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Warum die verfrühte Hoffnung auf eine baldige Zinssenkung trügen könnte

Es ist weder eine positive Überraschung noch eine Enttäuschung: Die Inflation ist weiter rückläufig. Dennoch hält die Fed vorerst an einem hohen Zinsniveau fest.

Tobias Wenz
Finanzanalyst
Aktualisiert am
13. Dezember 2023

Hoffnung auf baldige US-Zinssenkungen ist verfrüht: Kaum hat der Druck auf weitere Zinserhöhungen in den USA nachgelassen, hat der Wind in die entgegen gesetzte Richtung gedreht. Nun gehen zahlreiche Volkswirte davon aus, dass die US-Notenbank Fed schon bald erste Zinssenkungen vornehmen könnten. 

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Aktuelle Marktdaten zeigen an, dass die Fed bereits im Mai erstmals eine Senkung vornehmen könnte. Für das Gesamtjahr 2024 werden nicht weniger als vier Leitzinssenkungen prognostiziert. Allerdings zeigen die jüngsten Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten, dass diese Hoffnungen auf eine Entspannung an der Zinsfront etwas verfrüht sein könnten. 

Nachfolgend die Einschätzung des VZ Vermögenszentrum zu den richtungsweisenden Wirtschaftszahlen:

Inflation: Die Inflation in den USA hat sich im November weiter abgeschwächt. Im Jahresvergleich betrug der Preisauftrieb 3,1 Prozent, ein Monat zuvor hatte die Rate noch bei 3,2 Prozent gelegen (siehe Grafik).

Der Rückgang war weder eine positive Überraschung noch eine Enttäuschung. Allerdings zeigt sich, dass sich der Rückgang verlangsamt hat. Der Weg hin zum Inflationsziel der Notenbank von 2,0 Prozent wird nicht in einer geraden Linie zu erreichen sein. Es gibt Bereiche, die die Inflation noch antreiben: Dazu gehört hauptsächlich der Dienstleistungsbereich, bei dem vor allem die Wohnkosten mit Preissteigerungen herausstechen. Bremsend wirken hingegen die rückläufigen Energiekosten. Auch jüngst sind in den USA die Benzinpreise weiter rückläufig gewesen. 

Das deutet darauf hin, dass die Energiepreise auch im Dezember deflationär wirken werden. Dass die US-Notenbank die Teuerung noch nicht ganz im Griff hat, zeigt ein Blick auf die Kernteuerung, die die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert. Sie verharrt nach wie vor nahe der 4-Prozent-Grenze. Dieser Wert ist weiterhin zu hoch, sodass die Fed vorerst keinen Anreiz haben dürfte, ihre restriktive Zinspolitik zu überdenken.

Arbeitsmarkt: Für die Notenbank hat sich die Ausgangslage nach den letzten Arbeitsmarktdaten kaum verändert. Zwar wurden im November außerhalb der Landwirtschaft mit 199.000 Jobs mehr neue Stellen als erwartet geschaffen. Ein Teil davon ist jedoch auf Sondereffekte zurückzuführen: 47.000 dieser Stellen sind auf die Rückkehr von Streikenden in der Autobranche und in Hollywood zurückzuführen. 

Rechnet man diese Zahlen heraus, war der Stellenaufbau ähnlich schwach wie einen Monat zuvor. Das Lohnwachstum verharrt bei 4,0 Prozent Wachstum pro Jahr – und damit nur knapp über dem langfristigen Durchschnitt von 3,9 Prozent. Der Trend zeigt weiter nach unten, und dieser dürfte anhalten, falls die Arbeitslosenquote wie erwartet in den kommenden Monaten allmählich zunimmt. 

Das sind weitere wichtige Datenpunkte, die die Fed wohl vorerst am hohen Zinsniveau festhalten lassen wird. Aber im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2024 erscheint es wahrscheinlich, dass die Fed beginnt, die Zinsschraube zu lockern und die Leitzinsen zu senken. 
 

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