Geldanlagen

Das Ende der Negativzinsen ist kein Grund zur Freude für Sparer

Die meisten Banken haben die Verwahrentgelte wieder abgeschafft. Für Sparer ist das aber keine gute Nachricht. Denn die Inflation ist stärker gestiegen als die Zinsen. Wer real keine Verluste erleiden will, kommt mehr denn je um Aktienanlagen nicht herum.

Alexander Wunder

Anlageexperte
Publiziert am
17. August 2022

Das Zeitalter der Negativzinsen geht vorbei. Die meisten Banken haben die sogenannten Verwahrentgelte wieder abgeschafft oder angekündigt, dies zu tun. Der Grund: Dank der Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank am 21. Juli 2022 (siehe Grafik) müssen die Banken jetzt selbst keine Strafzinsen mehr an die EZB abführen. Bis dahin mussten sie auf einen Teil ihrer überschüssigen Einlagen, die sie bei der EZB hinterlegt hatten, 0,5 Prozent Zinsen zahlen. Diese Kosten gaben viele Geldhäuser in Form von Negativzinsen an ihre Privatkunden weiter.

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Kontoguthaben lohnen sich noch weniger als zuvor

Grund zur Freude ist diese Entwicklung für Sparer allerdings nicht. Denn auch wenn sie künftig keine Gebühren mehr für das Parken von Einlagen auf Bankkonten zahlen müssen, verliert ihr Geld dort massiv an Wert – aufgrund der Inflation. Die ist in den vergangenen Monaten noch deutlich stärker als die Zinsen gestiegen. Die Folge: Real – also nach Abzug der Inflation – verlieren Sparer mit Guthaben auf Giro-, Spar-Festgeld- und Tagesgeldkonten aktuell sogar noch deutlich mehr als noch vor einem oder zwei Jahren. 

Ein Beispiel: Mitte 2021 war die Inflation in Deutschland praktisch nicht existent. Wer damals 100.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto deponierte, musste in der Regel zwar 0,5 Prozent Negativzinsen zahlen, erlitt aber ansonsten keinen Verlust, weil sein Geld nicht an Wert verlor. Heute sieht die Rechnung ganz anders aus: Wer aktuell 100.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto parkt, zahlt zwar keine Strafzinsen mehr, angesichts einer Teuerung von 7,5 Prozent erleidet er aber faktisch einen Kaufkraftverlust von 7.500 Euro pro Jahr.

Vermögen verliert Jahr für Jahr an Wert

Nun werden Sie vielleicht einwenden, lieber Leser, dass diese hohe Inflationsrate nur ein temporäres Phänomen sei. Der Einwand ist berechtigt. In der Tat rechnen viele Ökonomen damit, dass die Inflationsraten in Zukunft wieder zurückgehen werden. Dennoch: Kaum ein ernst zu nehmender Experte rechnet damit, dass die Teuerung auf absehbare Zeit wieder ganz verschwindet. Pendelt sie sich langfristig bei rund 3 Prozent ein, wäre das in unserem Beispiel immer noch ein Kaufkraftverlust von 3.000 Euro ¬– und das Jahr für Jahr.

Diesen Kaufkraftverlust können Sparer nur verhindern, wenn sie sich dazu durchringen, wenigstens einen Teil ihres Vermögens am Aktienmarkt zu investieren. Zwar sind mit Aktien immer auch Schwankungen und Verluste möglich, über Anlagezeiträume von zehn Jahren und länger konnten Anleger mit einem breit diversifizierten Aktienportfolio in der Vergangenheit aber fast immer deutlich positive Renditen erzielen. 

Tipp: Am einfachsten und kostengünstigsten funktioniert die Anlage in Aktien über börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Wie Sie ein auf Ihre individuellen Bedürfnisse und Ihrer persönlichen Risikotragfähigkeit entsprechendes ETF-Portfolio aufbauen, erklärt Ihnen gern ein Berater in einem VZ in Ihrer Nähe. Vereinbaren Sie am besten noch heute ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch.