Geldanlagen

Was die Euro-Schwäche für Anleger bedeutet

Ende August war ein Euro zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder weniger wert als ein US-Dollar. Anleger können gelassen bleiben – wenn sie die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Michael Ausfelder

Analyst
Publiziert am
31. August 2022

Exportstarke deutsche Unternehmen können derzeit jubeln: Die Schwäche des Euro macht ihre Produkte für Käufer im Ausland günstiger. Das kurbelt ihre Verkäufe an. Ansonsten aber herrscht hierzulande eher Unbehagen über den Negativtrend der Gemeinschaftswährung: Am 23. August fiel der Kurs des Euro erstmals seit fast 20 Jahren wieder unter die Parität zum Dollar. Ein Euro war damit weniger wert als ein Dollar. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass der Trend vorerst andauert und der Euro weiter schwächeln wird. Das verteuert Importe und heizt damit die Inflation an.

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Die Zinsen machen den Unterschied

Der wichtigste Grund für diese Entwicklung liegt auf der Hand: die unterschiedlich hohen Zinsen in den USA und Europa. Während die US-Notenbank schon seit längerem entschlossen gegen die Inflation vorgeht und die Zinsen schon mehrfach angehoben hat, hat die Europäische Zentralbank lange vor Zinserhöhungen zurückgeschreckt. Erst im Juli hat sie sich zu einer ersten Zinserhöhung durchgerungen. Aktuell liegt der wichtigste Leitzins in den USA in einer Spanne zwischen 2,25 und 2,5 Prozent. In Europa sind es nur 0,5 Prozent. Entsprechend werfen Dollar-Anleihen auch deutlich höhere Zinsen ab als deutsche Bundesanleihen und das wiederum macht den Dollar als Anlagewährung für internationale Investoren attraktiver – mit der Folge, dass er zum Euro zuletzt so stark gestiegen ist.

Ist es für Anleger also sinnvoll, ihr gesamtes Vermögen im Dollar-Raum zu investieren? Auf den ersten Blick spricht einiges dafür. Dauert der Trend an, würden sie nämlich gleich doppelt profitieren: von Währungsgewinnen und von höheren Zinsen. 

Wechselkursentwicklungen sind langfristig unvorhersehbar

Die Krux an der Sache ist nur: Niemand kann garantieren, dass der Euro auch weiterhin zum Dollar an Wert verliert. Prognosen von Devisenkursentwicklungen haben sich in der Vergangenheit schon häufig als falsch erwiesen. Die potenziellen Einflussfaktoren, die einen Währungstrend kippen lassen können, sind vielfältig. Anders als die Aktienmärkte, die unter großen Schwankungen auf lange Sicht stets nach oben streben, ist die langfristige Kursentwicklung von Währungen unvorhersehbar. Es ist daher völlig offen, wie der Euro in einigen Jahren zum Dollar stehen wird.

Anlagen breit über verschiedene Währungsräume streuen

Anleger können daraus einen wertvollen Schluss ziehen: Der Unvorhersehbarkeit der Devisenmärkte lässt sich am besten begegnen, wenn man sein Vermögen breit über viele verschiedene Währungsräume streut und wenn man nicht nur in Anleihen, sondern auch in Aktien investiert. Denn auch der Erwerb von Aktien von Unternehmen außerhalb des Euro-Raums ist eine Anlage in Fremdwährungen.

Tipp: Vereinbaren Sie ein unverbindliches kostenloses Erstgespräch in einem VZ VermögensZentrum in Ihrer Nähe. Ihr Berater wird Ihnen gern einen Vorschlag unterbreiten, wie Sie Ihr Vermögen sinnvoll strukturieren können und welche Rolle Fremdwährungen dabei spielen sollten.