Statt Frührente: Kürzertreten, aber nicht ganz aufhören

Ruhestand

Viele Erwerbstätige träumen von einem vorzeitigen Ausstieg. In Wirklichkeit bleiben immer mehr Menschen bis 67 oder sogar darüber hinaus beruflich aktiv – oftmals aber mit reduziertem Pensum. Richtig organisiert lohnt sich das auch finanziell.

Porträt von Herrn Julian Mayer, Berater in München.

Julian Mayer

Funktion Ruhestandsexperte

Publiziert am

18. September 2026

Für viele Erwerbstätige ist der Vorruhestand ein Traum. Sie wollen ihr Leben schon vor 67 ruhiger angehen, alte Hobbys wieder aufnehmen oder sich mehr um die Enkelkinder kümmern. Das geht aus Hunderten von Kundengesprächen im VZ VermögensZentrum hervor.

Die Wirklichkeit zeigt ein anderes Bild: Zwar können Beschäftigte schon mit 63 aufhören und direkt Altersrente beziehen. Doch dann müssen sie hohe Abschläge in Kauf nehmen. Viele entscheiden sich deshalb doch gegen die vorzeitige Erwerbsaufgabe. Sie machen bis 67 weiter, manche sogar noch deutlich länger – oftmals allerdings mit reduziertem Pensum.

Für die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit gibt es mehrere Gründe:

  • Viele wollten ursprünglich früher aufhören, stellen dann aber fest: Sie haben auch jenseits der 60 noch Freude an der Arbeit und genießen die Wertschätzung, die damit verbunden ist.
  • Gleichzeitig sind vielen Erwerbstätigen die Kosten eines vollständigen Vorruhestands zu hoch.

Denn wer früher in Rente geht, verzichtet nicht nur auf Einkommen, sondern bekommt auch dauerhaft weniger Rente: Pro Monat der früheren Erwerbsaufgabe muss man lebenslang auf 0,3 Prozent der Rente verzichten. Bei vier Jahren summiert sich das auf 14,4 Prozent. Weitere 6,6 Prozent Abschlag entstehen dadurch, dass man auch vier Jahre weniger lang in die Rentenkasse einzahlt. Wer mit 63 in den Ruhestand geht, muss daher dauerhaft insgesamt einen Rentenabschlag von rund 21 Prozent hinnehmen.

Ein Teilausstieg aus dem Erwerbsleben ist für viele dagegen finanziell leichter zu verkraften. Die Tabelle unten veranschaulicht anhand des Beispiels eines Alleinstehenden mit 100.000 Euro Jahreseinkommen (brutto), wie hoch die Rentenlücke bei unterschiedlichen Szenarien ist:

  • Hört er mit 63 komplett auf zu arbeiten, entsteht eine jährliche Einkommenslücke von gut 18.000 Euro. Um diese Lücke ab dem Beginn des Ruhestands 30 Jahre lang zu schließen, braucht er 433.000 Euro.
  • Arbeitet er dagegen ab 63 in Teilzeit weiter mit einem Pensum von 50 Prozent, wäre seine Einkommenslücke mit 14.000 Euro 4.000 Euro pro Jahr kleiner. Sein Kapitalbedarf läge dann bei 337.000 Euro. Noch etwas geringer wäre sein Kapitalbedarf, wenn er mit 63 nicht in die normale Teilzeit, sondern in Altersteilzeit wechseln würde. Denn damit ist ein Teil des Gehalts steuer- und sozialabgabenfrei. Nicht jede Firma bietet allerdings Altersteilzeit an.
  • Arbeitet er bis 67 Vollzeit, verringern sich seine Einkommenslücke und sein Kapitalbedarf auf 12.400 Euro bzw. 298.000 Euro.

Früher in Rente gehen: Das sollten Sie wissen

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Erfahren Sie, wie Rentenvorbezüge, Einmalzahlungen und andere Finanzquellen zur Finanzierung Ihrer Frührente beitragen können.

Symbol für Ratgeber oder Merkblatt – einzelne Seite mit Text
Zweiseitiges Merkblatt mit blauem Bleistift – Informationsmaterial vom VZ VermögensZentrum

Das zeigt: Egal, ob man die letzten Jahre vor der Regelaltersgrenze weiter in Vollzeit, in Teilzeit oder gar nicht mehr arbeitet – ohne private Vorsorge geht es nicht, wenn man seinen Lebensstandard im Alter aufrechterhalten will.

Anspruchsvoll wird es, wenn man sich entscheidet, in den letzten Berufsjahren kürzerzutreten. Dann sollte man genau durchkalkulieren, wie sich das finanziell auswirkt. Die Tabelle unten zeigt, wie viel der Alleinstehende in diesem Beispiel monatlich zurücklegen muss, um das nötige Kapital in 10 Jahren aufzubauen. Angenommen wird, dass er bereits 250.000 Euro Kapital hat. Geht er erst mit 67 in Rente, muss er jeden Monat 326 Euro sparen. Hört er schon mit 63 Jahren auf zu arbeiten, muss er fast viermal mehr zurücklegen.

Entscheidend ist: Je höher die Rendite, desto schneller baut man Kapital auf. In der Tabelle wird vorausgesetzt, dass das Vermögen mit Wertpapieren aufgebaut wird. Die monatliche Sparsumme fließt in kostengünstige ETFs – und zwar zu 50 Prozent in Aktien-ETFs und zu 50 Prozent in Anleihen-ETFs. Diese Aufteilung ist nicht in Stein gemeißelt. Die Kurse von Anleihen schwanken im Allgemeinen weniger stark als Aktienkurse und sorgen damit für Stabilität im Depot. Dafür sind die Renditeaussichten für Anleihen geringer. Wichtig ist es also, gut zu überlegen, welche Gewichtung aus Aktien und Anleihen zu einem persönlich passt.

Tipp: Besprechen Sie mit unabhängigen Finanzexperten, ob und gegebenenfalls zu welchem Zeitpunkt Sie sich den Vorruhestand leisten können oder ob ein schrittweiser Ausstieg für Sie die bessere Lösung ist.

Weitere Informationen

Sie möchten beruflich kürzertreten oder ganz aussteigen? Bestellen Sie das Merkblatt zum Thema, oder lassen Sie sich im VZ VermögensZentrum beraten, wie Sie die Einkommenslücke füllen können, die dadurch entsteht.