Geldanlagen

Richterentscheidung zu US-Zöllen – weshalb die Märkte kaum reagiert haben

Investoren rechnen damit, dass die USA trotz des Urteils ihren Protektionismus weiterführen werden. Zugleich festigt sich die Einsicht, dass dem US-Präsidenten Grenzen gesetzt sind. 

Porträt von Herrn Christoph Sax, CIO (Leiter Anlagestrategie) bei VZ VermögensZentrum.

Dr. Christoph Sax

Funktion Chefökonom

Publiziert am

25. Februar 2026

Seit Freitag sind die US-Zölle wieder eines der wirtschaftlichen Hauptthemen. Der Supreme Court hat Donald Trumps Strafzölle gegen eine Vielzahl von Ländern für nichtig erklärt. Die Richter kamen zum Schluss, dass sich diese Zölle nicht mit dem Notstandsgesetz begründen lassen. Sie seien deshalb rechtswidrig. 

Die Entscheidung fiel mit sechs zu drei Stimmen relativ klar aus. Das ist eine gute Nachricht, denn das Votum zeigt, dass die institutionellen Kontrollmechanismen in den USA greifen – insbesondere, weil nur einer der drei Bundesrichter, die von Donald Trump ernannt wurden, für den Verbleib der Zölle stimmte.

Dennoch ist das Zollthema nicht ausgestanden. Die Trump-Administration war darauf vorbereitet, dass der Supreme Court die Strafzölle kippen könnte. Das Weiße Haus verkündete kurz darauf einen neuen zusätzlichen Einfuhrzoll von zehn Prozent, der die vom Gerichtsurteil betroffenen Zölle ersetzt und für alle Handelspartner gilt. Dieser Zoll ist seit Dienstag in Kraft. Er basiert auf einer anderen gesetzlichen Grundlage – nämlich auf der Section 122 des Handelsgesetzes von 1974, die allerdings bislang noch nie angewendet wurde.  

Der neue Zoll wird nicht mehr mit der Feststellung eines Notstands begründet, sondern mit Problemen mit der Zahlungsbilanz. US-Präsident Trump kündigte am Wochenende eine Anhebung dieses allgemeinen Zolls von zehn auf 15 Prozent an, sie wurde bislang allerdings nicht umgesetzt. Die Märkte haben auf den ersten Blick überraschend besonnen auf diese neuen Unsicherheiten reagiert. Den Investoren dürfte klar gewesen sein, dass die USA auch nach dem Gerichtsurteil ihren Protektionismus in der einen oder anderen Form weiterführen würden. Gleichzeitig hat sich seit Längerem die Einsicht gefestigt, dass dem US-Präsidenten Grenzen gesetzt sind – einerseits über die Finanzmärkte, die eine disziplinierende Wirkung haben, und andererseits über die Institutionen sowie die anstehenden Zwischenwahlen im kommenden November. Das neue Zollregime ist bis am 24. Juli befristet. Offen bleibt, ob der Kongress, dessen Zustimmung Trump benötigt, dann der Weiterführung zustimmen wird – oder ob der US-Präsident ein weiteres Gesetz anwenden wird, das seine Zollpolitik zulässt.

Das Parlament gewinnt so oder so mehr Kontrolle. Und das dürfte dazu führen, dass die Zölle insgesamt moderat bleiben. Darüber hinaus ist anzumerken, dass sektorspezifische Zölle auf Stahl, Aluminium, Automobile, Fahrzeugteile, Solarzellen und diverse Produkte aus China weiterhin gelten, da sie auf alternativen gesetzlichen Grundlagen basieren (siehe Tabelle). 

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Tech-Unternehmen sollen künftig selber Strom produzieren

In der bisher längsten "State of the Union"-Rede gab sich Donald Trump kämpferisch. Trotz des Supreme-Court-Urteils gegen seine Zollpolitik will er seine Agenda ohne Kongress fortsetzen. Er betonte, Zölle seien ein zentraler Wirtschaftsmotor und könnten die Einkommensteuer ersetzen. Zudem kündigte er an, Tech-Konzerne zum Bau eigener Kraftwerke für Rechenzentren zu verpflichten.

US-Konsumenten werden zuversichtlicher

Das US-Konsumentenvertrauen hat sich im Februar überraschend verbessert: Der Index stieg auf 91,2 Punkte, erwartet wurde ein Wert von 87,0. Auch die Januar-Zahlen wurden deutlich nach oben revidiert. Laut Conference Board hellten sich die Zukunftserwartungen etwas auf, allerdings bleibt das Niveau unter dem Hoch vom November 2024, und der Grundton ist weiterhin verhalten.

USA und Europa auf Augenhöhe

Im vierten Quartal 2025 ist das Wirtschaftswachstum in den USA und in der Eurozone identisch ausgefallen. In beiden Regionen resultierte ein Zuwachs gegenüber dem Vorquartal von 0,3 Prozent. Dabei wurde das BIP-Wachstum in den USA vor allem durch den Regierungs-Shutdown und durch staatliche Sparmaßnahmen gehemmt. Für das laufende Quartal zeigen die Flash-PMIs  in der Eurozone ein Ende der Industrie-Rezession sowie eine allgemeine Wachstumsbeschleunigung an. 

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