Geldanlagen

Iran‑Konflikt belastet Entwicklungsländer – globale Konjunktur bleibt aber stabil

Der IWF sieht die Weltwirtschaft trotz steigender Ölpreise und regionaler Belastungen weiter auf stabilem Kurs. Neue Prognosen zeigen jedoch deutliche Risiken, falls sich der Konflikt im Nahen Osten länger hinzieht.

Porträt von Herrn Christoph Sax, CIO (Leiter Anlagestrategie) bei VZ VermögensZentrum.

Dr. Christoph Sax

Funktion Chefökonom

Publiziert am

29. April 2026

Seit Ausbrauch des Iran-Konflikts vor fast zwei Monaten ist der Ölpreis deutlich gestiegen. Dennoch bleibt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem Basisszenario für die Entwicklung der Weltwirtschaft verhalten optimistisch.

Laut dem jüngsten IWF-Bericht zeigt sich, dass der Konflikt die Energie-Exporteure am Golf besonders stark belastet. Einige Golfstaaten befinden sich zurzeit in einer Art Teil-Lockdown. Der IWF hat seine Wachstumsprognose für den gesamten Mittleren Osten und Zentralasien für 2026 deshalb von 3,9 Prozent auf 1,9 Prozent gesenkt. 

Aber zumindest ein Teil der verlorenen Wertschöpfung sollte im kommenden Jahr wieder aufgeholt werden. Je länger der Konflikt dauert, desto stärker dürfte die Wirtschaft auch in finanzschwachen Ländern leiden, die stark auf Energie-Importe angewiesen sind – also einmal mehr einige Schwellen- und Entwicklungsländer. Für die USA, die Eurozone und China wurden die Prognosen für das BIP-Wachstum dagegen nur leicht nach unten revidiert.

Dabei unterstellt der IWF, dass sich die Lage im Nahen Osten mittelfristig entspannt. Deshalb erwartet er für die Weltwirtschaft als Ganzes nur eine geringe Wachstumsverlangsamung von 3,3 Prozent im Vorjahr auf 3,1 Prozent (siehe Grafik unten). Diese Prognose zeigt, dass der IWF der globalen Wirtschaft eine relativ große Resilienz unterstellt. Denn auch wenn sich in den kommenden Wochen die Lage im Nahen Osten verbessern sollte, dürfte es noch Monate dauern, bis sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus und der Rohstoffhandel wieder normalisieren.

Zusätzlich hat der IWF Szenarien für den Fall entwickelt, dass sich eine Lösung im Nahen Osten verzögert. Bleiben die Verwerfungen bis Ende dieses Jahres bestehen, dürfte das Weltwirtschaftswachstum um zusätzliche 0,6 Prozentpunkte nachgeben. Dauert der Konflikt sogar bis Ende 2027 an, droht global ein Wachstumsrückgang auf 2 Prozent. Allerdings wird die Wahrscheinlichkeit des Extremszenarios unter Analysten als gering angesehen, und zwar aus zwei Gründen: Erstens gehen Chinas Reserven in wenigen Monaten zur Neige, weshalb der Druck auf den Iran früher oder später steigen wird. Zweitens würde die US-Blockade von iranischen Exporten der Ölinfrastruktur im Iran längerfristig irreparable Schäden zufügen

Weitere Wirtschaftsnews 

IPO-Boom in den USA 

Die US-Börsen stehen 2026 in Bezug auf Börsengänge vor einem Rekordjahr. Die Investmentbank Goldman Sachs erwartet ein IPO-Volumen von 160 Milliarden Dollar. Ein IPO (Initial Public Offering) ist der erstmalige Börsengang eines Unternehmens, bei dem es seine Aktien öffentlich an Investoren verkauft. Dazu tragen vor allem drei große Namen bei: SpaceX, Anthropic und OpenAI. An der Spitze steht SpaceX: Mit dem angepeilten Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar würde der bisherige Rekord von Saudi Aramco um das Dreifache übertroffen.

US-Notenbank dürfte Zinsen stabil halten 

Bei Jerome Powells wahrscheinlich letzter Sitzung als Fed-Chef dürfte die US-Notenbank am Mittwochabend ihren vorsichtigen Kurs beibehalten und die Zinsen unverändert in einer Bandbreite von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Anhaltend erhöhte Inflation und ein vergleichsweise stabiler Arbeitsmarkt sprechen gegen schnelle Lockerungen. Die Märkte erwarten keine Überraschung – der Fokus richtet sich vor allem auf Powells Zukunft und die anstehende Führungsnachfolge.

Höhere Inflationserwartungen in der Eurozone 

Infolge des Iran-Konflikts sind die Inflationserwartungen in der Eurozone stark gestiegen. Laut einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten die Konsumenten auf Jahressicht nun 4,0 Prozent Teuerung – deutlich mehr als die zuvor prognostizierten 2,5 Prozent. Preistreiber sind vor allem die gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten. Trotz der wachsenden Verunsicherung wird für die anstehende EZB-Sitzung am Donnerstag keine Leitzinsänderung erwartet.

Weitere Informationen

Nutzen Sie den kostenfreien Depot-Check. Wenn Sie Ihr Vermögen von Profis verwalten lassen möchten, finden Sie beim VZ VermögensZentrum das passende Vermögensverwaltungsmandat

Haben Sie Fragen? Schreiben Sie an kontakt [at] vzde.com oder sprechen Sie mit den Anlageexpertinnen und -experten: Reservieren Sie Ihr kostenfreies und unverbindliches Beratungsgespräch in einem VZ VermögensZentrum in Ihrer Nähe.