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Die Ölversorgung aus dem Nahen Osten hat sich überraschend schnell erholt. Trotzdem notiert die Sorte Brent weiter über 100 Dollar pro Fass. Welche Faktoren den Ölpreis stützen und welche Folgen das für Inflation, Zinsen und Konjunktur haben könnte, lesen Sie hier.
Funktion Finanzexperte
7. Oktober 2026
Die Ölmärkte senden derzeit widersprüchliche Signale. Obwohl sich die Versorgungslage deutlich entspannt hat, bleibt der Ölpreis auf einem hohen Niveau (siehe Grafik unten). Laut Schätzungen von JPMorgan liegen die Rohölexporte aus dem Nahen Osten mittlerweile bei rund 98 Prozent des Niveaus vor Beginn des Konflikts. Auch Goldman Sachs geht davon aus, dass die Ölexporte aus dem Nahen Osten inzwischen wieder den Durchschnittswerten von 2025 entsprechen.
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Die Golfstaaten haben sich dabei zunehmend an die schwierigen Rahmenbedingungen angepasst. Saudi-Arabien konnte Teile seiner beschädigten Ost-West-Pipeline wieder in Betrieb nehmen und transportiert einen großen Teil seiner Ölexporte unter amerikanischem Schutz durch die Straße von Hormus. Die Vereinigten Arabischen Emirate nutzen zusätzliche Ausweichrouten über Pipelines und Häfen außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone.
Während die arabischen Produzenten ihre Exporte steigern konnten, hat sich die Lage für den Iran deutlich verschlechtert. Seit der Wiedereinführung der amerikanischen Seeblockade im Juli sind die iranischen Ölexporte massiv eingebrochen. Schätzungen zufolge sind die Auslieferungen auf rund 200.000 Fass pro Tag gefallen. Das entspricht weniger als einem Zehntel der früheren Exportmengen.
Dadurch verliert Teheran zunehmend die Möglichkeit, die globale Energieversorgung als politisches Druckmittel einzusetzen. Auch die Fähigkeit, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zu beeinträchtigen, scheint geringer zu sein als noch zu Beginn des Konflikts. Doch gerade diese Entwicklung könnte neue Risiken schaffen. Mehrere Experten warnen, dass der wirtschaftliche Druck auf den Iran die Wahrscheinlichkeit neuer Angriffe auf Tanker, Pipelines, Häfen oder Energieanlagen erhöhen könnte.
Auf den ersten Blick wirkt dies paradox: Obwohl sich die Ölversorgung verbessert hat, notiert Brent-Rohöl weiterhin über der Marke von 100 Dollar pro Fass. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Erstens liegt das globale Angebot trotz der Erholung der Lieferströme weiterhin unter dem Niveau von vor Ausbruch des Konflikts. Zweitens bleibt die Sorge vor neuen Angriffen auf Schiffe und Energieinfrastruktur bestehen. Der Ölmarkt preist damit weiterhin ein erhebliches geopolitisches Risiko ein. Drittens hat sich die Nachfrage in China wieder etwas belebt. Nach einem schwachen Sommer haben chinesische Raffinerien ihre Rohölkäufe zuletzt wieder erhöht. Damit wollen sie die heimische Nachfrage nach Treibstoffen decken und gleichzeitig von hohen Margen im Exportgeschäft profitieren. Gegenüber dem Vormonat stiegen die chinesischen Ölimporte im August um 6,2 Prozent. Im Jahresvergleich liegen sie allerdings weiterhin um 23 Prozent niedriger.
Für die Notenbanken ist diese Entwicklung unerfreulich. Nachdem die Energiepreise in den vergangenen Jahren wesentlich zur Entspannung der Inflation beigetragen hatten, sorgen sie dieses Jahr für Gegenwind.
Höhere Preise für Öl, Benzin und Diesel verteuern Transport und Logistikleistungen. Über höhere Produktionskosten können sie entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf die Konsumentenpreise durchschlagen. In den USA lag die Teuerung im August bei 3,4 Prozent, in der Eurozone bei 3,2 Prozent. Damit liegen beide Werte deutlich über den Inflationszielen der Notenbanken. Entsprechend rechnen die Märkte mit einer weiteren Straffung der Geldpolitik. In der Eurozone und den USA preisen die Märkte bereits für Dezember weitere Zinserhöhungen ein.
Für die Weltwirtschaft ist die teilweise Normalisierung der Ölströme zunächst eine positive Nachricht. Die Gefahr eines unmittelbaren Versorgungsengpasses hat deutlich abgenommen. Damit sinkt auch das Risiko eines abrupten Wachstumsrückgangs in energieabhängigen Volkswirtschaften.
Von Entwarnung kann jedoch keine Rede sein. Die Straße von Hormus bleibt eine der wichtigsten Energietransportrouten der Welt. Ein erheblicher Teil der globalen Ölversorgung passiert diese Meerenge. Jede weitere Eskalation könnte die Lieferketten erneut beeinträchtigen und den Ölpreis weiter nach oben treiben.
Der US-Dienstleistungssektor ist im September weiter gewachsen, wobei der ISM-Einkaufsmanagerindex von 55,4 auf 54,9 Punkte sank und damit leicht unter den Erwartungen lag. Der Preisindex stieg hingegen auf 74 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit Juli 2022.
Die Inflation in der Eurozone ist im September auf 3,8 Prozent gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht. Haupttreiber sind die Energiepreise, die wegen des Konfliktes im Nahen Osten deutlich anziehen. Auch die Teuerung bei Dienstleistungen und Lebensmitteln hat sich beschleunigt. Diese Entwicklung erhöht den Druck auf die EZB, da die Inflation weiterhin klar über ihrem Ziel von 2 Prozent liegt.
Die G7-Staaten wie Deutschland, Frankreich und die USA drängen angesichts der steigenden Kraftstoffpreise auf eine Nutzung von Ölnotreserven. Ab sofort sollen während vier Monaten 100 Millionen Barrel Rohöl freigegeben werden.
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