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Geldanlagen
Berkshire Hathaway galt über Jahrzehnte als Sinnbild langfristigen Anlageerfolgs. Ausgerechnet im Zuge des Führungswechsels von Warren Buffett zu Greg Abel bleibt die Holding nun deutlich hinter dem breiten US-Aktienmarkt zurück.
Andreas Limoser
Funktion Anlageexperte
20. Mai 2026
Greg Abel, der neue CEO von Berkshire Hathaway, dürfte derzeit ein besonders belastbares Nervenkostüm benötigen. Denn die Holding des legendären Investors Warren Buffett entwickelt sich seit Monaten spürbar schwächer als der breite US-Aktienmarkt.
Merkblatt
Während der S&P 500 in den vergangenen zwölf Monaten kräftig zulegte, blieb Berkshire Hathaway deutlich zurück (siehe Grafik unten). Für viele Marktbeobachter ist das ungewohnt – schließlich galt Berkshire über Jahrzehnte nahezu als Synonym für langfristigen Anlageerfolg.
Es wäre allerdings voreilig, daraus den Niedergang des "Orakels von Omaha" abzuleiten. Buffett hat über viele Jahrzehnte eindrucksvoll bewiesen, dass diszipliniertes Investieren sich langfristig auszahlt.
Zudem ist die aktuelle Underperformance zumindest teilweise auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Mit dem Rückzug Buffetts als CEO verschwand aus der Aktie ein Teil der sogenannten "Buffett-Prämie". Viele Anleger waren offenbar bereit, allein für seine Person einen Bewertungsaufschlag zu akzeptieren.
Gleichwohl liefert die gegenwärtige Situation eine aufschlussreiche Lehre für Privatanleger. Sie verdeutlicht, wie schwer es selbst absoluten Ausnahmeinvestoren fällt, sich vollständig von kurzfristiger Marktpsychologie und taktischen Versuchungen zu lösen.
Berkshire Hathaway sitzt derzeit auf rund 397 Milliarden Dollar an Cash und kurzfristigen Staatsanleihen – ein historischer Rekord. Seit mehreren Quartalen verkauft Berkshire netto Aktien. Dahinter steht eine klassische Buffett-Maxime: lieber Geduld bewahren und attraktive Bewertungen abwarten, als Kapital zu überhöhten Preisen zu investieren.
Zugleich war es nie das erklärte Ziel von Berkshire, in jeder Marktphase den Gesamtmarkt zu schlagen. Entscheidend ist vielmehr, auch in Krisenzeiten handlungsfähig zu bleiben. Genau deshalb hält der Konzern enorme Liquiditätsreserven. Buffett verfolgt damit keineswegs eine neue Strategie. Bereits Ende der 1960er-Jahre stoppte er wegen hoher Bewertungen die Kapitalaufnahme in seine Investmentgesellschaft. Auch während der Dotcom-Euphorie galt er vielen als zu vorsichtig – bis das Platzen der Blase seine Skepsis bestätigte. Ob die heutige Zurückhaltung erneut Weitsicht oder verpasste Rendite bedeutet, lässt sich deshalb wohl erst rückblickend beurteilen.
Genau darin liegt aber auch das aktuelle Dilemma. Während Berkshire Milliarden an Liquidität hält, wurde der Markt in den vergangenen Jahren vor allem von großen Technologieunternehmen nach oben gezogen. Gleichzeitig reduzierte Berkshire Beteiligungen wie Apple teilweise frühzeitig und hält weiterhin Engagements in weniger dynamischen Unternehmen wie Kraft Heinz.
Zur Vollständigkeit gehört allerdings auch: Die schwächere Entwicklung von Berkshire lässt sich nicht allein mit der hohen Cashquote erklären. Mehrere Tochterunternehmen stehen vor operativen Herausforderungen. Die Eisenbahngesellschaft BNSF investiert Milliarden in die Modernisierung ihres Netzes und bleibt bei der Profitabilität hinter Konkurrenten zurück. Im Energiegeschäft belasten regulatorische Risiken und milliardenschwere Waldbrandklagen. Berkshire ist eben nicht nur ein Aktienportfolio, sondern ein riesiges Konglomerat mit Industrie-, Energie- und Infrastrukturgeschäften.
Und dennoch zeigt die aktuelle Debatte vor allem eins: Wie schnell selbst langfristig erfolgreiche Strategien in Frage gestellt werden, sobald sie temporär hinter dem Markt zurückbleiben.
Buffett selbst predigt seit Jahren Prinzipien, die auch für Privatanleger von zeitloser Relevanz sind: kostengünstige Indexfonds, konsequenter Verzicht auf hektisches Umschichten und ein langfristiger Anlagehorizont. Sein berühmter Satz "Our favorite holding period is forever" ließe sich ebenso gut über eine disziplinierte ETF-Strategie schreiben. Auch seine Überzeugung, dass die größten Fehler vieler Anleger nicht an den Märkten entstehen, sondern durch emotionale Entscheidungen. Das mag unspektakulär wirken – hat sich historisch jedoch als erstaunlich wirkungsvoll erwiesen.
Die eigentliche Pointe liegt daher womöglich gar nicht in der aktuellen Underperformance von Berkshire Hathaway. Sondern vielmehr darin, wie schnell selbst die Strategie aus Omaha plötzlich kritisch hinterfragt wird. Genau dieser psychologischen Falle begegnen viele Privatanleger regelmäßig: Eine Strategie wird gefeiert, dann angezweifelt – oft allein abhängig davon, wie sich die letzten zwölf Monaten entwickelt haben.
Langfristiger Anlageerfolg entsteht jedoch selten durch perfekte Marktprognosen oder taktisches Geschick. Viel häufiger ist er das Resultat von Disziplin, Geduld und der Fähigkeit, auch in unruhigen Phasen an einer sinnvollen Strategie festzuhalten.
Oder anders formuliert: Wer nicht permanent nach dem perfekten Einstiegszeitpunkt sucht, benötigt am Ende meist auch die stärkeren Nerven nicht.
Die Expertinnen und Experten des VZ VermögensZentrums helfen Ihnen gerne, eine für Sie passende Strategie zu finden und umzusetzen.
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