Erben & Vererben

Erbschaftssteuer: Höhe und Steuerklassen

Die Höhe der Erbschaftssteuer hängt davon ab, wie hoch die Erbschaft ist und zu welcher Steuerklasse der Erbe gehört. Erbschaften müssen nach Abzug von Freibeträgen versteuert werden. Je größer das steuerpflichtige Erbe ausfällt, desto höher sind die Erbschaftssteuersätze. 

Dr. Tatjana Rosendorfer
Nachlassexpertin
Aktualisiert am
23. Januar 2024

Am wenigsten Erbschaftssteuer zahlen die nächsten Angehörigen. Dazu zählen die Ehepartnerin oder der Ehepartner bzw. eingetragene Lebenspartner/-innen, die Kinder, aber auch die Eltern, Großeltern und Enkel.

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Die Freibeträge liegen in sechsstelliger Höhe. Die Erbschaftssteuer wird nur auf den darüber liegenden Teil ihrer Erbschaft fällig. Zudem gehören sie zur Steuerklasse I und zahlen den niedrigsten Steuersatz. Dieser liegt je nach Erbschaft zwischen 7 und 30 Prozent (siehe Tabelle unten).

Erbschaftssteuer bis zu 50 Prozent

Alle anderen Erbinnen und Erben haben lediglich einen Freibetrag von 20.000 Euro. Auf den darüber liegenden Teil ihrer Erbschaft werden höhere Erbschaftssteuern fällig. Geschwister, Nichten und Neffen sowie Schwiegereltern gehören zur Steuerklasse II. Je nach Höhe der Erbschaft beträgt die Erbschaftssteuer zwischen 15 und 43 Prozent. 

Zur Steuerklasse III gehören alle anderen Angehörigen sowie Nichtverwandte, wie zum Beispiel unverheiratete Lebenspartner, Patenkinder oder Freunde. Sie müssen sehr hohe Erbschaftssteuern zahlen: Auf Beträge oberhalb ihres Freibetrags von 20.000 Euro fällt 30 bis 50 Prozent der Erbschaft in Form von Steuern an den Staat.

Die Steuerklassen im Überblick: 

Steuerklasse I: Enger Familienkreis

Hierzu gehören der Ehepartner, die Kinder und Stiefkinder, die Enkelkinder, die Eltern und die Großeltern. Erbt beispielsweise ein Kind des Erblassers über seinen Freibetrag von 400.000 Euro hinaus zwischen 75.000 Euro und 300.000 Euro, muss es darauf 11 Prozent Erbschaftssteuer entrichten.

Steuerklasse II: Nähere Verwandte

Hierzu gehören beispielsweise die Geschwister, die Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder und Schwiegereltern sowie geschiedene Ex-Ehepartner. Erbt ein Geschwisterteil über seinen Freibetrag von 20.000 Euro hinaus zwischen 75.000 Euro und 300.000 Euro, muss es darauf 20 Prozent Erbschaftssteuern entrichten.

Steuerklasse III: Entfernte und nicht Verwandte

Hierzu gehören alle anderen Erben. Dazu zählen alle übrigen Verwandten, zum Beispiel Tanten und Onkeln, Cousins und Cousinen oder entferntere Verwandte. Ebenfalls zu gehört der Partner, mit dem man nicht verheiratet ist, nichtverwandte Patenkinder oder Freunde. Ein solcher Erbe müsste über seinen Freibetrag von nur 20.000 Euro hinaus ein gleich hohes Erbe mit einem Steuersatz von 30 Prozent versteuern.

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Freibeträge im Überblick

Eine Erbschaft muss nach Abzug von Freibeträgen versteuert werden. Der Freibetrag von Ehepartnerinnen und Ehepartnerin beträgt 500.000 Euro und von Kindern 400.000 Euro. Enkelinnen und Enkel haben je einen Freibetrag von 200.000 Euro; sind ihre Eltern bereits verstorben, erhöht sich der Freibetrag auf 400.000 Euro. Eltern und Großeltern haben einen Freibetrag von 100.000 Euro.

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Härtefallausgleich: Was ist das?

Eigentlich müsste ein Erbe, sobald sein Erbe nur geringfügig über dem jeweiligen Höchstbetrags eines Erbschaftssteuersatzes liegt, einen höheren Steuersatz abführen. Dann käme jedoch unter dem Strich bei einem geringeren Erbe mehr heraus als bei einem höheren Erbe – auch wenn der Steuersatz nur um einen Euro überschritten würde.

Für solche Fälle hat der Gesetzgeber einen Härtefallausgleich vorgesehen. Demnach wird – gestaffelt nach Steuersatz – die ergänzend fällige Steuer (Mehrsteuer) auf die Hälfte des zusätzlichen Erbes (Mehrerwerb) beschränkt.

Ein Beispiel: Ein Großvater hinterlässt seinem Enkel 276.000 Euro. Da die Eltern des Kindes noch leben, kann der Junge einen Freibetrag von 200.000 Euro vom Geerbten abziehen. Die restlichen 76.000 Euro muss er aber versteuern.

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Für 75.000 Euro Erbe hätte der Steuersatz bei 7 Prozent gelegen (5.250 Euro). Der Enkel hat aber 1.000 Euro mehr geerbt und müsste daher eigentlich insgesamt 8.360 Euro Erbschaftssteuer zahlen, da die Steuerquote auf 11 Prozent steigt. Dann hätte der Junge für 1.000 Euro zusätzliches Erbe mehr als das Dreifache, nämlich 3.110 Euro, an Steuern bezahlt. 

Deswegen greift in diesem Fall der Härtefallausgleich. Die Mehrsteuern werden auf die Hälfte des Mehrerwerbs (500 Euro) festgelegt. Für den Rest zahlt der Enkel 5.250 Euro. Das ist genau der Betrag, der für maximal 75.000 Euro abzuführen ist.

Weitere Informationen

Mit einer Nachlassplanung stellen Erblasser sicher, dass die Erbschaftssteuer optimiert und die Freibeträge bei der Erbschaftssteuer ausgeschöpft werden. Die Nachlassexpertinnen und -experten des VZ beraten Sie individuell bei Ihrer Nachlassregelung: Wir berücksichtigen Ihre finanzielle Gesamtsituation und Ihre Ziele, zum Beispiel im Hinblick auf Ihre Absicherung im Alter. Mehr erfahren Sie in einem kostenfreien Erstgespräch im VZ in Ihrer Nähe.

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