Geldanlagen

Ein bewegtes Jahr geht zu Ende – auch an den Finanzmärkten

Am Anfang dieses Jahres dachte man, dass die Pandemie die größte Hürde für die Wirtschaft darstellt. Inzwischen sorgen die fast rekordhohe Inflation und mögliche Zinserhöhungen für die größten Bewegungen an den Finanzmärkten. 

Michael Ausfelder

Analyst

Just zum Jahresende hin zündet die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre nächste Stufe. Sie will ihr Anleihekaufprogramm von ursprünglich 120 Milliarden Dollar pro Monat nun bereits zum März 2022 statt erst im Sommer komplett auf null zurückfahren. Gleichzeitig rechnet die Fed in ihrem Basisszenario mit drei Zinsschritten für das kommende Jahr. Das ist eine deutliche Kehrtwende: Noch vor drei Monaten war sich die Notenbank uneinig gewesen, ob 2022 überhaupt eine Zinserhöhung erfolgen soll.

Etwas schneller war nur die britische Notenbank. Die Bank of England hatte in der Woche vor Weihnachten als erste der großen Zentralbanken erstmals seit dem Pandemieausbruch den Leitzins erhöht, und zwar von 0,1 Prozent auf 0,25 Prozent. Zurückhaltend zeigt sich noch die Europäische Zentralbank (EZB). Der EZB-Rat lässt wie erwartet den Leitzins bei 0,0 Prozent. Jedoch wagt auch sie die schrittweise Abkehr aus dem Krisenmodus. Sie lässt ihr billionenschweres Pandemie-Notprogramm PEPP bis März 2022 auslaufen. Allerdings wird die EZB ihre Anleihekäufe wahrscheinlich 2022 und 2023 – bei voraussichtlich fallendem Umfang – in Form des Standardkaufprogramms APP weiterführen.  

Damit geht das Jahr mit einem geldpolitischen Paukenschlag zu Ende, der noch im Januar kaum denkbar gewesen war. Wohl niemand hatte eine derart schnelle geldpolitische Normalisierung auf der Agenda. Damals befand sich die Weltwirtschaft zwischen der Furcht vor der Ausbreitung der ersten Corona-Mutationen und der Hoffnung auf eine starke Erholung nach dem Einbruch im Pandemiejahr 2020. 

Tatsächlich hat in den vergangenen Monaten die globale Wirtschaftsleistung kräftig zugelegt. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandprodukt aller Länder in diesem Jahr um rund 6 Prozent gewachsen sein – so stark wie seit über 40 Jahren nicht mehr. Für das kommende Jahr prognostiziert die OECD noch immer ein Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent. 

Merkblatt

Depot-Check – die häufigsten Fehler von Anlegern

Unabhängige Depot-Checks des VZ zeigen: Viele Anleger gehen mit ihren Wertpapieren zu hohe Risiken ein und nutzen ihre Chancen zu wenig aus.

Allerdings zeigen die vergangenen Monate die Schwierigkeiten auf, zuverlässige Prognosen zu erstellen. Sehr vieles ist im Jahr 2021 anders verlaufen als vorhergesehen. So hatte man im Januar noch gedacht, dass mit dem Anlaufen der Impfkampagne die Covid-19-Pandemie bald ein Ende finden und damit der Startschuss zurück zur Normalität abgegeben würde. Heute zeigt sich, dass dies mit der neuen Omikron-Variante vorerst Wunschdenken bleibt. 

Ebenso war das Ausmaß und die Länge des Inflationsanstiegs Anfang Jahr nicht erwartet worden. Die Teuerungsraten begannen bereits im Frühling deutlich anzusteigen. Damals wurde das Phänomen von den meisten Ökonomen als temporär bezeichnet und es wurde mit einem Rückgang gegen Ende 2021 gerechnet. Seit Herbst sind jedoch vor allem in den USA, im Euroraum und im Vereinigten Königreich die Preise fast ungebremst in die Höhe geschossen. Das hatte vor allem zwei Gründe: Einerseits haben seit Anfang des Jahres die weltweiten Störungen in den Lieferketten zu einer Verknappung von gewissen Produkten wie Halbleitern (z.B. für die Auto- oder Computerindustrie) oder Rohstoffen und somit zu höheren Preisen beigetragen. Hier wird für die kommende Zeit allmählich eine Entspannung erwartet. Zudem hat die wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr vielerorts zu einer Energieknappheit geführt. Die viel höheren Notierungen für Erdöl und Erdgas hatten ebenfalls einen wesentlichen Anteil am Anstieg der Inflation. Auch dieser Effekt dürfte sich im Laufe des Jahres 2022 wieder zurückbilden. 

Die Erfahrungen von diesem Jahr lehren wieder einmal, dass in diesen Zeiten Prognosen mit größter Vorsicht zu genießen sind. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Ende des kommenden Jahres ganz andere Themen und Probleme die Wirtschaft beschäftigen als heute prognostiziert wird. 

Aus diesem Grund ist mehr denn je empfehlenswert, sein Geld möglichst diversifiziert anzulegen. Dank einer optimalen Risikoverteilung werden Klumpenrisiken vermieden. Damit wird auch das Verlustrisiko des Gesamtdepots gesenkt.