Geldanlagen

"Die Chancen am Aktienmarkt sind aktuell überdurchschnittlich gut"

Michael Ausfelder, Marktstratege des VZ in Deutschland, über die jüngsten Kursverluste an den Börsen und was er Privatanlegern in dieser Situation empfiehlt.

Michael Ausfelder

Analyst

Herr Ausfelder, seit Jahresanfang, als der Ukraine-Konflikt gerade begann, sich zuzuspitzen, hat der DAX rund zwölf Prozent verloren. Jetzt ist seit über zwei Monaten Krieg und kein Ende absehbar. Sollten Anleger sich vom Aktienmarkt zurückziehen und erst wieder einsteigen, wenn der Krieg beendet ist?

Das würde ich auf keinen Fall empfehlen. 

Warum nicht? 

Natürlich ist die Lage an den Aktienmärkten gerade schwierig. Kein Wunder angesichts dessen, was in der Ukraine gerade geschieht und wie sich das schon heute auf die Weltwirtschaft auswirkt. Insbesondere der drohende Ausfall eines der wichtigsten Öl- und Gaslieferanten hinterlässt natürlich merkliche Spuren. Das bedeutet aber nicht, dass es zwangsläufig mit den Aktienkursen weiter abwärts gehen muss.

Das müssen Sie erklären.

In der Vergangenheit ist es schon sehr oft genau anders gekommen als es die Mehrheit der Anleger erwartet hat. Immer wenn der Pessimismus besonders groß ist, wie aktuell, sind die Chancen am Aktienmarkt eigentlich überdurchschnittlich gut.

Das klingt unlogisch.

Und doch entbehrt dieser Zusammenhang nicht einer gewissen Logik: Wenn viele Anleger mit weiter fallenden Kursen rechnen, dann haben viele von ihnen in der Regel auch schon verkauft. Sie fallen also für die Zukunft als Verkäufer aus. Es bedarf dann manchmal nur eines geringfügigen Stimmungsumschwungs und plötzlich werden diejenigen, die gestern noch verkauft haben, wieder zu Käufern – weil sie Angst bekommen, dass ihnen künftige Gewinne entgehen. Dann steigen die Kurse, die eben noch gefallen waren, plötzlich kräftig.

Merkblatt

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Man sollte also buchstäblich kaufen, wenn die Kanonen donnern, wie Börsenaltmeister André Kostolany empfohlen hat?

Ich bin ein großer Kostolany-Fan. Allerdings ist mir diese Aussage zu plakativ. Grundsätzlich empfehle ich vollständig mit dem Geld an den Kapitalmärkten investiert zu sein, das für die Altersvorsorge vorgesehen ist. Denn zwar kommt es an den Börsen immer wieder zu Rückschlägen, wie wir es derzeit gerade erleben.

Auf lange Sicht standen Sie mit einem breit gestreuten Aktienportfolio in der Vergangenheit aber immer auf der Gewinnerseite, egal wann sie gekauft haben. Wenn Sie aber jetzt einsteigen – und in dieser Hinsicht gebe ich Kostolany recht – dann können Sie das zu relativ günstigen Kursen tun. Das könnte sich langfristig besonders für Sie auszahlen.

Was ist für den langfristigen Aktienerfolg maßgebend?

Mit Ausdauer dabeizubleiben. Der Weltaktienindex MSCI World (siehe Grafik) hat in Euro gerechnet per Stand heute über die vergangenen zehn Jahre 13 Prozent pro Jahr Performance erzielt. Über den Zeitraum der letzten 20 Jahre waren es trotz Finanzkrise immerhin mehr als sieben Prozent pro Jahr. Vergangene Renditen sind auch hier keine Garantie für eine Wiederholung in der Zukunft. Trotzdem darf man davon ausgehen, dass die Aktien entwickelter Volkswirtschaften auch zukünftig eine wichtige Rolle in der Vermögensanlage und somit im Vermögensaufbau spielen dürften. Genauso wichtig ist es auch, an einer einmal gewählten Anlagestrategie festzuhalten, diese unabhängig umzusetzen und auch regelmäßig zu überwachen. Das ist beim VZ jedenfalls unsere Erfolgsformel.

Welche Aktien sollten Anleger aktuell kaufen?

Privatanlegern empfehle ich nicht, in Einzelaktien zu investieren. Erfolgversprechende Titel auszuwählen bedarf einer tiefgründigen Analyse und laufender Überwachung, die selbst für Profis herausfordernd ist. Viel aussichtsreicher ist es, in ETFs zu investieren, also in börsengehandelte Indexfonds. Damit decken Sie ganze Märkte ab und diversifizieren Ihr Portfolio bei geringen Kosten optimal.

Dann verraten Sie uns, welche ETFs besonders aussichtsreich sind.

Die Antwort ist leider nicht so einfach. Denn es gibt Tausende von Produkten am Markt, die sich teilweise nur geringfügig voneinander unterscheiden. Es empfiehlt sich deshalb, die ETF-Auswahl Experten zu überlassen. Das VZ VermögensZentrum zum Beispiel ist da eine gute Anlaufstelle.

Was sollen Anleger tun, die mit Verlusten nicht gut umgehen können?

Auch risikoscheue Anleger kommen um den Aktienmarkt nicht herum, wenn sie ihr Kapital nach Inflation und Steuern erhalten oder sogar vermehren möchten. Risikoaverse Anleger sollten aber auch Anleihen beimischen. Anleihen bringen aktuell zwar keine hohen Renditen ein, sorgen aber für Stabilität im Depot. In Anleihen lässt sich ebenfalls über ETFs investieren. Auch hier empfehle ich dringend, die Auswahl Profis zu überlassen.