Der Traum vom ewigen Urlaub

WirtschaftsWoche, 05.01.2018

Endlich nicht mehr arbeiten müssen und das Leben genießen, das ist das Ziel vieler Erwerbstätiger, und es ist machbar. Michael Huber vom VZ VermögensZentrum erklärt, worauf man bei der Planung eines vorzeitigen Ausstiegs achten sollte – insbesondere hinsichtlich der Budgets.

Es gibt wohl kaum einen Erwerbstätigen, der sich nicht wünschen würde, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen – zum Teil auch sehr viel früher. "Die Freiheit, nicht mehr auf ein Arbeitseinkommen angewiesen zu sein, ist ein riesiger Wert", sagt Michael Huber, Mitglied der Geschäftsleitung beim VZ VermögensZentrum.

Wichtiger Erfolgsaspekt: Die Ausgaben im Griff behalten

Die Wohnkosten und die Beiträge zur Krankenversicherung sind zwei der größten und wichtigsten Posten, aus denen sich die Ausgaben zusammensetzen. Michael Huber vom VZ VermögensZentrum hat die Ausgaben vieler Kunden durchleuchtet, um herauszufinden, wie viel jeder dafür ansetzen sollte.

Die Kosten unterscheiden sich regional sehr stark. "Es macht eben einen riesigen Unterschied, ob Sie in München oder in Mecklenburg-Vorpommern leben", sagt Michael Huber. Weniger als 1.000 Euro sollte aber keiner für das Wohnen einplanen. Selbst bei einem abbezahlten Eigenheim kommt dieser Betrag schnell zusammen, unter anderem für Energie oder Instandhaltung.

Krankenversicherung: Große Unterschiede zwischen privat und gesetzlich

Auch die Beiträge zur Krankenversicherung sind sehr unterschiedlich. Der Beitrag zur privaten Krankenversicherung ist unabhängig vom Einkommen und liegt in der Regel bei 400 Euro. Der Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung hingegen hängt vom Einkommen ab, und zwar von sämtlichen Einkünften, auch Miet- und Kapitalerträgen. Der Mindestbeitrag ist 170 Euro. Freiwillige Versicherte bezahlen rund 17 Prozent ihrer Einkünfte. Wer Privatier ist, aber als Selbständiger eingestuft wird, muss mit mindestens 400 Euro und höchstens rund 800 Euro rechnen.

Erst wenn man die gesetzliche Rente bezieht, kann man Pflichtmitglied der gesetzlichen Krankenkasse werden. Dann müssen Krankenversicherungsbeiträge nur noch auf Renten und Betriebsrenten bezahlt werden und die Rentenkasse steuert die Hälfte des Beitrags bei. Dafür muss man allerdings 90 Prozent der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens in der gesetzlichen Krankenkasse versichert gewesen sein. Wer diese Voraussetzung nicht erfüllt, bleibt weiterhin freiwillig versichert. Wer privat krankenversichert ist, bekommt als Rentner einen Zuschuss in Höhe von 7,3 Prozent der Rente, maximal aber der Hälfte des Beitrags zur privaten Krankenversicherung.

Mit welchem Budget man rechnen sollte

Michael Huber empfiehlt, monatliche Ausgaben von mindestens 2.500 Euro anzusetzen. Davon sollten 1.000 Euro für das Wohnen und 1.500 Euro für die grundlegende Lebenshaltung eingeplant werden, also für Lebensmittel, Bekleidung und Versicherungen.

Das ist jedoch nur als Richtwert anzusehen. Wer günstig auf dem Land lebt, nur wenig für Freizeitgestaltung ausgibt oder nicht stets auf dem neusten Stand der Technik ist, der kommt auch mit weniger Geld zurecht. Eine gut situierte Klientel wie die von Michael Huber hingegen rechnet eher mit einem monatlichen Budget von 5.000 bis 7.000 Euro.

Vorbereitung auf die finanzielle Freiheit

Wer seinen frühen Ausstieg plant, sollte jedoch auch mit Unvorhergesehenem rechnen. Bei einigen Privatiers kam es zu einer späten Familiengründung, und das Vermögen konnte nicht mehr vollständig für den Lebensstandard im Rentenalter verzehrt werden – schließlich sollte das Kind noch etwas erben.

Auch bedeutet finanzielle Freiheit nicht, dass man sich keine Gedanken mehr um Geld macht. Genau das Gegenteil ist der Fall, denn schließlich lebt man ausschließlich vom vorhandenen Vermögen und seinen Erträgen.

Und: Wer früh aus dem Erwerbsleben aussteigen möchte, sollte sich gut überlegen, was er dann machen möchte. Michael Huber weiß: "Nichtstun jedenfalls ist keine Lösung." In dieser Hinsicht haben einige seiner Kunden die Entscheidung für den vorzeigen Ruhestand bereut. Eben nicht finanziell, sondern emotional: "Vielen fehlt der strukturierte Tagesablauf und der soziale Austausch im Erwerbsleben", sagt Michael Huber und: "Meist lässt sich das nicht mehr zurückdrehen."

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