Erben & Vererben

Kümmern Sie sich jetzt um Ihren Nachlass

Der Bayreuther Juraprofessor Knut Werner Lange erklärt im Interview, weshalb man seinen Nachlass regeln sollte. Damit schafft man Klarheit und verhindert Streit unter den Erben.

Portraitbild von Prof. Dr. iur. Knut Werner Lange

Herr Professor Lange, die Politik erwägt einschneidende Änderungen bei der Erbschaftssteuer. Auch steht ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Besteuerung von Familienunternehmen an. Soll man mit seiner Nachlassplanung zuwarten, bis Klarheit herrscht?

Auf keinen Fall. Es wäre fahrlässig, ein so wichtiges Thema aufzuschieben, nur weil sich bei der Erbschaftssteuer etwas ändern könnte. Stellen Sie sich vor, Sie verunglücken morgen und können keine Entscheidungen mehr treffen. Dann sind Chaos und Streit vorprogrammiert. Ohne Testament oder Erbvertrag erweisen Sie Ihren Erben einen Bärendienst.

Und die Erben zahlen unter Umständen hohe Erbschaftssteuern.

Richtig: Steuerlich ist eine fehlende Nachlassregelung für die Erben meistens die ungünstigste Lösung. Wer hingegen bereits zu Lebzeiten Vermögen weitergibt, kann die Freibeträge nutzen, die alle zehn Jahre neu aufl eben. Eine kluge Nachlassplanung kann die Steuerbelastung für die Erben deutlich senken. Das kann enorm viel ausmachen. Doch bei der Nachlassplanung geht es noch um viel mehr als um die Steuern. Besitzen Sie zum Beispiel ein Eigenheim oder ein Unternehmen, müssen Sie sich gut überlegen, wer es bekommen soll und wie ein fairer Ausgleich für die anderen Erben aussehen könnte. Den Nachlass zu regeln, ist eine große Verantwortung und der letzte Dienst, den man für die Menschen leisten kann, die einen überleben. Und selbst hat man auch etwas davon: Das zu klären, schafft Genugtuung.

In welchem Alter sollte man diese Aufgabe angehen?

Es spricht nichts dagegen, schon mit 30 ein Testament aufzusetzen. Ein Testament ist ja nicht unwiderruflich. Sie können es jederzeit anpassen, ändern oder wieder verwerfen. Im Lauf des Lebens gibt es viele Entwicklungen, die Änderungen sinnvoll machen – zum Beispiel, wenn man heiratet oder wenn das erste Kind kommt, aber auch wenn man merkt, dass das Leben zu Ende geht. Wichtig ist nur, dass man überhaupt eine Regelung trifft.

Warum kümmern sich so wenige rechtzeitig um diese Dinge?

Weil sich die meisten Menschen nicht mit ihrer Vergänglichkeit auseinandersetzen wollen. In unserer Gesellschaft ist der eigene Tod so etwas wie das letzte Tabu. Also sucht man Ausreden, um das Thema immer weiter in die Zukunft zu schieben. Das kann fatal sein. Wenn Sie zu lange zögern, kommt irgendwann der Zeitpunkt, in dem Sie nicht mehr in der Lage sind, Ihren Nachlass vernünftig zu regeln.

Schieben viele dieses Thema auch deshalb immer wieder auf, weil sie sich überfordert fühlen?

Ja, und das kann ich gut nachvollziehen. Wem es so geht, dem empfehle ich, sich von erfahrenen Experten beraten zu lassen. Dafür muss man Geld in die Hand nehmen. Doch meistens zahlt sich diese Investition für die Beteiligten doppelt und dreifach aus.

Auszeichnungen

Zur Person

Professor Dr. iur. Knut Werner Lange hat einen wirtschaftsrechtlichen Lehrstuhl an der Universität Bayreuth und ist Gastprofessor am Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) der Universität Witten/ Herdecke. Er forscht und publiziert zu den Themen Erbrecht, Vermögensstrukturierung, Stiftungen und Unternehmensnachfolge.