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Geldanlagen
Anleihen sind seit Jahrzehnten eine attraktive Anlageklasse mit niedrigem Risiko. Insbesondere in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit werden sie als sicherer Hafen genutzt.
Paul Dominiak
Funktion Anlageexperte
19. August 2026
Viele Anleger interessieren sich aufgrund der höheren Renditechancen mehr für Aktien als für Anleihen. Doch auch Anleihen spielen eine wichtige Rolle im Portfolio.
Bei einer Anleihe, auch Rentenpapier oder Bond genannt, handelt es sich um eine Schuldverschreibung und nicht, wie im Fall von Aktien, um eine Beteiligung. Deswegen haben Anleiheinhaber im Gegensatz zu Aktionären an Hauptversammlungen kein Stimmrecht. Damit Anleihen an einer Börse gehandelt werden können, müssen sie in kleinere Einheiten aufgeteilt werden, in der Finanzsprache Stückelung genannt. Je kleiner die Stückelung einer Anleihe, desto mehr Privatanleger greifen zu.
Merkblatt
Mit einer Anleihe leihen sich beispielsweise Staaten, Bundesländer oder Unternehmen Geld am Kapitalmarkt für eine festgelegte Zeit und zu einem festgelegten Zinssatz, dem Kupon. Damit ist klar, dass Anleihen aus zwei Zahlungsströmen bestehen: der Rückzahlung am Ende der Laufzeit sowie den periodisch wiederkehrenden Kuponzahlungen während der Laufzeit.
Ein entscheidender Faktor bei Anleihen ist die Bonität bzw. Kreditwürdigkeit des Schuldners. Sie gibt Auskunft darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass Zinszahlungen und die Rückzahlung des investierten Kapitals wie vereinbart erfolgen. Je besser die Bonität, desto geringer ist das Ausfallrisiko. Deshalb gelten Anleihen von Staaten oder Unternehmen mit hoher Kreditwürdigkeit in der Regel als besonders verlässliche Anlage. Deutschland gehört zu den wenigen Ländern, die von den drei großen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch jeweils die Bestnote erhalten haben. Deutsche Staatsanleihen zählen daher zu den Anleihen mit dem geringsten Ausfallrisiko weltweit.
Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor auf den Kurs einer Anleihe ist die Bonität bzw. Kreditwürdigkeit des Emittenten. Der Anleihekurs entspricht dem Preis, den Käufer an der Börse bereit sind, für eine bereits ausgegebene Anleihe zu zahlen. Verschlechtert sich die finanzielle Lage eines Unternehmens, beispielsweise aufgrund eines schwachen Geschäftsverlaufs oder einer höheren Verschuldung, kann dies zu einer Herabstufung durch die Ratingagenturen führen. Anleger verlangen dann für das gestiegene Ausfallrisiko in der Regel eine höhere Rendite. Diese höhere Rendite wird zunächst bei neu ausgegebenen Anleihen durch einen höheren Zinssatz berücksichtigt. Bereits ausgegebene Anleihen haben dagegen einen festen Kupon und können nicht angepasst werden. Damit sie im Vergleich zu Neuemissionen dennoch die geforderte höhere Rendite bieten, muss ihr Börsenkurs sinken. So kann der Kurs einer Anleihe beispielsweise von 110 auf 95 Prozent fallen. Der Kupon und der Rückzahlungsbetrag bleiben dabei unverändert.
Ein wichtiger positiver Kurstreiber für Anleihen sind Leitzinssenkungen der Notenbanken oder die Aussicht darauf. Sinkt dadurch das allgemeine Zinsniveau, werden bereits ausgegebene Anleihen mit ihrem festgeschriebenen Zinskupon im Vergleich zu neu emittierten Anleihen attraktiver. Das kann die Nachfrage erhöhen und den Kurs dieser Anleihen steigen lassen. Je länger ihre verbleibende Restlaufzeit ist, desto stärker fällt dieser Effekt in der Regel aus.
Anleihen wirken zudem als Stabilitätsanker in Krisenphasen. Sie bieten meist feste Zinszahlungen und Anleihegläubiger werden im Insolvenzfall vor Aktionären bedient. Ein Beispiel: Im Jahr der Finanzkrise 2008, als viele Aktienmärkte schwere Verluste erlitten, konnte der Deutsche Rentenindex (REX), der die Wertentwicklung von deutschen Staatsanleihen misst, eine positive Rendite von über 10 Prozent erzielen.
Anleihen werden oft als fester Bestandteil eines diversifizierten Portfolios empfohlen. Sie gelten als eine verhältnismäßig risikoarme und relativ stabile Anlageklasse. Aktien hingegen weisen häufig größere Kursschwankungen auf, wie auch die Grafik mit dem Vergleich des Deutschen Aktienindex (DAX) zum Deutschen Rentenindex (REX) verdeutlicht. Logischerweise gilt demnach: Je größer der Anteil an Anleihen, desto geringer wirken sich Kursverluste von Aktien auf das gesamte Portfolio aus.
Früher galten Anleihen als langweilige Anlageklasse. In erster Linie dienten sie im Portfolio als Stabilitätsanker – auch heute noch. Wer jedoch einzelne Anleihen kaufen möchte, stößt schnell an Grenzen: Viele Unternehmensanleihen sind nur in hohen Stückelungen erhältlich, was eine breite Streuung erschwert.
Wie bei der Aktienanlage ist es für Privatanleger deswegen empfehlenswert, Anleihen nicht direkt zu kaufen, sondern indirekt über börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Auf diese Weise können sie ihr Kapital breit über verschiedene Anleihetypen streuen – zum Beispiel über Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder Fremdwährungsanleihen. Anleihen-ETFs sind ebenso wie Aktien-ETFs in der Regel sehr kostengünstig. Die Auswahl an Anleihen-ETFs wird allerdings immer größer und undurchsichtiger. Es empfiehlt sich deshalb, sich vor dem Einstieg von erfahrenen Experten beraten zu lassen.
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