Geldanlagen

Keine Entwarnung beim Öl

Der Ölpreis notiert wieder unter 100 Euro. Das ist gut für die Weltwirtschaft. Ein Problem ist aber noch nicht gelöst: Das Ölangebot bleibt zu gering.

Porträt von Herrn Christoph Sax, CIO (Leiter Anlagestrategie) bei VZ VermögensZentrum.

Dr. Christoph Sax

Funktion Chefökonom

Publiziert am

3. Juni 2026

Der Ölpreis hat spürbar nachgegeben. Er notiert nun schon seit zwei Wochen unter 100 Dollar – ein klares Indiz dafür, dass es Fortschritte in den Gesprächen zwischen dem Iran und den USA gegeben hat und dass die Märkte mit einer Entspannung rechnen.

Die Marktteilnehmer preisen nämlich nicht die aktuelle Lage ein, sondern das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden Wochen. Einen Ölpreis von knapp 100 Dollar kann die Weltwirtschaft grundsätzlich gut verkraften. Aber die Lieferketten sind weiterhin gestört – nicht nur bei Öl und Erdgas, sondern auch bei vielen petrochemischen Produkten.

In Europa könnte Motorenöl schon bald knapp werden, weil ein Großteil davon aus der Golfregion stammt und lokale Produktionsstätten durch den Iran beschädigt wurden. Und noch ist keine Öffnung der Straße von Hormus absehbar.

Für Anlegerinnen und Anleger stellt sich damit die Frage: Wie geht die Weltwirtschaft mit dieser Situation um? Wie hat die Blockade den Ölmarkt verändert? Und: Können die Ausfälle im Nahen Osten kompensiert werden?

Unter dem Strich werden dem globalen Ölmarkt seit Wochen etwa acht Millionen Barrel pro Tag entzogen. Das ist weniger als befürchtet. Aber es entspricht noch immer etwa acht Prozent der globalen Nachfrage. Aktuell sind es vor allem die USA, welche diese Lücke teilweise schließen. Sie haben ihre Ausfuhren permanent um zwei Millionen Barrel pro Tag ausgedehnt. Damit bleibt noch ein Angebotsdefizit von sechs Millionen Barrel pro Tag. Hinzu kommt, dass auch die USA die Ausfuhren nicht dauerhaft so stark erhöhen können, da die Steigerung zulasten der eigenen Reserven geht. Allerdings sind die US-Ölreserven weiterhin gut gefüllt, so dass die zusätzlichen Ausfuhren noch über Monate aufrechterhalten werden könnten.

Mit dem täglichen Angebotsdefizit von sechs Millionen Barrel zeigt sich, dass der Markt nach wie vor nicht im Gleichgewicht ist. Der Blick auf die nationalen Lagerbestände offenbart ein zweigeteiltes Bild: Während China und Japan noch eine längere Zeit von ihren Reserven leben können, wird Öl in Indien allmählich zu einem knappen Gut. Diese Unsicherheiten rund um die Energieversorgung dürften den Ölpreis auch in den kommenden Wochen in Atem halten. Eine dauerhafte Entspannung beim Ölpreis wird es nur geben, wenn der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder in Gang kommt.

Weitere Wirtschaftsnews

USA planen neue Strafzölle 

Die USA schlagen zusätzliche Zölle von 10 bis 12,5 Prozent auf Importe aus rund 60 Ländern vor, darunter auch die EU. Begründet wird der Schritt mit unzureichenden Maßnahmen gegen Produkte aus Zwangsarbeit, wobei der Vorschlag noch in Konsultation ist und nicht final beschlossen wurde. Die Maßnahme stützt sich neu auf das Handelsgesetz von 1974, nachdem frühere Zölle juristisch teilweise aufgehoben worden waren.

Chinas Industrie bleibt auf Wachstumskurs

Der von S&P Global ermittelte Einkaufsmanagerindex fiel im April von 52,2 auf 51,8 Punkte. Die Analystenprognosen von 51,6 wurden damit dennoch übertroffen, außerdem blieb der Index den sechsten Monat in Folge über der Marke von 50, die Wachstum signalisiert. Während die Produktion und die Neuaufträge insgesamt weiter stiegen, schrumpfte das Exportgeschäft erstmals seit fünf Monaten.

Zahl der offenen Stellen im US-Arbeitsmarkt steigt

Die Zahl der offenen Stellen in den USA ist im April auf 7,6 Millionen gestiegen, während die Neueinstellungen auf 5,1 Millionen zurückgingen, was auf eine insgesamt etwas kühlere Dynamik am Arbeitsmarkt hindeutet. Die Einstellungsquote fiel auf 3,2 Prozent, während die Entlassungen weitgehend stabil blieben.

Weitere Informationen

Nutzen Sie den kostenfreien Depot-Check. Wenn Sie Ihr Vermögen von Profis verwalten lassen möchten, finden Sie beim VZ VermögensZentrum das passende Vermögensverwaltungsmandat.

Haben Sie Fragen? Schreiben Sie an kontakt [at] vzde.com oder sprechen Sie mit den Anlageexpertinnen und -experten: Reservieren Sie Ihr kostenfreies und unverbindliches Beratungsgespräch in einem VZ VermögensZentrum in Ihrer Nähe.