Private Altersvorsorge

Anleger ab 60: Kapital nicht liegenlassen, sondern richtig investieren

Wer wenige Jahre vor der Rente steht, neigt dazu, größere Geldbeträge auf dem Konto zwischenzuparken – schließlich braucht man das Geld ja "bald", um sich daraus eine hübsche Zusatzrente auszuzahlen. Besonders clever ist das aber nicht. Unser Beispiel zeigt, wie man es besser macht.

Michael Müller

Ruhestandsexperte

Herr Freundlich ist 60 Jahre alt und möchte mit 65 aufhören zu arbeiten. Das Geld aus seiner Kapitallebensversicherung möchte er dazu nutzen, um seine Rente aufzustocken. Die Laufzeit der Versicherung ist zu Ende, und die angesparten 200.000 Euro sind bereits auf seinem Konto.

Dort soll das Geld auch bleiben, denkt er sich, denn in fünf Jahren braucht er es ja – und zwar in voller Höhe! Es riskant zwischenzuparken kommt daher nicht infrage, und das Kapital langfristig anzulegen ist auch nicht nötig. Viele in seinem Bekanntenkreis handhaben dies ähnlich, der eine mit seiner Erbschaft, der andere mit einer Abfindung.

Merkblatt

Plötzlich Geld: So legen Sie Ihr Vermögen richtig an

Erbschaft, Hausverkauf, Lebensversicherung: Kommt Geld ins Haus, das nicht unmittelbar benötigt wird, stellt sich die Frage: Wie anlegen?

Doch Herr Freundlich unterliegt einem Denkfehler: Die nächsten fünf Jahre braucht er das Geld gar nicht. Und danach braucht er nicht auf Schlag die gesamte Summe, sondern nur kleine Teile davon.

Besser ist es also, das Geld aufzuteilen und jeden Teil mit der passenden Strategie anzulegen. Wie geht man am besten vor?

Schritt 1: Das Finanzbudget prüfen

Als erstes sollte man hinterfragen, ob das Ruhestandsbudget noch stimmt oder ob Anpassungen nötig sind. Idealerweise hat man mit 50 eine Übersicht erstellt mit sämtlichen Einkünften und Ausgaben, die im Rentenalter erwartet werden. Jetzt – 10 Jahre später – kann sich einiges geändert haben. Zum Beispiel können durch das Niedrigzinsumfeld Kapitalerträge zusammengeschmolzen sein. Bei den Ausgaben muss man gegebenenfalls großzügiger rechnen, denn ein geändertes Freizeitverhalten oder mögliche Pflegekosten können mehr Geld beanspruchen als gedacht.

Schritt 2: Die Einkommenslücke herausfinden

Im zweiten Schritt kann man ausrechnen, wie viel Zusatzrente jeden Monat nötig ist, um sich ein schönes Rentnerleben zu finanzieren. In unserem Beispielfall ist dies 1.000 Euro pro Monat. Pro Jahr braucht Herr Freundlich 12.000 Euro, in den ersten fünf Rentner-Jahren also 60.000 Euro.

Schritt 3: Das Kapital anlegen

Herr Freundlich teilt die 200.000 Euro aus seiner Lebensversicherung wie folgt auf: 60.000 Euro muss er sicher anlegen, damit er bei Rentenbeginn in fünf Jahren auf jeden Fall die benötigten 1.000 Euro pro Monat entnehmen kann. Die übrigen 140.000 Euro kann er renditeorientierter anlegen, weil sein Anlagehorizont länger ist. Und zwar ab sofort, denn in den nächsten fünf Jahren braucht er noch gar nichts von dem Geld!

Der Plan: 

  1. Mit den 60.000 Euro, die Herr Freundlich ab 65 für die ersten fünf Jahre seines Ruhestands braucht, darf er keine Risiken eingehen. Als sichere Anlagen kommen Tagesgeld, Festgeld und Anleihen infrage.
  2. Für die restliche Summe von 140.000 Euro hat er einen Anlagehorizont von mehr als 10 Jahren. Dieses Geld kann er im Aktienbereich investieren. Sein Depot sollte er mindestens einmal im Jahr prüfen und gegebenenfalls auf die Anlagestrategie zurückführen.
  3. Mit 70 entnimmt er dem Depot 60.000 Euro für die nächsten fünf Jahre und legt es sicher an. Das übrige Geld belässt er im Depot. Dieses Geld hat damit bereits einen Anlagehorizont von 15 Jahren. Je länger, desto besser!