Geldanlagen

Was die neue Leitzinserhöhung der EZB für Anleger bedeutet

Die EZB hat die Zinsen erneut kräftig angehoben. Anleger, die ihr Vermögen breit aufgestellt haben, können ganz entspannt bleiben.

Andreas Limoser

Anlageexperte
Publiziert am
28. Oktober 2022

Im Kampf gegen die Inflation geht die Europäische Zentralbank (EZB) konsequent voran. Am 27. Oktober hat sie den Leitzins für die Eurozone erneut um 0,75 Prozent angehoben – auf jetzt 2,0 Prozent. Den für die Finanzmärkte wichtigeren Einlagensatz hob die EZB ebenfalls um 0,75 Prozent auf 1,5 Prozent an. Es handelt sich um die bereits dritte Zinserhöhung im Jahr 2022. Ziel der Maßnahme ist es, Kredite zu verteuern. Damit soll die Nachfrage und in der Folge die Inflation gebremst werden. Mit weiteren Zinserhöhungen ist zu rechnen.

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Im Einzelnen wirken sich die steigenden Zinsen folgendermaßen auf die wichtigsten Anlageklassen aus:

Anleihen

Steigende Zinsen können die Kurse von bestehenden Anleihen belasten, weil neu ausgegebene Anleihen einen höheren Zinscoupon bekommen. Um auf die gleiche Rendite wie die neuen Papiere zu kommen, müssen die Kurse von bestehenden Anleihen deshalb nachgeben. Betroffene Anleger sollten sich davon aber nicht verunsichern lassen. Kursverluste sind bei Anleihen immer nur temporär.

Merkblatt

Niedrige Zinsen: Das Vermögen vor steigender Inflation schützen

Niedrigzinsen machen es Sparern und Anlegern schwer Vermögen aufzubauen.

Am Laufzeitende bekommen Anleihen-Inhaber stets den Nennwert von 100 Prozent ausgezahlt – vorausgesetzt, der Emittent bleibt zahlungsfähig. Aufgrund der seit Anfang des Jahres deutlich gestiegenen Zinsen sind Anleihen wieder eine vielversprechende Geldanlage und können damit einen wichtigen Beitrag zum Anlageerfolg leisten.

Aktien

Grundsätzlich mögen die Aktienmärkte steigende Zinsen nicht, weil sie Anleihen attraktiver machen und dadurch als Anlageklasse stärker mit Aktien konkurrieren können. Zudem verteuern steigende Zinsen die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen. Das kann aber auch positive Folgen nach sich ziehen: Solche Situationen nutzen nämlich in der Regel viele Firmen, um ihre Strukturen zu verschlanken und ihre Verschuldung zu reduzieren. Sinkt dank der steigenden Zinsen die Inflation, entlastet das die Firmen beim Einkauf.

Das alles könnte den Aktienkursen mittel- bis langfristig auf die Sprünge helfen. Grundsätzlich gilt: Über Zeiträume von zehn Jahren und mehr haben Anleger am breiten Aktienmarkt in der Vergangenheit fast immer Gewinne erzielt – egal wann sie eingestiegen sind. Es gibt zwar keine Garantie dafür, dass dies in Zukunft auch so sein wird. Viele Aktien sind nach der jüngsten Kurskorrektur aber wieder attraktiv bewertet. Anleger, die jetzt einsteigen oder aufstocken, könnten langfristig mit einer attraktiven Rendite belohnt werden.

Immobilien

Für Immobilien können steigende Zinsen problematisch sein. Denn Liegenschaften werden häufig zu großen Teilen fremdfinanziert. Höhere Zinsen verteuern die Finanzierungskonditionen in erheblichem Maße. Dadurch werden Immobilien als Renditeobjekte unattraktiver. Die Folgen sind bereits ersichtlich: Nach Jahrzehnten steigender Immobilienpreise sind die Preise für Häuser und Wohnungen in vielen Regionen in Deutschland 2022 spürbar zurückgegangen. Für Objekte in weniger gesuchten Lagen ist es teilweise schwer geworden, einen Käufer zu finden.

Fazit: Mit einem intelligenten Mix aus Aktien und Anleihen sollten Anleger in Zeiten steigender Zinsen gut aufgestellt sein. Mit Kursschwankungen muss allerdings immer gerechnet werden. Auch Immobilien können nach wie vor eine sinnvolle Rolle im Gesamtvermögen spielen. Angesichts der mittlerweile deutlich gestiegenen Finanzierungszinsen müssen Immobilienkäufer heute allerdings genau rechnen, ob sich der Erwerb eines weiteren Objekts noch lohnt oder ob es sogar sinnvoll sein kann, sich von dem einen oder anderen Objekt zu trennen. 

Tipp: Lassen Sie sich von einem Berater in einem VZ VermögensZentrum in Ihrer Nähe in einem kostenlosen Erstgespräch erläutern, wie Sie Ihr Portfolio in Zeiten steigender Zinsen unter Berücksichtigung Ihres Immobilienvermögens sinnvoll zusammenstellen können.