Der Franken dürfte weiter aufwerten

Geldanlagen

Stabile Rahmenbedingungen, kaum Inflation, hohe Exportüberschüsse und ein starker Finanzplatz: Aus Sicht des VZ-Anlageexperten Dr. Christoph Sax spricht viel für den Franken und den Schweizer Kapitalmarkt.

Herr Sax, vor 20 Jahren bekam man für einen Euro noch mehr als 1,60 Franken, heute ist der Euro nur noch gut 0,90 Franken wert. Warum ist der Schweizer Franken seit Jahrzehnten so stark?

Das hat viel mit der Inflation zu tun, die in der Schweiz deutlich niedriger ist als in den großen EU-Staaten und in den USA. Die folgenden Zahlen veranschaulichen, was das bedeutet: Im Vergleich zum Jahr 2000 liegt die Kaufkraft des Frankens heute noch bei 86 Prozent, die des Euro bei 57 Prozent und die des US-Dollars nur noch bei 51 Prozent.

Woran liegt es, dass die Inflation in der Schweiz so niedrig ist?

Daran, dass die Schweizerische Nationalbank SNB ihre Politik stark auf stabile Preise ausrichtet. Schon ihre Zielsetzung unterscheidet sich deutlich von der anderer Notenbanken: Während die SNB 0 bis höchstens 2 Prozent Inflation pro Jahr anstrebt, halten die Europäische Zentralbank EZB und die Fed in den USA eine jährliche Teuerung von 2 Prozent für ideal.

Gibt es noch andere Gründe für die Frankenstärke?

Ja. Die Schweiz und der Franken genießen einen Vertrauensbonus. Sie gelten als sichere Häfen – durchaus zu Recht. Denn die Wirtschaftspolitik ist verlässlicher und unternehmensfreundlicher als in Deutschland und in den meisten anderen europäischen Ländern. Die Schweizer Wirtschaft erzielt hohe Exportüberschüsse, und der Finanzplatz ist nach wie vor stark.

Wie ist das möglich? Für Schweizer Unternehmen ist der teure Franken doch ein Wettbewerbsnachteil.

Das stimmt, einige Unternehmen leiden zweifellos darunter. Insgesamt hat sich die Schweizer Industrie jedoch gut auf die harte Währung eingestellt und ihre Produktivität laufend verbessert. Der starke Franken hat sie fit getrimmt.

Wird der Franken zum Euro und zum Dollar weiter zulegen?

Davon gehe ich aus. Zwar wird es immer wieder Gegenbewegungen geben, aber auf lange Sicht dürfte der Franken weiter aufwerten. Alles spricht dafür, dass die Inflation in der Schweiz dauerhaft niedriger bleibt als im übrigen Europa. Dazu kommt: In Frankreich und neuerdings auch in Deutschland läuft die Staatsverschuldung allmählich aus dem Ruder. Das wird zwangsläufig zu steigenden Zinsen führen. Die EZB wird das wahrscheinlich mit dem Kauf von Staatsanleihen bekämpfen. Eine solche Maßnahme kann zwar den Anstieg der Zinsen bremsen, sie erhöht aber tendenziell die Inflation und entwertet die Ersparnisse der Anlegerinnen und Anleger. Das wirkt wie eine zusätzliche Steuer. Dieses Problem hat die SNB nicht.

Wie können sich deutsche Anleger darauf einstellen?

An ihrer Stelle würde ich prüfen, einen Teil des Geldes direkt am Schweizer Kapitalmarkt anzulegen – als zusätzliches Stabilitätselement für das Vermögen und weil Währungsgewinne in der Schweiz längerfristig sehr wahrscheinlich sind.

Auszeichnungen

Zur Person

Christoph Sax ist Chief Investment Officer des VZ VermögensZentrums. Seit 2011 arbeitet der promovierte Volkswirt in der Finanzbranche. Davor begleitete er für das Schweizer Wirtschaftsministerium wirtschafts- und finanzpolitische Reformen in Schwellenländern in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank.