Sondertilgung oder anlegen: Was ist sinnvoll für Hausbesitzer?
Mit Sondertilgungen können Immobilienbesitzer Darlehen schneller verringern und Zinsen sparen. Doch das lohnt sich nicht in jedem Fall. Viele Hausbesitzer stellen sich daher die Frage, was besser ist: Eine Sondertilgung an die Bank zu leisten oder das Geld stattdessen anzulegen. Ein Vergleich zeigt, ob man Sondertilgungen tätigen oder die gleiche Summe in einen ETF-Sparplan investieren sollte.

Viele Eigentümer von Immobilien, die zum Beispiel durch eine Erbschaft oder Abfindung zu Geld kommen, wissen sofort, was sie damit machen: ihr Immobilien-Darlehen mit einer Sondertilgung abzahlen. Getreu dem Motto: Der Abbau von Schulden ist die beste Geldanlage. Doch bevor man in dieser Frage eine Entscheidung trifft, sollte man mehrere Aspekte beachten.
Sondertilgungen – sinnvoll oder nicht?
Viele Immobilienfinanzierungen ermöglichen Sondertilgungen. Damit können Kreditnehmer zusätzlich zu ihren monatlichen Raten mit zusätzlichen Zahlungen ihr Darlehen reduzieren.
Eine Sondertilgung bietet den Vorteil, die Entschuldung des Darlehens zu beschleunigen und die Kreditlaufzeit zu verringern. Wichtig ist, bei Vertragsabschluss auf entsprechende Sondertilgungsrechte zu achten, denn nachverhandeln ist später kaum möglich.
Bei welchem Zinsniveau sich die Sondertilgung lohnt
Attraktiv ist eine Sondertilgung vor allem bei hohem Kreditzins oder wenn die Zinssätze für Neudarlehen niedriger sind als bei Vertragsabschluss, weil dann vergleichsweise viele Zinsen gespart werden. Wenn die Zinsen für das Darlehen niedrig sind, sind Sondertilgungen dagegen weniger zu empfehlen, weil die Zinsersparnis gering ausfällt.
Aktuell ist es so, dass viele Darlehensnehmer noch einen Kredit laufen haben, den sie zu sehr günstigen Konditionen abgeschlossen haben. Mittlerweile ist das Zinsniveau aber viel höher. Deshalb ist es in aller Regel sinnvoller, solche günstigen Alt-Darlehen weiterlaufen zu lassen.
Sondertilgung bei Mietobjekten weniger attraktiv
Noch weniger attraktiv ist eine Sondertilgung in aller Regel bei vermieteten Immobilien, denn hier können die Kreditzinsen von der Steuer abgesetzt werden, da sie den Gewinn mindern. Wichtig: Bei selbst genutzten Immobilien ist kein Steuerabzug möglich.
Sondertilgung oder anlegen: Mehrrendite mit Aktien und ETFs
Da Immobilienfinanzierungen zumeist über viele Jahre laufen, können chancenreiche Wertpapieranlagen mit Aktien und ETFs eine Alternative zu Sondertilgungen sein. Wertpapierportfolios schwanken zwar im Wert, eröffnen aber langfristig attraktive Renditen.
Mit dem Ertrag aus einem ETF-Sparplan kann am Ende nicht nur der Kreditvertrag getilgt, sondern auch zusätzliches Kapital aufgebaut werden. Kreditnehmer, die anstatt jährliche Sondertilgungen zu leisten, die gleichen Beträge monatlich in einen ETF-Sparplan einzahlen, können langfristig einen Vermögensvorteil erzielen.
Tipp: Sind die Erträge höher als die Kreditkosten, kann sich die Anlage lohnen. Lassen Sie von Experten berechnen, was für Sie gilt.
Vergleich: Sondertilgung oder ETF-Sparen
Ein Vergleich zeigt, welchen Unterschied es macht, ob man Sondertilgungen tätigt oder Kapital in einen ETF-Sparplan investiert.
Ein Ehepaar kauft eine Immobilie im Wert von 400.000 Euro und nimmt dafür ein Darlehen von 300.000 Euro auf. Der Darlehenszins beträgt 3 Prozent und die Tilgung 2,5 Prozent. Die Laufzeit dauert 20 Jahre. Die Eheleute fragen sich, ob sie jedes Jahr eine Sondertilgung von 3.000 Euro tätigen sollten oder ob es besser wäre, die gleiche Summe – zu monatlichen Raten von 250 Euro – in einen ETF-Sparplan einzuzahlen.
Sondertilgungen: Weniger Schulden, aber auch weniger Gesamtvermögen
Mit den jährlichen Sondertilgungen von 3.000 Euro ist das Immobiliendarlehen nach 20 Jahren bis auf 11.200 Euro abbezahlt. Das Gesamtvermögen, bestehend aus dem Immobilienwert abzüglich des Restkredits, beträgt 388.800 Euro.
ETF-Sparen: Vermögen aufbauen, um den Restkredit abzulösen
Ohne die jährlichen Sondertilgungen beträgt der Restkredit nach 20 Jahren noch 91.800 Euro. In dieser Zeit wurden Sparraten in einen ETF-Sparplan eingezahlt mit einer durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent (nach Kosten). Damit wird ein ETF-Depot aufgebaut, das nach 20 Jahren einen Wert von 101.700 Euro hat. Das Gesamtvermögen aus dem Wert der Immobilie und des ETF-Depots abzüglich des Restkredits ergibt 409.900 Euro, das sind 21.100 Euro mehr.
Lese-Tipp: Möchten Sie mit ETFs Vermögen aufbauen? Im Artikel "ETF-Sparplan: Das Wichtigste im Überblick" erfahren Sie, worauf Sie dabei achten sollten. Handelt es sich um eine Renditeimmobilie wie eine Mietwohnung, empfiehlt sich der Artikel "Immobilien als Kapitalanlage" und der kostenfreie Immobilien-Check des VZ.
Ist Ihr Geld optimal investiert?
Weitere Informationen
Sie überlegen, ob Sie Sondertilgungen bei Ihrer Immobilienfinanzierung tätigen oder das Geld besser chancenreich anlegen sollen? Die Expertinnen und Experten des VZ beraten Sie gern. Übrigens: Beim "Sparen mit ETFs" beim VZ können Sie ab 100 Euro monatlich mit einem kostengünstigen ETF-Sparplan Vermögen aufbauen.
Haben Sie Fragen? Schreiben Sie an kontakt [at] vzde.com (kontakt[at]vzde[dot]com) oder rufen Sie an im VZ in Ihrer Nähe und vereinbaren Sie ein erstes kostenfreies Beratungsgespräch.
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