Geldanlagen

Die größten Fehler beim Aktienkauf

Anleger können bei der Investition in Aktien viel falsch machen: Sie haben keine Strategie, sie kaufen und verkaufen zu häufig und ihre Anlagen sind schlecht diversifiziert. Eine Übersicht über die fünf häufigsten Fehler.

Porträt von Herrn Jonas Brüssermann, Berater in Frankfurt am Main.

Jonas Brüssermann

Funktion Anlageexperte

Aktualisiert am

4. Februar 2026

1. Keine Anlagestrategie

Viele Anleger treffen ihre Anlageentscheidungen ohne eine übergeordnete Strategie. Sie kaufen und verkaufen Wertpapiere aus unterschiedlichen Gründen und verändern ihre Aktienquote. Ihr investierbares Vermögen ist zu einem bestimmten Zeitpunkt fast ausschließlich in Aktien investiert, zu einem anderen Zeitpunkt halten sie einen zu  hohen Anteil an Gold oder Liquidität. Die Umschichtungen erfolgen meist planlos aufgrund von vagen Vermutungen über künftige Chancen und Risiken.

Ihnen fehlt eine nachvollziehbare und auf ihre persönliche und finanzielle Situation abgestimmte Anlagestrategie. Eine Anlagestrategie legt fest, wie das Vermögen in die verschiedenen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen aufgeteilt werden soll. Sie berücksichtigt die objektive und die subjektive Fähigkeit des Anlegers, mit Risiken umzugehen.

Die Einkommens- und Vermögenssituation des Anlegers bestimmt, wie viele Risiken er aus finanziellen Überlegungen eingehen darf. Benötigt er beispielsweise innerhalb kurzer Zeit einen großen Teil seines Vermögens für eine Anschaffung, sollte er nicht oder höchstens sehr beschränkt in risikoreiche Wertpapiere wie Aktien investieren. Diese objektiven Kriterien werden als Risikotragfähigkeit bezeichnet.

Nicht zu unterschätzen ist aber auch die emotionale Fähigkeit des Anlegers, mit Risiken umzugehen. Wer bereits bei einem geringen Kursverlust seine Anlagen verkaufen möchte und es bei einem starken Kursverlust dann effektiv tut, kann offensichtlich emotional nicht gut umgehen mit Verlusten. Er hat eine niedrige Risikobereitschaft.

Die Anlagestrategie wird in der Regel mit einem Fragebogen hergeleitet, der sowohl Fragen zur Risikotragfähigkeit als auch zur Risikobereitschaft enthält. Wer seine Anlagestrategie vor der Erstinvestition kennt und sich daran hält, kann sich in schwierigen Phasen darauf zurückbesinnen. Im Idealfall vermeidet man so unüberlegte und vorschnelle Reaktionen.

 
2. Zu viele Käufe und Verkäufe

Hin und Her macht die Taschen leer – so lautet ein häufig zitiertes Sprichwort. Es weist die Anleger darauf hin, dass Transaktionsgebühren die Rendite signifikant schmälern können.

Beim Versuch, durch häufiges Handeln die Kauf- und Verkaufskurse der Aktien möglichst gewinnbringend auszunutzen, tappen viele Anleger in die Falle des Aktionismus. Sie reagieren auf die kleinsten Kursschwankungen und sind sich der anfallenden Kosten oft nicht bewusst. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang, eine Depotbank mit attraktiven Konditionen auszuwählen.

Viele Anleger investieren kurzfristig. Sie möchten bald einen Erfolg sehen und schnelle Gewinne einfahren. Wer Aktien aufgrund einer hergeleiteten Anlagestrategie seinem Portfolio beimischt und den längerfristigen Anlageerfolg sucht, sollte seinen Blick längerfristig ausrichten und nicht auf jede Kursänderung reagieren.

3. Zu geringe Diversifikation

Anleger investieren häufig in die Wertpapiere, zu denen sie eine Beziehung haben. Auch in den Medien häufig erwähnte Firmen sind beliebt. Beides sind oft Aktien aus Deutschland und aus einigen wenigen Branchen. Eine Investition in diese Firmen verspricht auf den ersten Blick zwar Sicherheit, das Klumpenrisiko steigt aber erheblich. Bei einer solch geringen Diversifikation kann es passieren, dass das Gesamtvermögen schon erheblich belastet wird, wenn nur eine einzige Aktie im Depot einen heftigen Kursverlust erleidet. 

Besser ist es, wenn man sein Vermögen über verschiedene Regionen, Sektoren und Anlageansätze verteilt. Gerät zum Beispiel eine Branche unter Druck, machen andere nicht-verwandte Branchen den Verlust unter Umständen wieder wett.

Bei Einzelaktien ist eine breite Streuung erst ab einer gewissen Summe umsetzbar. Eine Möglichkeit zur breiten Abstützung bieten aktive und passive Fonds, wobei passive Fonds wie ETFs für Privatanleger in der Regel besser geeignet sind. Sie sind günstiger und damit erzielt man immer in etwa die Marktrendite. 

Ein breit diversifiziertes Portfolio streut das Risiko und macht das Portfolio weniger schwankungsanfällig. Anleger optimieren damit das Verhältnis von Risiko und Rendite.

4. Selbstüberschätzung

Viele Anleger glauben, schneller und besser informiert zu sein als der Markt. Meist ist es aber so, dass kurstreibende Informationen bereits im Aktienwert eingepreist sind und eine Kursbewegung nur erfolgt, wenn die Erwartungen übertroffen oder verfehlt werden. Ein Privatanleger hat selten einen Informationsvorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern.

Viele Anleger überschätzen auch die eigene Risikobereitschaft. Sie nehmen sich vor, bei einem negativen Kursverlauf Ruhe zu bewahren. Hat die Investition dann aber deutlich an Wert verloren, reagieren die meisten Anleger emotionaler als angenommen. Ein überstürzter Verkauf und das Über-den-Haufen-Werfen der ursprünglich festgelegten Anlagestrategie erweisen sich im Nachhinein oft als Fehler.

5. Der Blick zurück

Der Kaufpreis einer Aktie ist für viele Anleger das Maß aller Dinge. Sämtliche Kursstände werden mit diesem Kaufpreis verglichen. Er dient als eine Art Anker. Verliert eine Aktie an Wert und rutscht unter den Kaufpreis, warten viele Anleger ab und harren aus, bis hoffentlich zumindest der Einstiegskurs wieder erreicht ist. Sie möchten auf keinen Fall einen Verlust realisieren. Die Gefahr, dass sich die Verlustspanne dann mehr und mehr ausweitet, ist allerdings hoch.

Die Überlegung, dass man alles in Bezug zum Kaufpreis bewertet, ist wenig sinnvoll. Richtig ist vielmehr: Der Kaufpreis spielt für die künftige Entwicklung einer Anlage keine Rolle. Was zählt, sind die Erwartungen an das Potenzial der Aktie und ob die Erwartungen erreicht oder übertroffen werden können.

Deshalb ist es empfehlenswert, für die Prognose der weiteren Entwicklung auf die Erwartungen und das Potenzial der Titel abzustützen. Dazu sollte man die fundamentale Verfassung des Unternehmens prüfen. Auch eine Stopp-Loss-Order, die zu einem automatischen Verkauf führt, wenn eine Aktie auf ein bestimmtes Niveau fällt, kann vor zu hohen Verlusten schützen.

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