Ruhestand

So vermeiden Sie die größten Irrtümer beim Ruhestand

Noch immer verlassen sich viele Menschen zu sehr auf die gesetzliche Rente. Das ist einer der folgenreichsten Fehler bei der Vorbereitung auf den Ruhestand. Die folgenden Tipps helfen, Fehler zu vermeiden, die Sie teuer zu stehen kommen.

Porträt von Frau Nicole Negru, Beraterin in München.

Nicole Negru

Funktion Ruhestandsexpertin

Publiziert am

15. Mai 2026

Wer seinen Ruhestand ohne fremde Hilfe vorbereitet, muss sich sehr sorgfältig informieren.

Denn die Ruhestandsplanung ist komplex, und Fehler können einschneidende Folgen nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall fehlt im Alter das Geld zum Leben. Über die Jahre wird es immer schwieriger, Fehler zu korrigieren. Deshalb lohnt es sich, die gravierendsten Irrtümer frühzeitig zu kennen und zu vermeiden.

Rente überschätzen 

Viele Menschen setzen zu sehr auf die gesetzliche Rente. Zwar hat der Gesetzgeber entschieden, dass das Rentenniveau mindestens bis 2031 bei 48 Prozent bleibt. Für die meisten würde das aber kaum ausreichen, um ihren Lebensstandard im Alter zu halten. Dazu kommt ein weitverbreiteter Irrtum: Sie glauben, ein Rentenniveau von 48 Prozent bedeute, dass sie 48 Prozent ihres letzten Bruttolohns als Rente erhalten. Doch diese Annahme ist falsch. Das Rentenniveau ist das Verhältnis der sogenannten Standardrente zum durchschnittlichen Verdienst aller Versicherten. 

Die Standardrente erhält man, wenn man 45 Jahre lang immer den aktuellen Durchschnittslohn verdient und darauf Rentenbeiträge gezahlt hat. Das tatsächliche Rentenniveau liegt im Durchschnitt derzeit eher bei 39 Prozent. Erfahrungsgemäß braucht man im Alter aber etwa 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens, um über die Runden zu kommen. Das Beispiel in der Tabelle unten führt vor Augen, was das bedeutet. Dieses Ehepaar hat keine Rücklagen geschaffen und lebt im Ruhestand allein von der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge. Schon im ersten Jahr nach der Erwerbsaufgabe übersteigen die Ausgaben die Einnahmen um 29.000 Euro. Wenn man die Inflation berücksichtigt, kumuliert sich diese Lücke im Lauf von 25 Jahren auf über 1 Million Euro. 

Zu lange warten 

Wer die Einkommenslücken im Alter schließen will, braucht zusätzliche Einkommensquellen. Das geht am besten, indem man Kapital aufbaut. Damit kann man regelmäßige Erträge erwirtschaften, um die Rente aufzubessern. Hier gilt: Je früher man mit dem Kapitalaufbau beginnt, desto stärker profitiert man vom Zinseszinseffekt. Und entsprechend weniger muss man jeden Monat zurücklegen, um eine bestimmte Zielsumme anzusparen. Viele warten zu lange, bis sie sich dazu durchringen, mit dem Sparen anzufangen. Sie müssen dann ungleich mehr Geld pro Monat zur Seite legen, um zu demselben Ergebnis zu kommen. 

Tipp: Fangen Sie jetzt an, regelmäßig und systematisch für das Alter zu sparen. Richten Sie am besten einen Dauerauftrag ein, damit das Geld gleich beim Gehaltseingang abgebucht wird. Dann spüren Sie kaum, dass dieser Betrag nicht zur Verfügung steht. Die Tabelle unten zeigt, wie viel Sie im Alter monatlich verbrauchen können, wenn Sie bis zum Beginn des Ruhestands 1 Million Euro angespart haben – je nachdem, wie lange das Kapital reichen soll. 

Zu vorsichtig sparen 

Ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass sich für die Altersvorsorge nur schwankungsarme Sparformen eignen. Damit kommt man aber auf keinen grünen Zweig: Mit einem gewöhnlichen Banksparplan bekommt man kaum Zinsen. Nach Steuern und Inflation resultiert damit in der Regel sogar ein Verlust für die Sparer. Wer noch mindestens 10 Jahre oder sogar Jahrzehnte Zeit hat bis zum geplanten Ruhestand, sollte zumindest einen Teil seiner Sparquote in Aktien investieren. Es stimmt: Die Kurse von Aktien können stark schwanken. In der Vergangenheit hat sich aber gezeigt, dass ein breit diversifiziertes Aktienportfolio über eine Anlagedauer von 10 Jahren oder mehr fast immer im Plus lag. Die Rendite lag in aller Regel deutlich über der von Tages- oder Festgeld. 

Tipp: Entscheiden Sie sich bei der Kapitalbildung für einen ETF-Sparplan. Damit streuen Sie Ihr Geld am Aktienmarkt breit über unterschiedliche Regionen und Branchen. ETF-Sparpläne sind kostengünstig, transparent und flexibel. Sie können die monatliche Rate jederzeit an Ihre Bedürfnisse anpassen oder, falls nötig, auch mal ganz aussetzen. 

Zu viel riskieren 

Mindestens genauso schlecht wie eine zu vorsichtige Einstellung ist es, beim Vermögensaufbau Anlagetipps mit enorm hohen Renditeversprechen zu folgen. Das geht meistens schief. Auch Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum sind als Basis für die Altersvorsorge zu riskant. Zwar sind damit hohe Gewinne möglich, aber genausogut kann auf diese Weise ein Großteil des Einsatzes verloren gehen.

Tipp: ''Heiße'' Aktien oder Kryptos eignen sich allenfalls als geringe Beimischung in einem gut diversifizierten Portfolio, aber nicht für den Kapitalaufbau für den Ruhestand. Lassen Sie sich von unabhängigen Experten beraten. Sie helfen Ihnen, Irrtümern aus dem Weg zu gehen, und zeigen Lösungen auf, die für Sie geeignet sind. 

Weitere Informationen

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