Geldanlagen

Warum der Iran-Krieg die Börsen kalt lässt

Der technologische Fortschritt - insbesondere durch die Künstliche Intelligenz - überlagert an den Aktienmärkten aktuell die geopolitischen Risiken.

Porträt von Herrn Christoph Sax, CIO (Leiter Anlagestrategie) bei VZ VermögensZentrum.

Dr. Christoph Sax

Funktion Chefökonom

Publiziert am

27. Mai 2026

Drei Monate nach Ausbruch des Iran-Kriegs scheint die Angst an den Aktienmärkten verflogen zu sein. Während unmittelbar nach Beginn der Eskalation Ende Februar Unsicherheit und Kursverluste dominierten, haben die Märkte den Krisenmodus inzwischen weitgehend hinter sich gelassen. Der deutsche Aktienmarkt (DAX) konnte seine Einbußen vom März wettmachen, und der US-Leitindex S&P 500 notiert praktisch auf Rekordhoch. 

Bemerkenswert ist vor allem die Entwicklung in den Schwellenländern. Regionen wie China, die wegen ihrer Abhängigkeit von iranischem Öl als besonders verletzlich galten, zeigten sich widerstandsfähig. Der MSCI Emerging Markets liegt seit Kriegsbeginn deutlich im Plus. Dank Notfallplänen und alternativer Lieferketten ist ein größerer wirtschaftlicher Schaden bislang ausgeblieben. 

Zudem fehlt es aktuell an attraktiven Alternativen zum Aktienmarkt: Anleihen sind angesichts unsicherer Zinsentwicklungen aktuell wenig gefragt. Deutlich stärker als die Aktienmärkte reagierten der Öl- und der Zinsmarkt auf die geopolitischen Spannungen. Die Ölpreise legten spürbar zu, und auch die langfristigen Zinsen in den USA und Europa stiegen im Zuge höherer Inflationserwartungen an. Dennoch ist es für die meisten Anleger langfristig sinnvoll, aus Gründen der Risikostreuung auch Anleihen im Depot zu haben.

Ein Grund, warum eine nachhaltige Belastung für Aktien bislang ausgeblieben ist, ist das veränderte Zinsumfeld: Seit dem Inflationsanstieg 2022 haben sich Investoren an höhere Zinsen gewöhnt. Entsprechend reagieren die Aktienmärkte heute weniger empfindlich auf steigende Finanzierungskosten als noch vor wenigen Jahren. Ein zentraler Treiber ist nach wie vor der technologische Fortschritt. Insbesondere Investitionen in künstliche Intelligenz versprechen Effizienzgewinne, sinkende Kosten und steigende Margen. Gleichzeitig führt die Nachfrage im IT-Bereich zu einem kräftigen Umsatzplus.

Diese strukturellen Trends überlagern kurzfristige geo-politische Risiken. Auch fundamental spricht einiges für Aktien. Die Gewinnerwartungen sind in den USA und Deutschland weiterhin positiv. Für den S&P 500 wird im laufenden Jahr 2026 ein Gewinnwachstum von etwas über 20 Prozent erwartet, für den MSCI Germany liegt es bei 9,2 Prozent. Das bedeutet: Selbst ohne steigende Bewertungen besteht noch Aufwärtspotenzial, sofern die Unternehmen ihre Gewinnprognosen erfüllen. 

Weitere Wirtschaftsnews

Ölpreis fällt unter 100 Dollar 

Neuerliche Hoffnungen auf eine Entspannung im Iran-Krieg haben in den vergangenen Tagen den Ölpreis wieder unter die Marke von 100 Dollar fallen lassen. Derzeit passieren wieder deutlich mehr Schiffe die Straße von Hormus als noch vor wenigen Tagen. Allerdings liegt die Zahl weiterhin deutlich unter den Niveaus, die vor dem Krieg verzeichnet wurden. 

US-Konsumentenvertrauen trübt sich ein

Als Folge der gestiegenen Inflation sowie der höheren Inflationserwartung hat sich auch das Konsumentenvertrauen in den USA eingetrübt – allerdings nicht so stark wie befürchtet. Das Barometer für die Konsumlaune sank zum Vormonat um 0,7 auf 93,1 Zähler. Ökonomen hatten jedoch einen Rückgang auf 92,0 Punkte erwartet.

Inflation in Japan schwächt sich ab

Im April hat sich die Kerninflation in Japan auf 1,4 Prozent und damit ‌auf ⁠den niedrigsten Stand seit vier Jahren abgeschwächt. Im März hatte die Teuerung noch 1,8 Prozent betragen. Infolge des Iran-Kriegs gehen Ökonomen aber davon aus, dass die Inflation bald wieder anziehen wird. Analysten erwarten zudem, dass die Notenbank im Juni den Leitzins von 0,75 auf 1 Prozent anheben wird.

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