Steigen die Zinsen weiter? Was dafür spricht – und was dagegen

Geldanlagen

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen vergangene Woche wie erwartet angehoben. Folgen weitere Erhöhungen? Entscheidend ist, wie die Notenbank die gemischten Konjunktur- und Inflationssignale einordnet.

Publiziert am

16. September 2026

Der EZB-Rat hat vergangenen Donnerstag die Leitzinsen um je 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der Einlagesatz, an dem sich die Märkte orientieren, steigt damit auf 2,5 Prozent.

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Eine Überraschung ist das nicht. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters hatten alle 65 befragten Ökonominnen und Ökonomen mit dem Schritt gerechnet. Im Juni hatte die EZB die Zinsen erstmals seit September 2023 wieder erhöht, im Juli legte sie eine Pause ein.

Die Energie treibt die Teuerung

Auslöser ist der Konflikt im Nahen Osten. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostet wieder deutlich mehr als 100 Dollar, Erdgas in Europa so viel wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Die Teuerung im Euroraum stieg im August auf 3,3 Prozent – weit über das Ziel der EZB von 2 Prozent (siehe Grafik unten). Das Wirtschaftswachstum der Währungsunion bleibt im Umfeld der geopolitischen Spannungen gehemmt. Für dieses Jahr rechnet die Notenbank mit einem BIP-Wachstum von lediglich 0,9 Prozent. Für das kommende Jahr sieht sie jedoch eine Beschleunigung auf 1,4 Prozent.

Wie geht es weiter mit der Geldpolitik?

Eine Anhebung des Leitzinses galt unter Fachleuten als ausgemacht. Entsprechend richtet sich der Blick der Anlegerinnen und Anleger vor allem auf den Ausblick der EZB. Für ein vorläufiges Ende des Zinserhöhungszyklus sprechen derzeit mehrere Faktoren. So sind bislang kaum Zweitrundeneffekte zu beobachten, also etwa Preiserhöhungen der Unternehmen oder höhere Löhne. Zudem haben die gestiegenen Anleiherenditen die Finanzierungskosten bereits spürbar erhöht.

Dementgegen wird an den Terminmärkten in diesem Jahr mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung gerechnet. Der jüngste Zinsschritt bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass es so weit kommt. Die EZB steht vor der Aufgabe, die derzeit gemischten Konjunktur- und Inflationssignale einzuordnen und ihre Geldpolitik von der weiteren Entwicklung abhängig zu machen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte zudem, dass die EZB bei der Festlegung des geldpolitischen Kurses einen datenabhängigen Ansatz verfolgen und von Sitzung zu Sitzung entscheiden werde. "Wir legen uns nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest", so Lagarde.

Wie weit die EZB den Straffungskurs fortsetzen wird, bleibt offen. Innerhalb des EZB-Rats gehen die Einschätzungen auseinander. Während einige Mitglieder den aktuellen Zinsstand noch nicht für ausreichend halten, warnen andere vor den zunehmenden Belastungen für die Wirtschaft. Mit dem Einlagesatz bewegt sich die Notenbank inzwischen am oberen Rand dessen, was viele Ökonomen als neutrales Zinsniveau ansehen.

Für die Finanzmärkte beginnt damit eine neue Phase: Nicht mehr die Frage nach dem nächsten Zinsschritt steht im Vordergrund, sondern wie lange die Zinsen auf dem aktuellen Niveau verharren werden. Die Antwort darauf dürfte maßgeblich darüber entscheiden, ob der Euroraum eine Phase schwachen Wachstums erlebt oder eine sanfte Landung der Wirtschaft gelingt.

Weitere Wirtschaftsnews

US-Inflation stabilisiert sich auf hohem Niveau

In den USA lag die Teuerung im August unverändert bei 3,4 Prozent. Ökonomen hatten im Vorfeld mit diesem Wert gerechnet. An den Märkten wird nun eine 90-Prozent-Wahrscheinlichkeit eingerechnet, dass die Fed die Zinsen erhöht.

Chinas Wirtschaft bleibt schwach

Chinas Einzelhandelsumsätze stiegen im August lediglich um 0,4 Prozent zum Vorjahr und damit deutlich schwächer als erwartet, während die Industrieproduktion um 5,2 Prozent zulegte. Die Investitionen in Sachanlagen gingen weiter zurück, wodurch der Druck auf die Regierung zunimmt, zusätzliche Konjunkturmaßnahmen zu ergreifen, um das Wachstumsziel von 4,5 bis 5,0 Prozent zu erreichen.

Welthandel bleibt robust

Der WTO-Frühindikator für den Welthandel stieg im Juli auf 102,0 Punkte von 101,7 im April und signalisiert damit weiterhin ein überdurchschnittliches Wachstum.

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