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Trotz gestiegener Energiepreise und Zinsen nimmt der DAX wieder Kurs auf den Höchststand von Anfang Juli. Die Gewinnerwartungen für das Jahr 2026 sind für die deutschen Unternehmen unverändert rosig, doch nicht alle Branchen profitieren gleichermaßen.
Robert Leitner
Funktion Leiter Research
29. Juli 2026
Das bisherige Börsenjahr ist von starken Schwankungen geprägt. Nach dem guten Jahresstart und dem ersten Zwischenhoch des deutschen Leitindexes bei knapp 25.300 Punkten kam der erste Rücksetzer: Im Zuge der Eskalation des Iran-Konflikts und steigender Energiepreise verlor der DAX im März zwischenzeitlich deutlich (siehe Grafik unten).
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Diese Verluste holte er jedoch innerhalb weniger Monate wieder auf. Am 6. Juli schloss er bei fast 26.000 Punkten. Von diesem Hoch ist er aktuell nicht mehr allzu weit entfernt. Der Jahreszuwachs beläuft sich damit auf knapp 4 Prozent. Zwischen den Unternehmen und Sektoren gibt es jedoch große Unterschiede: Versorger gewannen seit Jahresbeginn dank gestiegener Energiepreise 25 Prozent hinzu, und Industrie- und Gesundheitswerte gut 9 beziehungsweise 8 Prozent.
Insbesondere Industrietitel profitieren von der Margenausweitung dank Automatisierung und KI. Mit Gegenwind mussten vor allem die Automobil-Branche und der Immobiliensektor kämpfen. Zyklische Konsumwerte, zu denen auch die Autokonzerne zählen, verloren knapp 16 Prozent und Immobilienwerte gaben um fast 12 Prozent nach.
Vergangene Woche legten die ersten DAX-Großunternehmen die Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal vor. SAP steigerte den Quartalsumsatz um 9 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro – trotz aller Sorgen, dass KI das Geschäftsmodell bedrohen könnte. Bei der Deutschen Börse erhöhte sich das operative Ergebnis im Jahresvergleich um 10 Prozent. Die Handelsumsätze sprudelten. Mercedes-Benz verzeichnete dagegen einen Umsatzrückgang von 3,3 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro. Der Vorsteuergewinn fiel dennoch höher aus als im Vorjahr.
Analysten von Yardeni Research rechnen für die deutschen Unternehmen im etwas breiter gefassten MSCI Germany (53 Titel anstelle 40 Titel im DAX) mit einem durchschnittlichen Gewinnwachstum von 8 Prozent im Jahr 2026. Noch optimistischer sind sie für die Jahre 2027 und 2028. Für die Folgejahre werden Zuwächse von 15,9 beziehungsweise 14 Prozent erwartet. Insgesamt bleiben die Gewinnaussichten für die Unternehmen im DAX damit positiv.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen wie erwartet unverändert belassen und hält sich angesichts steigender Ölpreise die Möglichkeit einer Zinserhöhung im September offen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte die anhaltend hohe Unsicherheit und verwies auf mögliche Inflationsrisiken durch den Nahost-Konflikt.
Das deutsche Geschäftsklima verbesserte sich im Juli überraschend deutlich von 85,7 auf 86,6 Punkte. Vor allem die Erwartungen der Unternehmen hellten sich auf, nachdem das angekündigte Reformpaket der Bundesregierung neue Zuversicht geweckt hat.
Nach Auslaufen der provisorischen Zusatzzölle verhängt die US-Regierung nun neue Zölle. Unter dem Vorwand unzureichender Maßnahmen gegen Zwangsarbeit werden nun für 60 Länder Zusatzzölle bis zu 10 oder 12,5 Prozent erhoben, je nach Land. Für die Europäische Union greift laut der Mitteilung künftig ein Zoll in Höhe von zehn Prozent.
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