Geldanlagen

Märkte hoffen auf Ende der Zinserhöhungen

Weil die Inflation immer noch zu hoch ist, haben die Notenbanken die Zinsen erneut angehoben. Jetzt aber könnte der Zinserhöhungszyklus bald vorbei sein.

Michael Ausfelder
Marktstratege
Publiziert am
02. August 2023

In der vergangenen Woche haben die großen Notenbanken die Zinsen weiter angehoben. In den USA erhöhte die Federal Reserve den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent. Auch die Europäische Zentralbank gab eine Erhöhung des Einlage-Zinses um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent bekannt.

Merkblatt

Mit Dividenden das Einkommen aufbessern

Wünschen Sie regelmäßige Ausschüttungen? Lesen Sie, wie Sie in Wertpapiere mit Dividenden investieren.

Mit den neuerlichen Zinsschritten reagierten die Notenbanken auf die weiterhin überdurchschnittlich hohen Inflationsraten. Zwar sind diese rückläufig – und teilweise schneller als erwartet –, aber die Notenbanken wollen kein neuerliches Aufflackern der Teuerung riskieren. Nun fragen sich die Marktteilnehmer, was von den Notenbanken als Nächstes kommen könnte.

Sowohl die Fed als auch die EZB lassen es grundsätzlich offen, ob dieses Jahr weitere Zinsschritte folgen werden.

Allerdings werden aktuell am Kapitalmarkt keine weiteren Zinsschritte mehr eingepreist. Im Fokus stehen deshalb in den kommenden Wochen die Wirtschaftsdaten und dabei speziell die Inflationsentwicklung. Zeigen sich diese weiterhin rückläufig, ist die Chance groß, dass der Zinsgipfel naht.

Einen Hinweis auf die weitere Entwicklung könnte auch ein Blick zurück geben. In den vergangenen 30 Jahren liefen die langfristigen Zinsen in der Regel den kurzfristigen voraus (vgl. Grafik). So erreichten aus historischer Sicht die zehnjährigen US-Staatsanleihen ihre höchsten Renditen stets vor dem Ende des Leitzinserhöhungszyklus. Vergangene Renditen sind kein Indikator für die Zukunft.

Auffallend ist, dass sich im aktuellen Zinszyklus die langfristigen Zinsen in einem Seitwärtstrend befinden. Gleichzeitig ist die Differenz zwischen kurz- und langfristigen Zinsen so groß wie nie seit 1993. Eine solche Konstellation hat in der Vergangenheit meist zu einer Rezession geführt. Doch dieses Mal sieht es anders aus – nicht zuletzt dank den großen Ersparnissen der privaten Haushalte aus der Corona-Zeit. So zeigen aktuelle Wirtschaftsdaten, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal mit annualisierten 2,4 Prozent stärker wachsen konnte als im Vorjahr, gestützt von höheren Staats- und Konsumentenausgaben. Sollte sich nächstes Jahr eine Rezession einstellen, hätten die Notenbanken reichlich Potenzial für Zinssenkungen, um deren Folgen zu mildern.

Weitere Wirtschaftsnews

USA von Ratingagentur zurückgestuft

Nach S&P hat mit Fitch eine weitere Rating-Agentur den Vereinigten Staaten die Spitzenbonität entzogen. Die Einstufung wurde um einen Schritt von AAA ("Triple A") auf AA+ gesenkt. Nur Moody’s hält vorerst noch an der höchsten Stufe fest. Fitch begründet die Herabstufung mit der hohen Staatsverschuldung und dem politisch zähen Kampf um den Haushalt. Kurzfristig reagierten der Dollar und der Dow Jones mit Abgaben. Weitere Folgen wird das neue Kreditrating für die größte Volkswirtschaft der Welt vorerst jedoch nicht haben.

Chinesische Industrie im Rückwärtsgang

In China hat die Industrie einen Fehlstart ins zweite Halbjahr hingelegt. Der Einkaufsmanagerindex sank im Juli um 1,3 Punkte auf 49,2 Zähler. Damit liegt das Barometer erstmals seit April wieder unter der Marke von 50, ab der ein Wachstum signalisiert wird. Die Mehrheit der Ökonomen war davon ausgegangen, dass sich die chinesische Industrie über dieser Marke halten würde. China leidet vor allem unter einer geringen Exportnachfrage aus Ländern, die selber ein erhöhtes Rezessionsrisiko aufweisen. Gleichzeitig deuten hohe Lagerbestände darauf hin, dass die Industrietätigkeit auch in den kommenden Monaten gedämpft bleiben könnte. Nichtsdestotrotz geht der Internationale Währungsfonds (IWF) davon aus, dass die chinesische Wirtschaft im laufenden Jahr um 5,2 Prozent wachsen wird.

Regelmäßig und kostenfrei informiert

Aktuelles zu Börsen und Märkten und das Wichtigste zur Altersvorsorge und Ruhestandsplanung: regelmäßig per E-Mail in Ihrem Postfach.

Anrede
* Pflichtfeld