Lieber mit der Gießkanne?

Euro, 01.10.2021

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung des VZ mit Ergänzungen.

Professionelle Investoren sorgen in ihren Depots für eine breite Streuung oder konzentrieren sich auf ein paar vielversprechende Anlagen. Michael Huber vom VZ VermögensZentrum rät, auf eine ausreichend breite Diversifikation zu achten.

Seit dem Crash zu Beginn der Coronavirus-Krise im Frühjahr 2020 interessieren sich immer mehr Menschen für die Börse und investieren in Aktien. Allerdings gehen viele Einsteiger dabei nicht sehr strukturiert vor. 

"Viele der Neuanleger neigen zu sehr konzentrierten Portfolios mit einigen wenigen Aktien aus einer gehypten Branche wie E-Mobilität oder Wasserstoff", sagt Michael Huber vom VZ VermögensZentrum. Dieses Vorhalten erinnert ihn an die Zeit des Neuen Marktes nach der Jahrtausendwende. Viele unerfahrene Anleger hatten Geld in Aktien von jungen Internet- und Computer-Unternehmen gesteckt und nach dem Platzen der Dotcom-Blase verloren. 

Die moderne Portfoliotheorie besagt, dass eine breite Streuung das Risiko von Verlusten senkt. Für jeden Anleger gibt es ein "optimales Portfolio", das seinem Risiko-Rendite-Profil entspricht. Es gibt also kein ideales Standard-Depot, sondern nur individuelle Portfolio-Lösungen. Michael Huber ist überzeugt, dass man mit einer zu geringen Zahl an Aktien aber grundsätzlich keinen ausreichenden Diversifikationseffekt erzielen könne. Er sieht Anlagen in Einzelaktien generell kritisch, würde sie höchstens als Beimischung zu einem breit gestreuten Fonds- oder ETF-Portfolio empfehlen. Will jemand partout in Einzeltitel investieren, sollte er mindestens 50 Aktien kaufen, findet Michael Huber, denn: "Ein konzentriertes Portfolio kann in der Regel nicht auf Dauer den Markt schlagen." Experimente sind seiner Ansicht nach nicht nur riskant, sondern auch unnötig: "Der breite Markt bietet genug Renditechancen."

Studien zeigen, dass unternehmensspezifische Risiken langfristig bereits mit 20 bis 30 Aktien im Depot senken lassen. Bei mehr als 35 Aktien im Depot nimmt der Diversifikationseffekt aber deutlich ab. Anleger, die ihre Renditechancen erhöhen wollen und dafür ein größeres Risiko eingehen, könnten ein über Branchen und Ländern gestreutes Portfolio mit einigen Dutzend Aktien aufbauen. Zwischen dem fast 3000 Aktien umfassenden MSCI All Country World und einem Depot mit fünf Tech-Aktien ist viel Spielraum für individuelle Anlagestrategien. 

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