Warum Frauen für ihre Fonds mehr zahlen

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.11.2020

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung des VZ mit Ergänzungen.

Anlegerinnen bezahlen für ihre Geldanlagen höhere Gebühren als Anleger. Eine neue Studie zeigt, welche Gründe dafür verantwortlich sind. Michael Huber vom VZ VermögensZentrum weiß, dass es Frauen auf das Gesamtpaket ankommt.

Warum kostet die Geldanlage Frauen mehr als Männer? Dieser Frage gingen Wissenschaftler des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, des Finanzforschungszentrums Safe und der Universität Frankfurt nach. Sie werteten über 27.000 Dokumentationen von Beratungsgesprächen aus, die Bankberater mit ihren Kunden geführt haben.

Das Resultat: Frauen investieren in andere Geldanlagen als Männer und werden dafür von ihrer Bank stärker zur Kasse gebeten. Die Gründe dafür sind vielfältig. "Frauen lassen sich nicht übers Ohr hauen", findet Michael Huber vom VZ VermögensZentrum. Woran liegt es also?

Bei Geldanlagen möchten viele Frauen Risiken vermeiden. Viele Anlegerinnen schätzen sich als sicherheitsorientiert ein. Ihre Bankberater empfehlen ihnen Fonds, die eine höhere Sicherheit und weniger Rendite versprechen. Das sind beispielsweise Fonds, die renditestarke Aktien und relativ sichere Anleihen enthalten. Derartige Fonds werden Frauen öfter verkauft als es für ihr Sicherheitsempfinden notwendig wäre.

Dafür zahlen sie vergleichsweise hohe Gebühren. Die Untersuchung zeigt, dass Bankberater Frauen sichere, aber teurere Fonds anbiete als Männern. Dazu kommt, dass Frauen öfter bankeigene Fonds angeboten wurden und Männern öfter Fonds von anderen Anbietern. Unterm Strich verlangte die Bank von Frauen für sicherheitsorientierte Fonds genauso hohe Gebühren wie von Männern für mehr renditeorientierte Fonds. Dabei könnten Frauen sicherheitsorientierte Fonds günstiger erhalten.

Darüber hinaus handeln Männer mit ihrer Bank häufig noch Gebührenrabatte aus. "Bei Männern wird es zum Sport, das Günstigste herauszuholen", sagt Michael Huber. "Männer achten stark auf die Zahlen, Frauen eher auf das Gesamtpaket."

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