Ruhestand

Plötzlich von Witwenrente leben: Geht das?

Wenn ein Ehepartner stirbt, stellt das den Hinterbliebenen häufig vor finanzielle Probleme. Die Einkünfte sind oft geringer, die Kosten dagegen höher als erwartet. Ehepaare sollten dringend prüfen, ob ihre gegenseitige Absicherung ausreicht.

Dr. Tatjana Rosendorfer

Nachlassexpertin
Publiziert am
22. November 2022

Um Geld musste sich Margrit Bachmann nie Gedanken machen. Mit ihrem Mann führte sie ein unbeschwertes Leben. Die Kinder sind längst erwachsen, und sie kümmerte sich um Haus und Garten. Doch als ihr Mann unerwartet mit 62 stirbt, ist es für die 58-Jährige mit dem gewohnten Lebensstandard vorbei. Die Witwe steht auf einmal finanziell deutlich schlechter da.

Statt des Erwerbseinkommens des Mannes fließt nur eine Witwenrente. Hier steht sie noch vergleichsweise gut da: Da ihr Mann vor 1962 geboren und ihre Ehe vor 2002 geschlossen wurde, hat sie Anspruch auf die "große Witwenrente nach altem Recht" (siehe Tabelle) in Höhe von 60 Prozent seiner Rente. Da ihr Mann aber noch nicht in Rente war, muss sie Abschläge hinnehmen. Für jeden Monat, den ein Ehepartner vor dem Alter von 64 Jahren und 8 Monaten verstirbt (gilt 2022), zieht die Rentenkasse nämlich 0,3 Prozent ab – maximal jedoch 10,8 Prozent. Diese Altersgrenze steigt bis 2024 schrittweise auf 65 Jahre.

Merkblatt

Witwenrente: Reicht die Rente, wenn der Partner stirbt?

Vielen Ehepaaren ist nicht bewusst, wie lückenhaft ihre Absicherung ist, wenn einem von beiden etwas zustößt.

Herr Bachmann hatte bei der gesetzlichen Rentenversicherung einen Rentenanspruch von 2.200 Euro pro Monat. 3 Monate lang bekommt seine Witwe diese Rente in voller Höhe ausgezahlt. Danach sind es nur noch 60 Prozent als Witwenrente. Da Herr Bachmann vorzeitig verstorben ist, werden für 24 Monate jeweils 0,3 Prozent abgezogen – insgesamt also 7,2 Prozent.

Die Rechnung sieht wie folgt aus: Von den 2.200 Euro werden 7,2 Prozent abgezogen, bleiben also 2.041 Euro. 60 Prozent davon ergeben eine Witwenrente von 1.225 Euro. Davon gehen noch Einkommensteuern und die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab.

Für die Witwe reichen die 1.225 Euro nicht aus, um Lebenshaltung und laufende Kosten zu bestreiten. Die Ausgaben für Wohnen, Auto und viele Versicherungen bleiben gleich. Die Steuerbelastung steigt sogar, da sich der Grundfreibetrag für Ehepaare ab dem folgenden Steuerjahr um fast 10.000 Euro auf den für Singles halbiert. Die Folge: Wenn Frau Bachmann kein zusätzliches Einkommen bezieht, muss sie ihre Ausgaben deutlich reduzieren und sich vielleicht sogar von ihrem Eigenheim trennen.

Vermögen für Altersvorsorge und Absicherung des Ehepartners

Die Bachmanns sind nur ein Beispiel von vielen. Zahlreiche Ehepaare wiegen sich in falscher Sicherheit. Stirbt der Hauptverdiener, kommt für den hinterbliebenen Ehepartner oft das böse Erwachen. Die Beispiele im unteren Teil in der Tabelle zeigen, mit wie wenig Renteneinkünften Witwen oder Witwer zurechtkommen müssen. Noch schlechter da stehen Geschiedene und Selbstständige, die nicht in die Rentenkasse einzahlen. Daher sollten sich Ehepaare frühzeitig informieren, mit welchen Hinterbliebenenrenten sie rechnen können. Reichen die zu erwartenden Renten und sonstigen Einkünfte im Alter nicht aus, empfiehlt es sich, frühzeitig die Eigenvorsorge entsprechend zu verstärken.

Weitere Informationen

Sie möchten Ihren Ehepartner finanziell absichern? Die Experten des VZ beraten Sie individuell und unabhängig. Mehr erfahren Sie in einem kostenlosen Erstgespräch im VZ in Ihrer Nähe.