Ruhestand

Rentenlücke schließen: 3 Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten

Um Ihre Rentenlücke zu schließen, sollten Sie diese Fehler nicht machen: Zu spät mit dem Aufbau des Vermögens beginnen, das Sie benötigen, um Ihre Rentenlücke dauerhaft zu schließen. Beim Sparen die Rendite vernachlässigen und damit Ihr Sparziel gefährden. Und im Ruhestand auf eine Einkommensstrategie setzen, die nicht geeignet ist, um die Rentenlücke zu schließen. Informieren Sie sich und nutzen Sie die Tipps, um Ihren Lebensstandard im Ruhestand zu sichern.

Henrik Arning
Ruhestandsexperte
Aktualisiert am
12. Februar 2024

Viele unterschätzen, wie groß ihre Rentenlücke sein wird. Die Rentenlücke ist die Lücke zwischen den Einkünften und den Ausgaben im Ruhestand. Reichen die Einnahmen nicht aus, um den Lebensunterhalt zu finanzieren, entsteht eine Rentenlücke. 

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Checkliste für den Ruhestand

Die wichtigsten Aufgaben für die Planung Ihres Ruhestands kompakt zusammengefasst.

Wie groß ist die Rentenlücke?

Bei den Einkünften im Ruhestand denken viele in erster Linie an die Rente. Doch das deutsche Vorsorgesystem sieht vor, dass die gesetzliche Altersversorgung lediglich die Basisversorgung darstellt, die ergänzt werden soll durch die betriebliche und private Altersversorgung. Die gesetzliche oder berufsständische Rente allein reicht keinesfalls für einen angenehmen Lebensabend.

Das Rentenniveau liegt 2023 bei 48,15 Prozent, das heißt nach 45 Beitragsjahren beträgt die Rente etwa die Hälfte des dann geltenden Durchschnittsverdienstes. Die Standardrente liegt bei 1.692 Euro pro Monat (aktuellster Wert, Juli 2023). Nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bleiben 1.503,34 Euro netto vor Steuern. Wer weniger verdient und weniger lang eingezahlt hat, hat weniger Rente.

Können Sie sich vorstellen, von 1.692 Euro Rente brutto im Monat zu leben? Für Ruheständler ohne Ersparnisse ist das heute Realität. Künftige Rentnerinnen und Rentner müssen mit noch weniger auskommen, wenn sie ihre Rentenlücke nicht rechtzeitig schließen. Wollen Sie sich nicht einschränken, können Sie nur Vermögen und zusätzlichen Einkünften gegensteuern. Um die Rentenlücke aber dauerhaft zu schließen, ist eine intelligente Strategie gefragt. Was tun?

Lesen Sie regelmäßig, wie Sie effizient sparen, günstig anlegen und gut fürs Alter vorsorgen:

Je früher Sie solche Rentenlücken erkennen, desto eher gelingt es Ihnen, die noch fehlenden Mittel zu sparen. Wer erst kurz vor Rentenbeginn merkt, dass sein Einkommen und sein Vermögen nicht ausreichen, kann sich seinen gewohnten Lebensstandard im Alter nicht mehr leisten.

Rentenerhöhungen reichen nicht aus

Am 1. Juli 2024 soll die gesetzliche Rente bundesweit um 3,5 Prozent steigen. 2023 wurde sie im Westen um 4,39 Prozent im Westen und um 5,86 Prozent im Osten angehoben. Rentenerhöhungen werden jedoch in vielen Fällen nicht ausreichen, um Rentenlücken zu schließen und den Lebensstandard im Ruhestand zu sichern.

Tipp: Machen Sie sich bei Ihrer Ruhestandsplanung nicht von Faktoren abhängig, auf die Sie keinen Einfluss haben. Die Anpassung der gesetzlichen Renten hängt davon ab, wie sich die Wirtschaft und die Löhne entwickeln, sowie vom sogenannten "Nachholfaktor". Wenn es gut läuft, gleicht die Rentenerhöhung die Inflation aus. Sie dient aber nicht dazu, die Differenz zwischen Ihren Einkünften und Ausgaben zu schließen. Dafür müssen Sie selbst sorgen!

Wie lässt sich die Rentenlücke schließen?

Es liegt in Ihrer Hand, Ihre Rentenlücke dauerhaft zu schließen. Fakt ist: Sie brauchen viel Kapital, um sich daraus eine Zusatzrente auszuzahlen. Das gilt umso mehr, wenn Sie vorzeitig in den Ruhestand gehen möchten.

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Brauche ich 1 Million Euro für einen sorgenfreien Ruhestand?

Erfahren Sie, mit wie viel Geld Sie sich im Ruhestand den gewünschten Lebensstandard leisten können.

Der Kapitalbedarf ist sehr individuell. Er hängt unter anderem ab vom bereits vorhandenen oder erwarteten Vermögen, von den finanziellen Zielen (zum Beispiel ob Vermögen verschenkt oder vererbt werden soll), von der Rentendauer und der Anlagerendite. Wie viel Geld Sie brauchen, um Ihre Rentenlücke zu schließen, ermitteln Sie in wenigen Schritten:

  1. Schätzen Sie Ihre monatlichen Ausgaben im Rentenalter. Die größten Posten sind Wohnen, Lebenshaltung, Steuern und Versicherungen, Mobilität und Freizeitgestaltung. Vielfach kommen Gesundheits- oder Pflegekosten dazu oder finanzielle Zuwendungen an Angehörige.
     
  2. Stellen Sie Ihre erwarteten Einkünfte zusammen. Dazu zählen gesetzliche, Betriebs- und Privatrenten, Kapitalerträge und Mieteinnahmen. Die Differenz zwischen den Einkünften und den Ausgaben ist Ihre Rentenlücke.
     
  3. Entscheiden Sie, ob Sie Ihr gesamtes Vermögen für die Deckung Ihrer Rentenlücke einsetzen können oder ob Sie etwas vererben möchten.
     
  4. Auf dieser Basis errechnen Sie, wie viel Kapital Sie brauchen, um sich die gewünschte Zusatzrente auszuzahlen. Wie viel Kapital ist bereits vorhanden, zum Beispiel in Form von Immobilien oder Wertpapieren? Und wie viel erwarten Sie noch, wie die Auszahlung einer Lebensversicherung oder eine Erbschaft? Fehlendes Vermögen bauen Sie in den Jahren bis zum Ruhestand auf.

Tipp: Lassen Sie sich von unabhängigen Ruhestandsexpertinnen und -experten beraten, mit welchen Maßnahmen dies am effizientesten gelingt.

Tipp 1: Spätestens mit 50 anfangen zu sparen

Ihre Rentenlücke sollten Sie spätestens mit Anfang 50 ermitteln. Berücksichtigen Sie dabei auch die Geldentwertung durch die Inflation. Berechnen Sie anschließend, wie viel Geld nötig ist, um Ihre Rentenlücke zu schließen. Erschrecken Sie nicht über die Summe; sie kann durchaus im sechsstelligen Bereich liegen. Denn womöglich haben Sie bereits einen Teil des Geldes angespart oder erwarten größere Zuflüsse, etwa aus der Auszahlung einer Lebensversicherung, aus dem Verkauf Ihrer Firma oder aus einer Erbschaft.

Der Zinseszins-Effekt erzeugt beim Vermögensaufbau einen regelrechten Turboeffekt. Weil neben den Sparbeiträgen auch die jährlichen Zinserträge immer wieder mit verzinst werden, wächst das Sparkapital mit der Zeit schneller an.

Tipp: Die Tabelle illustriert, wie die Zeit für Sparer arbeitet. Um mit Fonds, die jährlich fünf Prozent Rendite nach Steuern erzielen, bis zum 65. Lebensjahr 500.000 Euro anzusparen, müssen 35-jährige Sparer monatlich knapp 600 Euro zurücklegen; 55-jährige Sparer brauchen hingegen Monat für Monat einen Betrag von mehr als 3.200 Euro.

Tipp: Ob Sie 30, 40 oder 50 Jahre alt sind – schieben Sie Ihre Altersvorsorge nicht auf! Nutzen Sie den Zeitvorteil durch einen frühen Start. Das A und O ist eine Anlagestrategie, die zu Ihrem Risikoprofil und zur geplanten Spardauer passt. Wichtig dabei ist, einen Teil des Geldes in renditestarke Wertpapiere zu investieren.

Tipp 2: Beim Vermögensaufbau auf Rendite setzen

Das fehlende Kapital müssen Sie in den verbleibenden 10 bis 15 Jahren bis zum Erwerbsende ansparen. Jetzt heißt es, Sparpotenziale auszuschöpfen, damit Sie Ihr Ziel erreichen. Richten Sie den Fokus in der Sparphase auf renditestarke Anlagen wie Aktien und Aktienfonds. Ihr Anlagehorizont von zehn Jahren oder mehr reicht aus, um Schwankungen an den Börsen auszugleichen und eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen. Entscheidend sind erstens eine Anlagestrategie, die optimal zu Ihren Zielen passt, und zweitens die Auswahl der besten Wertpapiere und Investmentfonds.

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Etappenstrategie – so sichern Sie Ihr Einkommen im Ruhestand

Lesen Sie, wie Sie mit der Etappenstrategie im Ruhestand dauerhaft Zusatzeinkünfte erhalten.

Tipp 3: Rentenphase in Etappen aufteilen

Im Rentenalter müssen Sie das angesparte Kapital so anlegen, dass sie damit dauerhaft Ihre Rentenlücke schließen. Organisieren Sie es so, dass es Ihnen ein sicheres Zusatzeinkommen einbringt. Ein bewährtes Konzept zur Einkommenssicherung im Rentenalter ist die Etappenstrategie, die das VZ VermögensZentrum entwickelt hat.

Dabei unterteilen Sie Ihre zukünftigen Einkommensphasen in Etappen von zehn Jahren (siehe Grafik). Das vorhandene Kapital wird in zwei Teile gesplittet und für jede Zehn-Jahres-Phase ein Ablaufplan erstellt. Auf Basis Ihres Ausgabenbudgets legen Sie fest, wie viel Zusatzrente Sie in der ersten Etappe benötigen. Anschließend wird Ihr Vermögen in zwei Teile gesplittet. Aus dem Verbrauchsteil speist sich die Zusatzrente, der Wachstumsteil baut unterdessen neues Kapital auf für die nächste Verbrauchsetappe. Alle zehn Jahre beginnt eine neue Etappe.

Der Teil Ihres Vermögens, der zehn Jahre lang die benötigten Zusatzeinkünfte sichert, fließt in den Verbrauchsteil (Grafik, oben links). Dieses Kapital wird sicherheitsorientiert angelegt. Die Summe, die für die ersten zwei Jahre vorgesehen ist, wird liquide angelegt, beispielsweise als Tages- oder Festgeld. Für die Zeit danach kommen Anleihen erstklassiger Schuldner in Frage. Die Verfallsdaten dieser Papiere können dem Einkommensbedarf entsprechend gestaffelt gestaltet werden.

Ihr übriges Vermögen fließt in den Wachstumsteil (siehe Grafik, unten links). Dieser wird langfristig angelegt, um den Substanzverbrauch zu kompensieren. Mit den Erträgen wird der Verbrauchsteil innerhalb dieser zehn Jahre wieder aufgefüllt. Dank des längeren Anlagehorizonts kann der Wachstumsteil renditeorientierter angelegt werden. Wertpapiere unterliegen zwar Wertschwankungen und haben Verlustrisiken, doch diese Anlagerisiken sinken mit zunehmender Haltedauer.

Wie viel Vermögen Sie zur Deckung Ihrer Rentenlücke benötigen, hängt von der Anlagenrendite ab sowie von der Frage, ob Sie das Vermögen verbrauchen wollen oder nicht. Beispiel: Bei einem Kapitalstock von 800.000 Euro erhalten Sie bei 3,0 Prozent Rendite 24.000 Euro pro Jahr (vor Steuern und Kosten). Entnehmen Sie nicht mehr als diese Erträge, bleibt Ihr Vermögen voll erhalten.

Warum wächst die Rentenlücke?

Unabhängig von der individuellen Situation tragen verschiedene Faktoren dazu bei, dass die Rentenlücke, die jeder einzelne schließen muss, immer größer wird:

1. Die Lebenserwartung steigt

Die Deutschen werden immer älter. 65-Jährige Männer haben eine Lebenserwartung von 17,6 Jahren, werden also im Schnitt 82,6 Jahre alt. Die Lebenserwartung von 65-jährigen Frauen ist mit 20,9 Jahren etwas höher, sie dürften im Schnitt fast 86 Jahre alt werden. Diese Werte stammen vom Statistischen Bundesamt.

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Die 3-Säulen-Versorgung: Was Sie im Ruhestand erwartet

Im Merkblatt erfahren Sie alles Wichtige zur gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge.

Das Problem: Wer länger lebt, braucht auch länger Geld. Das Altersvorsorgekapital muss 15 bis 20 Rentenjahre oder länger reichen.

Tipp: Werden Sie aktiv und fangen Sie jetzt an, eine Zusatzvorsorge aufzubauen. Nutzen Sie Zuschüsse und Steuervorteile, um effizient für die Zeit nach dem Erwerbsleben anzusparen.

2. Die Gesundheitskosten nehmen zu

Der medizinische Fortschritt sorgt für immer bessere Gesundheit, verursacht aber auch höhere Kosten. 2005 lagen die Gesundheitsausgaben pro Bundesbürger noch bei rund 3.000 Euro pro Jahr. Nach den jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes (vom April 2023) kletterten sie allein von 2019 bis 2021 von 4.950 Euro auf 5.699 Euro. Die steigende Lebenserwartung treibt die Kosten zusätzlich in die Höhe.

Tipp: Bilden Sie frühzeitig Rücklagen, damit Ihre Gesundheitsversorgung auch im Alter gesichert ist.

3. Die Renten sinken

Das gesetzliche Rentenniveau sinkt. Zur Jahrtausendwende erhielten Neurentner noch rund 53 Prozent ihres durchschnittlichen Nettoverdienstes als Rente. Diese Quote schrumpfte bis 2023 auf 48,15 Prozent. Die Haltelinie bis 2025 beträgt 48 Prozent. Experten befürchten, dass dieser Wert langfristig kaum zu halten sein wird. Schätzungen gehen davon aus, dass das Rentenniveau bis 2034 auf 46 Prozent absinkt.

Tipp: Wer die wachsende Lücke zwischen Erwerbseinkommen und Renteneinkommen schließen will, muss privat vorsorgen. Je eher Sie damit anfangen und je systematischer Sie vorgehen, desto effizienter ist der Vermögensaufbau.

Lesen Sie regelmäßig, wie Sie effizient sparen, günstig anlegen und gut fürs Alter vorsorgen:

Wichtige Fragen für die Ruhestandsplanung

Die Schere zwischen den erwarteten Einkünften und dem Finanzbedarf im Ruhestand öffnet sich immer weiter. Darum müssen Sie möglichst früh vorsorgen und Antworten auf wichtige Fragen finden: 

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So budgetieren Sie Ihren Ruhestand

Reichen Ihre Einkünfte im Ruhestand, um den gewünschten Lebensstandard zu sichern? Ihr Budget zeigt es Ihnen.

  • Wie finde ich heraus, wie groß meine Rentenlücke sein wird?
  • Wie lege ich das Geld am besten an, das ich zur Schließung der Rentenlücke sparen muss?
  • Was kann ich tun, wenn ich die erwartete Rentenlücke nicht vollständig decken kann?
  • Was muss ich tun, wenn die Rentenlücke im Ruhestand von Jahr zu Jahr variiert?

Nutzen Sie den kostenfreien Altersvorsorge-Check des VZ

Die Rentenlücke zu schließen ist eines der wichtigsten finanziellen Ziele für den Ruhestand. Eine große Hilfe bei der Planung ist der Altersvorsorge-Check des VZ. Er zeigt, wie viel Geld Sie im Alter zusätzlich zu Ihrer gesetzlichen sowie betrieblichen Rente benötigen und wie viel Vermögen Sie dafür aufbauen müssen. Die schriftliche Auswertung unserer Experten zeigt Ihre persönliche Situation auf und liefert individuelle Lösungsvorschläge.

Den Altersvorsorge-Check einfach online anfordern.

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