In der Ansparphase eignet es sich auch gut, um Steuern zu sparen – und zwar in mehrfacher Hinsicht: Man kann damit die Einkommenssteuer reduzieren und es fällt keine Abgeltungssteuer an. Dadurch kann das Altersvorsorgedepot auch für Gutverdiener sehr interessant werden.

1. Keine Abgeltungssteuer und keine Vorabpauschale in der Ansparphase

Anders als bei einem normalen Depot ohne staatliche Förderung fällt beim Altersvorsorgedepot keine Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge an (zum Beispiel Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne). Auch eine Vorabpauschale auf künftige Erträge, die normalerweise bei thesaurierenden Fonds jedes Jahr abgezogen wird, fällt beim Altersvorsorgedepot nicht an. Dadurch kann das Vermögen stärker wachsen, weil nicht laufend Steuern entnommen werden. Das wirkt sich positiv auf den Zinseszinseffekt und damit auf die Höhe des Kapitals am Ende der Ansparphase aus. Je länger die Ansparphase, desto stärker kommt dieser Effekt zum Tragen.

2. Einkommensteuer: Beiträge können abgesetzt werden

Steuerzahler können Beiträge in das Altersvorsorgedepot als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Auf diese Weise reduzieren sie das zu versteuernde Einkommen und damit auch die Einkommensteuer im Jahr der Einzahlung. Konkret hängt die Höhe des Steuervorteils vom persönlichen Steuersatz und von der Höhe der Beiträge ab (siehe unten im Abschnitt 4).

Dafür müssen die Auszahlungen – also die Renten – im Ruhestand mit dem dann zugrunde liegenden individuellen Steuersatz versteuert werden. Hier greift aber das Halbeinkünfteverfahren. Zudem ist der persönliche Steuersatz im Alter in der Regel aufgrund geringerer Einnahmen niedriger ist als während der Berufstätigkeit. In der Summe fallen dadurch in aller Regel deutlich weniger Steuern an als bei einem nicht geförderten Depot. Das wirkt sich positiv auf die Rendite aus.

3. Vorteil durch Günstigerprüfung

Die maximale staatliche Zulage (ohne Kinderzulage) beträgt beim Altersvorsorgedepot 540 Euro. Die Steuerersparnis kann aber höher ausfallen. Zu diesem Zweck gibt es die Günstigerprüfung: Das Finanzamt vergleicht automatisch die Höhe der Zulagen mit der Steuerersparnis. Ist die Steuerersparnis höher, werden zunächst die Zulagen in das Altersvorsorgedepot gebucht. Darüber hinaus erhält man neben den Zulagen noch die Differenz zwischen Zulagenhöhe und Steuerersparnis. Dieser Betrag wird allerdings nicht in das Altersvorsorgedepot überwiesen, sondern mit der Einkommensteuer verrechnet: Er verringert also die Steuerschuld oder erhöht die Steuerrückerstattung.

Ein Beispiel: Liegt der Grenzsteuersatz bei 42 Prozent (was bereits bei einem Jahreseinkommen von rund 70.000 Euro der Fall ist), gibt es dank des Altersvorsorgedepots 443 Euro an Steuern zurück. Folgende Rechnung liegt dem Zugrunde: Wer 1.800 Euro pro Jahr einzahlt, erhält 540 Euro vom Staat und legt damit insgesamt 2.340 Euro jährlich an. Für die Steuerersparnis gilt: 42 Prozent von 2.340 Euro sind 983 Euro. Davon wird die Fördersumme von 540 Euro abgezogen. Im Ergebnis steht eine zusätzliche Steuerersparnis von 443 Euro.

Aufgrund der geplanten Steuerreform könnte sich das Altersvorsorgedepot für Topverdiener sogar noch stärker lohnen. So soll ab 250.000 Euro zu versteuerndes Einkommen der Steuersatz auf 47 Prozent steigen (die so genannte Reichensteuer). Hinzu kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag, Der Grenzsteuersatz steigt damit auf 49,59 Prozent. Das bedeutet: Jeder Euro, der über die 250.000 Euro hinaus verdient wird, wird faktisch mit 49,59 Prozent besteuert. Dank des Altersvorsorgedepots könnte die Steuerersparnis in diesem Fall sogar auf 620 Euro steigen. Noch ist die Steuerreform allerdings nicht vom Bundestag beschlossen.

4. Wie aus dem Altersvorsorgedepot dank Steuerersparnis ein Vermögen werden kann

Werden die 443 Euro steuerliche Ersparnis jedes Jahr wieder angelegt – zum Beispiel in einen Aktien-ETF – werden daraus bei einer angenommenen Rendite nach Steuern von 6,5 Prozent in 30 Jahren gut 40.000 Euro. Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass dieser Zuwachst nicht garantiert ist: An den Aktienmärkten kann es zu Kursschwankungen kommen und auch über längere Zeit zu Verlusten.

Die 2.340 Euro, die über das Altersvorsorgedepot jährlich angespart werden, summieren sich wiederum bei gleicher Rendite nach 30 Jahren auf knapp 208.000 Euro. Insgesamt entsteht dadurch ein Gesamtvermögen durch Einzahlung, staatlichen Zulagen und Steuerersparnis von fast 250.000 Euro (siehe Grafik unten).

5. Gutverdiener profitieren zusätzlich

Für Gutverdiener ist mit dem Altersvorsorgedepot unter Umständen sogar noch wesentlich mehr drin. So reichen 1.800 Euro an Einzahlungen pro Person und Jahr, um die maximale staatliche Förderung zu erhalten. Aus steuerlichen Gründen kann es sich aber lohnen, noch deutlich mehr in das Altersvorsorgedepot einzuzahlen. Insgesamt kann man 6.840 Euro pro Vertrag einzahlen. Nach aktuellem Stand sind bis zu zwei Verträge pro Person zulässig. Damit kann jeder Zulagenberechtigte bis zu 13.680 Euro pro Jahr einzahlen. Zieht man davon die 1.800 Euro ab, die nötig sind, um die maximale Förderung zu erhalten, kann man demnach über beide Verträge hinweg insgesamt 11.880 Euro pro Jahr zusätzlich einzahlen

Im Idealfall kann nach 30 Jahren ein Vermögen von 1,3 Millionen Euro zusammenkommen: Dieser hohe Betrag setzt sich zusammen aus Einzahlungen von gut 14.000 Euro pro Jahr durch eigene Beiträge, den staatlichen Zulagen und der Steuererstattung. Angenommen wird ebenfalls eine Rendite von 6,5 Prozent pro Jahr (siehe Grafik unten). Fällt die Rendite niedriger aus, wird das Gesamtvermögen nach 30 Jahren unter 1,3 Millionen Euro liegen. Wird eine höhere Rendite erzielt, kann das Gesamtvermögen am Ende sogar mehr als 1,3 Millionen betragen.

Interessierte sollten indes folgendes bedenken: Wer vorzeitig an sein Geld will, muss alle Zulagen und möglicherweise auch Steuerersparnisse zurückzahlen. Wer flexibel bleiben möchte, nutzt das Altersvorsorgedepot deshalb nur für die staatliche Förderung und spart den Rest separat an.

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