Geldanlagen

ETF ist nicht gleich ETF

Die meisten ETFs nehmen für sich in Anspruch, die Rendite eines Börsenindexes so genau wie möglich nachzubilden. Dieses Ziel lässt sich auf verschiedene Arten erreichen. ETF-Anleger sollten die wesentlichen Unterschiede bei der Indexnachbildung kennen.

Portrait von Emil Hoffmann

Emil Hoffmann

Funktion Anlageexperte

Publiziert am

29. Juli 2026

ETFs sind bei Anlegern beliebt. An der Deutschen Börse Xetra sind mittlerweile über 3.000 ETFs gelistet. Der Großteil dieser Produkte bildet einen Vergleichsindex ab. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze, wie die ETFs vorgehen. Grundsätzlich wird zwischen der physischen (direkten) und der synthetischen (indirekten) Replikation unterschieden.

Bei der physischen Replikation wird direkt in die im Index enthaltenen Wertpapiere investiert. Hier gibt es mehrere Ansätze. Die klassische und einfachste Methode ist die volle Replikation. Dabei enthält das Fondsportfolio alle Wertpapiere im Index mit exakt den gleichen Gewichtungen wie der Index. Bei einem voll replizierenden DAX-ETF (DAX = Deutscher Aktienindex) werden sämtliche 40 DAX-Unternehmen direkt gekauft.

Die Aktien werden dabei genauso gewichtet wie im Index selbst, sodass der Fonds dessen Entwicklung möglichst genau nachbildet.

Es gibt allerdings auch Indizes, die über tausend Wertpapiere enthalten. Um die Kosten der Indexnachbildung zu begrenzen, werden bei Produkten auf solche Indizes oft Stichprobenverfahren angewendet. Dabei wird der jeweilige Index nur mit einem Teil der im Index enthaltenen Wertpapiere abgebildet. Bei der repräsentativen Stichprobe werden nur die Wertpapiere mit der höchsten Gewichtung berücksichtigt und proportional neu gewichtet. Fonds, die eine optimierte Stichprobe anwenden, bestimmen die neuen Gewichtungen anhand statistischer Optimierungsmethoden, um den Index möglichst genau abzubilden.

Bei der synthetischen Replikation erfolgt die Indexnachbildung mittels eines Tauschgeschäfts, eines sogenannten Swaps. Der ETF-Anbieter tauscht die Rendite seiner Anlagen gegen die Rendite des abzubildenden Indexes. Die Gegenpartei eines solchen Tauschgeschäfts ist oft eine Investment Bank. Dabei kommt es für die Anleger zu Risiken, weil im schlimmsten Fall die Gegenpartei in Konkurs gehen und so das Tauschgeschäft nicht weiter durchgeführt werden kann. Diese Gegenparteirisiken sind jedoch sehr gering, da sich die ETF-Anbieter mit hinterlegten Sicherheiten vor einem Konkurs der Gegenpartei schützen oder die Risiken auf mehrere Gegenparteien verteilen.

Die synthetische Replikation ist teilweise weniger transparent als die physische Indexabbildung. Sie eignet sich allerdings besser, um beispielsweise illiquide Märkte abzubilden. Gewisse Märkte etwa im Rohstoffbereich lassen sich sogar nur synthetisch abbilden.

Warum physische ETFs wieder beliebter werden

Während ursprünglich sämtliche ETFs physisch repliziert waren, wurden im Laufe der Zeit immer mehr ETFs synthetisch aufgesetzt (siehe Grafik unten). Vor einigen Jahren wurden synthetische ETFs vor allem wegen ihrer Gegenparteirisiken scharf kritisiert, weshalb seit 2015 vermehrt wieder die physische Replikation angewendet wird und einige ETF-Anbieter von der synthetischen auf die physische Replikation gewechselt sind. Die Folge: Der Anteil physischer Produkte ist seit 2016 von rund 55 Prozent auf über 85 Prozent angestiegen.

Fazit

Die Replikationsart kann sich auf die Qualität auswirken wie gut der ETF den Index abbildet. Zur Beurteilung der Abbildungsqualität lohnt sich ein Blick auf die sogenannte Tracking Difference. Sie misst die Abweichung zwischen der Rendite des ETFs und jener des Vergleichsindex. Unterscheidet sich die ETF-Rendite stark von der Indexrendite oder kommt es im ETF zu deutlich höheren Schwankungen als im Index, ist Vorsicht geboten.

Das starke Wachstum von ETFs und die damit einhergehende Produktvielfalt haben dazu geführt, dass es für Anleger immer wichtiger, aber auch immer anspruchsvoller wird, sich vor dem Kauf seriös und detailliert zu informieren.

Weitere Informationen

Sie möchten erfahren, welche ETFs für Sie geeignet sind? Dann bestellen Sie das kostenfreie Merkblatt oder vereinbaren Sie einen Termin im VZ VermögensZentrum. Das Erstgespräch ist unverbindlich und kostenfrei.