Geldanlagen

Die Trends am ETF-Markt 2022

Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Durch die starke Nachfrage erreichte die Anzahl der am Markt angebotenen ETFs in diesem Jahr einen neuen Höchststand. Im Trend lagen unter anderem nachhaltige ETFs und Themenprodukte.

Fabian Frey

Anlageexperte
Publiziert am
21. Dezember 2022

ETFs sind preiswert, transparent und ermöglichen in einem ausgewogenen Depot bereits bei kleineren Anlagebeträgen eine breite Diversifikation. Auch wenn die Wertpapiere Wertschwankungen und Verlust- und ggf. Fremdwährungsrisiken unterliegen, erklären die Vorteile das starke ETF-Wachstum weltweit.

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Auch in Deutschland ist die Bedeutung von ETFs weiter angestiegen. So konnten trotz zwischenzeitlicher Marktverwerfungen Zuflüsse generiert werden. Eine ähnliche Dynamik zeigt sich beim Produktwachstum. Allein in diesem Jahr wurden 246 neue Produkte auf den Markt gebracht. Damit stehen Anlegern in Deutschland mittlerweile über 1.900 ETFs zur Auswahl. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren lag die Anzahl bei etwas unter 1.200.

Mit Blick auf die Neuemissionen zeigt sich, dass auch in diesem Jahr das Thema Nachhaltigkeit der wichtigste Trend an der Deutschen Börse war. Denn viele der neuen ETFs bilden nachhaltige Indizes ab. Insbesondere Produkte, die einen nach dem Pariser Klimaabkommen ausgerichteten Index abbilden, erweiterten die Paletten der Anbieter. Dabei werden die von der EU definierten Benchmarkvorgaben für unterschiedliche Anlageregionen umgesetzt.

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Zusätzlich hat sich das Angebot in der Anlageklasse Anleihen erhöht. Neu sind zahlreiche Produkte auf nachhaltige Anleihen mit globalen und Euro-Emittenten verfügbar. Auch wurde das Angebot nachhaltiger Unternehmensanleihen ausgebaut.

Aber auch nachhaltige Themen wie Windenergie, Wasserstoff oder Solar fanden bei den ETF-Anbietern in Deutschland Anklang. Wer über ETFs in diese Themen investieren möchte, sollte beachten, dass in den zugrundeliegenden Indizes häufig bewährte Aktien von klassischen Indizes verwendet werden. So sind zum Beispiel die Aktien des koreanischen Unternehmens Hyundai in einigen Indizes zur Wasserstoffwirtschaft vertreten. Hyundai ist zwar tatsächlich in diesem Bereich tätig. Einen ungleich größeren Einfluss auf den Aktienkurs haben jedoch die Entwicklungen auf dem Automobilmarkt – dem Hauptgeschäftsbereich von Hyundai. Daher ist es empfehlenswert, sich vor einer Investition in einen ETF immer mit dessen Strategie und dessen Portfolio auseinanderzusetzen. Dann lässt sich erkennen, ob im Produkt tatsächlich das enthalten ist, was man sich als Anleger davon verspricht.

Auch für Anlegerinnen und Anleger, die in klassische Themenanlagen und Sektoren unter einer Nachhaltigkeitsbetrachtung investieren möchten, bot der Markt in diesem Jahr ein wachsendes Angebot. So werden zum Beispiel Medizintechnik- und Industrie-ETFs mit Ausschlüssen angeboten. Ausschlüsse sind die älteste und einfachste Form nachhaltiger Anlagen. Dabei liegt der Fokus darauf, bestimmte Geschäftsaktivitäten oder Branchen zu vermeiden, die nicht den eigenen Wertvorstellungen entsprechen. Der Einfluss auf die Rendite- und Risikoeigenschaften von Anlagen spielt dabei keine besondere Rolle.

Grundsätzlich sollten vor einer Investition bei allen nachhaltigen ETFs die Nachhaltigkeitskriterien beachtet werden. So gibt es zum Beispiel auch unter den ETF-Anbietern schwarze Schafe, die sogenanntes „Greenwashing“ betreiben. Dabei wird etwas als „grün“ verkauft, obwohl keine echte Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt wird.

Wer diesen Trend im eigenen Portfolio stärker beachten möchte, sollte dabei immer auch die Gesamtanlagestrategie vor Augen haben. Je nach Portfoliokontext kann es sinnvoll sein, auch auf klassische Produkte zu setzen. Hier ist jedoch eine individuelle Beratung empfehlenswert, da dies im Rahmen einer Gesamtanlagestrategie festgelegt werden sollte.