Erben & Vererben

Wie Sie mit Schenkungen unnötige Steuern vermeiden

Wer Teile seines Vermögens noch zu Lebzeiten weitergibt, erlebt die Freude der Beschenkten. Doch es sind noch weitere handfeste Vorteile damit verbunden. Mit einer frühzeitigen Planung lassen sich auch eine Menge Steuern sparen.

Dr. Tatjana Rosendorfer

Nachlassexpertin

Es gibt mehrere gute Gründe, Teile des Vermögens frühzeitig weiterzugeben: Sie erleben die Freude der Begünstigten und können zugleich versuchen, Einfluss auf die Verwendung des Vermögens zu nehmen. Und vor allem: Ihre Nachkommen erhalten das Geld zu einem Zeitpunkt, zu dem sie es wirklich gut gebrauchen können – zum Beispiel für die Ausbildung, die Gründung eines Unternehmens oder die Finanzierung des Eigenheims.

Hinzu können erhebliche Steuervorteile kommen. Zwar müssen Schenkungen wie Erbschaften versteuert werden. Doch es gibt hohe Freibeträge, und die können alle zehn Jahre neu genutzt werden. Ein Beispiel zeigt, wie man mit einer frühzeitigen und geschickten Planung erhebliche Teile seines Nachlasses vor dem Fiskus retten kann.

Merkblatt

Erbrecht: Größere Schenkungen an Kinder und Enkel

Viele Eltern, Großeltern und Paten möchten bereits zu Lebzeiten Geld oder andere Vermögenswerte an ihre Kinder oder Enkel weitergeben.

Ein Ehepaar hat ein Vermögen von 2 Millionen Euro, von dem jedem Ehepartner je eine Million Euro gehört. Damit liegen sie weit über den steuerlichen Freibeträgen. Sie möchten aber, dass ihre Nachkommen so viel wie möglich von dem Vermögen bekommen. Gleichzeitig möchten sie aber selbst genügend Geld auf der Seite behalten, um ihren Lebensabend angenehm gestalten zu können – und ihre eigene finanzielle Absicherung nicht in Gefahr zu bringen. 

An diesem Beispiel erkennen sie schon: die Nachlassplanung ist komplex und sollte wohl durchdacht sein. Sinnvoll ist es, sich von einem Nachlassexperten beraten zu lassen – zum Beispiel im VZ VermögensZentrum. Besprechen Sie, was es in Ihrem konkreten Einzelfall bringt, zu Lebzeiten größere Teile des Vermögens an Kinder und Enkel weiterzugeben?

Ohne Schenkung geht viel Geld verloren

Für das Ehepaar ist es die schlechteste Option, ein Berliner Testament zu machen und auf Schenkungen zu verzichten. Dann erbt zunächst die Frau den gesamten Nachlass ihres Mannes. Dieser ist mit 1 Million Euro höher als der Freibetrag für Ehepartner (500.000 Euro), sodass sie die übrigen 500.000 Euro versteuern muss. Stirbt die Frau, erben die Kinder zu gleichen Teilen. Ihr Freibetrag von 400.000 Euro reicht nicht aus, sodass auch sie kräftig zur Kasse gebeten werden. Unterm Strich gehen in beiden Erbgängen zusammen 243.750 Euro ans Finanzamt verloren.

Vergleich: Wie Sie mit einer Schenkung Steuern sparen und Ihr Vermögen retten

Illustratives Beispiel: Ehepaar mit einem Vermögen von 2 Millionen Euro (jedem gehört 1 Mio. Euro); zwei Kinder (beide verheiratet und mit je zwei Kindern); die Eheleute haben ein Berliner Testament, in dem sie sich gegenseitig zu Alleinerben und ihre Kinder als Schlusserben eingesetzt haben; Rechnung unter Berücksichtigung von persönlichen Freibeträgen, weitere steuerliche Freibeträge bleiben unberücksichtigt

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Mit Schenkungen kräftig Steuern sparen

Mit Schenkungen machen Sie jeden glücklich, außer das Finanzamt. Das Ehepaar hat ermittelt, dass es zur Deckung ihrer Einkommenslücke 1 Million Euro Kapital benötigt. Auf die übrige Million Euro ist es nicht angewiesen. Dieses Geld möchte es steuerfrei an die Nachkommen geben. Die beiden Kinder können jeweils Freibeträge von 400.000 Euro gegenüber beiden Elternteilen nutzen. Außerdem kann mit Schenkungen an die Enkel auch die übernächste Generation bedacht werden. Denn Enkel haben ebenfalls hohe Freibeträge bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer (200.000 Euro). Somit kann das Ehepaar in Summe 1 Million Euro steuerfrei verschenken.

Erbfall nach der Schenkung

Das Ehepaar besitzt nun noch 1 Million Euro. Liegen zwischen der Schenkung und dem Tod der Eheleute mehr als zehn Jahre, stehen den Kindern die steuerlichen Freibeträge wieder zur Verfügung. Sie müssen nur das Vermögen versteuern, das den Freibetrag von jeweils 400.000 Euro übersteigt (im Berechnungsbeispiel beträgt der steuerpflichtige Erwerb 100.000 Euro je Kind, für den je 11.000 Euro Erbschaftsteuer anfallen).

Stirbt auch der zweite Ehepartner innerhalb von zehn Jahren nach der Schenkung, sieht es anders aus. Dann wird nämlich die Schenkung an die Kinder von 200.000 Euro je Elternteil auf den Freibetrag von 400.000 Euro angerechnet. Das bedeutet, dass jedes Kind nach unserer Modellrechnung 300.000 Euro versteuern muss. In diesem Fall müssen die Kinder zusammen 120.000 Euro Erbschaftssteuer bezahlen.