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Ein Jahr nach dem "Liberation Day" zeigt sich: Die USA importieren zwar deutlich weniger direkt aus China, insgesamt aber kaum weniger. Das Handelsdefizit bleibt hoch – und für Europa beginnt der zweite Teil der Geschichte erst richtig.
Tobias Wenz
Funktion Finanzexperte
8. April 2026
Als US-Präsident Donald Trump Anfang April 2025 umfassende Strafzölle ankündigte, war das Ziel klar: weniger Abhängigkeit von China, mehr Produktion in den USA und ein sinkendes Handelsdefizit. Ein Jahr später ist die Bilanz ernüchternd. Zwar haben sich die Handelsströme verändert, von einer wirtschaftlichen "Befreiung" kann jedoch keine Rede sein.
Der deutlichste Effekt zeigt sich im Handel mit China. Die US-Importe aus China sind stark zurückgegangen, ebenso das bilaterale Handelsdefizit.
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Das wirkt zunächst wie ein Erfolg der Zollpolitik. Tatsächlich importieren die USA insgesamt aber kaum weniger. Stattdessen wurden Lieferketten umgelenkt (siehe Grafik): Länder wie Mexiko, Vietnam oder Indien haben die Rolle Chinas teilweise übernommen. Die Importe wurden also nicht reduziert, sondern geografisch verlagert.
Damit blieb die strukturelle Abhängigkeit der USA von globalen Lieferketten bestehen. Die Zölle haben also vor allem die Herkunft der Waren verändert – nicht jedoch die grundsätzliche Importabhängigkeit.
Auch beim Abbau des Handelsdefizits zeigt sich ein ähnliches Bild. Zwar ist das Defizit mit China gesunken, das gesamte US-Handelsdefizit blieb jedoch auf sehr hohem Niveau. Es wurde nicht reduziert, sondern regional neu verteilt.
Die USA importieren weiterhin deutlich mehr, als sie exportieren – nur nicht mehr in erster Linie aus China. Gleichzeitig brachten die Zölle zwar hohe Einnahmen für die US-Staatskasse, die Belastung trugen jedoch größtenteils amerikanische Unternehmen und Konsumenten über höhere Preise.
Europa profitierte zunächst von Vorzieheffekten. US-Importeure stockten ihre Lager vor Inkrafttreten der Zölle massiv auf, was die Exporte kurzfristig stark ansteigen ließ. Die EU verzeichnete 2025 mit 199,6 Milliarden Euro einen hohen Exportüberschuss gegenüber den USA.
Diese Vorzieheffekte waren jedoch nicht nachhaltig. Nach der Lageraufstockung flachte die Exportdynamik wieder ab. Während China dauerhaft Marktanteile verlor, gilt für Europa: Der kurzfristige Vorteil weicht nun einer Phase steigender Unsicherheit und möglicher Belastungen.
Der entscheidende Teil der Geschichte beginnt also erst jetzt: Nicht nur die Wirkung der Zölle steht aktuell im Fokus, sondern ihre politische und rechtliche Stabilität. Im Februar 2026 erlitt Trumps Zollpolitik einen Dämpfer, als der U.S. Supreme Court zentrale Zusatzzölle von 2025 als rechtlich problematisch einstufte. Damit geriet die damalige Zollarchitektur ins Wanken.
Entwarnung bedeutet das jedoch nicht. Die Zollpolitik wird nicht beendet, sondern neu justiert: Die Administration sucht nach alternativen rechtlichen Wegen, während sektorale Zölle weiter bestehen oder angepasst werden.
Diese Unsicherheit wiegt für Unternehmen besonders schwer. Unklare Regeln bremsen nämlich Investitionen, machen Lieferketten komplexer und erzwingen vorsichtigere Kalkulationen. Solche Umstände sind oft belastender als die Zölle selbst.
Die USA und der Iran haben sich in der Nacht auf Mittwoch auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt. Im Gegenzug soll der Iran die Straße von Hormus im gleichen Zeitraum wieder öffnen. Die Finanzmärkte reagierten positiv auf die Neuigkeiten. Die meisten Anlageklassen legten am Mittwochmorgen massiv zu.
Die USA will künftig patentierte Arzneimittel mit einem Zoll von 100 Prozent belegen. Damit will die USA erreichen, dass mehr Pharma-Firmen einen Teil ihrer Produktion in ihr Land verlegen. Diese neuen Maßnahmen sollen in 120 Tagen für große und in 180 Tagen für kleinere Firmen in Kraft treten.
Die Aktivität in der US-Dienstleistungsbranche ist im März langsamer gewachsen. Der vom ISM berechnete Einkaufsmanagerindex des nicht-verarbeitenden Gewerbes ermäßigte sich von 56,1 auf 54,0 Punkte. Damit verfehlte der Index die Erwartungen der Ökonomen, bleibt aber weiterhin über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.
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