Geldanlagen

Verbesserter Ausblick für die Weltwirtschaft

Zum Jahresende entwickelte sich die Weltwirtschaft stabiler, als noch vor einigen Monaten befürchtet worden war. Seitdem die Zoll-Diskussion in den Hintergrund getreten ist, hat sich auch der Ausblick für 2026 etwas verbessert.

Porträt von Herrn Tobias Wenz, Senior Financial Analyst bei VZ VermögensZentrum.

Tobias Wenz

Funktion Finanzanalyst

Publiziert am

07. Januar 2026

Im vergangenen Jahr erlebte die Weltwirtschaft eine große Transformation. Mit US-Präsident Donald Trumps Amtsantritt wurden die globale Handelsordnung neu ausgerichtet und bestehende Strukturen infrage gestellt.

Die Abnabelung der USA von Europa und die zunehmende Aufteilung der Weltwirtschaft in Interessensphären der Großmächte veranlasste viele Unternehmen, ihre globalen Lieferketten zu überdenken und strategisch neu auszurichten. Die lokale Produktion gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung.

Die Weltwirtschaft hat diese Strömungen besser verdaut, als noch vor einigen Monaten befürchtet worden war. Neue Prognosen zeigen, dass das globale BIP-Wachstum im kommenden Jahr ähnlich hoch ausfallen dürfte wie in den Vorjahren (siehe Grafik).

In der Eurozone hat sich die Stimmung im Herbst spürbar verbessert. Europas Dienstleister blicken wieder zuversichtlicher in die Zukunft und erwarten eine stabilere Nachfrage. 

Für Deutschland rechnet die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit einer Beschleunigung des BIP-Wachstums im neuen Jahr auf 1,0 Prozent. Mit dem Rückgang der Inflation dürfte sich der Privatkonsum wieder etwas solider entwickeln, gleichzeitig stützen die Infrastrukturausgaben die Investitionen und sorgen für zusätzliche Impulse.

Die Zoll-Thematik dürfte die Märkte allerdings weiter beschäftigen und für Unsicherheit sorgen. Trump hat in seinem ersten Amtsjahr eine neue Handelsordnung durchgesetzt, im neuen Jahr geht es nun darum, die Details der bilateralen Vereinbarungen zu klären und umzusetzen. 

Das kann zu neuen Spannungen führen und Verhandlungen erschweren. Insgesamt dürften die USA aber stärker an Lösungen interessiert sein als noch im Vorjahr, denn die Zwischenwahlen werfen ihre Schatten voraus. Für Trump geht es nun darum, die finanzielle Last der Haushalte zu lindern. 

Im neuen Jahr wird sich auch zeigen, ob die Nutzung der Künstlichen Intelligenz (KI) weiterhin so schnell voranschreitet wie bisher. KI kann in vielen Industrien einen Innovations- und Produktivitätsschub auslösen und Prozesse nachhaltig verändern. Wer am meisten davon profitieren wird, ist aber noch unklar und dürfte sich erst im Laufe der Zeit zeigen. 

Im Fahrtwind des KI-Booms

Der KI-Boom war im Herbst das dominante Thema an den Finanzmärkten. Bei den großen US-Technologieunternehmen wächst der Umsatz weiterhin kräftig, die Kursentwicklung dieser KI-Schwergewichte war zuletzt jedoch heterogen. 

Der Grund dafür liegt im KI-Bereich selbst: Die Innovation schreitet rasant voran – und das Rennen um die technologische Vorherrschaft ist hart umkämpft. Das kann sowohl Gewinner als auch Verlierer hervorbringen. Im Herbst schloss der Google-Mutterkonzern Alphabet mit seinem KI-Modell Gemini 3 zur Spitze auf. 

Das Besondere an Gemini 3: Der Algorithmus wurde auf selbst entwickelten Prozessoren trainiert, was Kostenvorteile bringt. Die Alphabet-Aktie legte von Oktober bis Ende Dezember um fast 30 Prozent zu. Meta, Microsoft und Nvidia litten zuletzt dagegen unter Gewinnmitnahmen und einer verhalteneren Kursentwicklung.

Technologiewerte waren allerdings nicht die einzigen Aktien, die 2025 gesucht waren. Auch viele andere Sektoren entwickelten sich nach dem Abklingen des Zollschocks sehr gut. 

Dank der Investitionspläne Deutschlands und der soliden Wirtschaftslage in vielen anderen EU-Ländern hatten europäische Standardwerte ebenfalls ein sehr gutes Aktienjahr. Im Euro Stoxx 50 waren vor allem Bankaktien gefragt. Unter den zehn besten Titeln im Euro Stoxx 50 befanden sich sieben Banken – mit Kursgewinnen zwischen 51 und 136 Prozent.

Nur die US-Notenbank lockert die Geldpolitik weiter

Geldpolitisch blieb das vierte Quartal ohne größere Überraschungen. Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ ihre Leitzinsen unverändert und hielt an ihrem bisherigen Kurs fest. Der Einlagesatz verharrt bei zwei Prozent. Die EZB signalisiert klar, dass der Boden erreicht ist und vorerst keine weiteren Zinsschritte geplant sind. 

In den USA ist die Lockerung der Geldpolitik dagegen weniger weit fortgeschritten. Die US-Notenbank hat ihren Leitzins im Oktober und im Dezember gesenkt. Das Zielband liegt nun bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Weitere Leitzinssenkungen sind in den USA absehbar, da die US-Notenbank – zumindest vorübergehend – eine erhöhte Teuerung toleriert, um das Wirtschaftswachstum zu stützen.

Die langfristigen Zinsen verzeichneten im vierten Quartal größere Schwankungen. Vielerorts resultierte ein Anstieg der Renditen. Ein Grund dafür dürften die weiterhin unsicheren Perspektiven für die Teuerung sein. 

In Japan und in den USA liegt die Inflation noch immer nahe drei Prozent und damit über den Zielwerten der Notenbanken. In den USA dürften auch die politischen Risiken und die unsichere Entwicklung der Staatsverschuldung eine Rolle beim Zinsanstieg gespielt haben. In Europa normalisierte sich unterdessen die Zinskurve aufgrund eines verbesserten Konjunkturausblicks. Doch auch hier wachsen die Staatsschulden, insbesondere in Frankreich.

Weitere Wirtschafts-News

DAX erreicht neues Rekordhoch

Der DAX hat erstmals die Marke von 25.000 Punkten überschritten und damit ein historisches Rekordniveau erreicht. Getrieben wird der Anstieg von Hoffnungen auf sinkende Ölpreise, umfangreichen Infrastruktur- und Rüstungsinvestitionen der Bundesregierung sowie positiven saisonalen Effekten zum Jahresbeginn.

Inflation in Deutschland sinkt stärker als erwartet

Der Verbraucherpreisindex in Deutschland ist im Dezember gegenüber dem Vormonat unverändert geblieben und lag bei 0,0 Prozent. Prognostiziert wurde ein Anstieg von 0,3 Prozent. Auf Jahressicht stiegen die Verbraucherpreise um 1,8 Prozent, nachdem im November noch ein Plus von 2,3 Prozent verzeichnet wurde. Die Daten deuten auf eine nachlassende Inflationsdynamik hin.

Bulgarien tritt der Eurozone bei

Das ärmste EU-Land ist seit Anfang des Jahres das 21. Mitglied des Euroraums. Damit löst der Euro die bisherige Landeswährung Lew ab. Die Umstellung erfolgt inmitten einer politischen Krise, nachdem die Regierung unlängst wegen Korruption geschlossen zurückgetreten ist.

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