Wie Anleger ihr Erspartes in eine Zusatzrente verwandeln

Capital, 16.05.2020

Wenn das Kapital für den Ruhestand aufgebaut ist, muss ein Plan her: Wie lässt sich das Vermögen am besten anlegen, um die Einkommenslücke im Rentenalter zu schließen? Tom Friess vom VZ VermögensZentrum stellt verschiedene Optionen vor und zeigt jeweils die Vor- und Nachteile auf.

Viele Deutsche stehen wenige Jahre vor dem Ruhestand, wenn ihre Lebensversicherung ausgezahlt wird. Dann fließt meist eine sechsstellige Summe aufs Konto. Wer dann noch eine Erbschaft macht oder sein Eigenheim verkauft, hat ein ansehnliches Vermögen zur Verfügung. Viele möchten dieses Geld nutzen, ihren Ruhestand finanziell abzusichern. Ganz oben auf der Wunschliste steht eine monatliche Zusatzrente, um die Rente aufstocken und sich einen angenehmen Lebensstandard zu ermöglichen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Sofortrente

Sofortrenten, auch Leibrenten genannt, sind ein Tauschgeschäft. Der Ruheständler zahlt dem Versicherer einen Einmalbetrag, zum Beispiel im Alter von 65 die Summe von 100.000 Euro. Dafür erhält er garantiert bis zum Lebensende rund 320 Euro Privatrente. Die Auszahlung beginnt in der Regel im Monat nach der Einzahlung. Die Höhe der Sofortrente lässt sich variieren. Entscheidet man sich für eine steigende Rente, ist die Anfangsrente niedriger oder das einzusetzende Kapital höher.

"Die Sofortrente hat einen bestechenden Vorteil: Sie müssen sich nach dem Abschluss um nichts mehr kümmern", sagt Tom Friess, Deutschland-Chef des unabhängigen Finanzberaters VZ VermögensZentrum und Autor des Buchs "Finanzcoach für den Ruhestand". Allerdings muss man überdurchschnittlich alt werden, dass sich die Sofortrente gegenüber einem Auszahlplan lohnt. "Bis mindestens zur statistischen Restlebenserwartung wird lediglich das eingelegte Kapital ausbezahlt, ohne Rendite", sagt Tom Friess.

Weitere Nachteile: Die Konditionen sind wegen des Niedrigzinsumfeldes nicht sehr attraktiv und lassen sich nach Vertragsabschluss auch nicht mehr ändern. Im Todesfall ist das eingesetzte Kapital in der Regel verloren und kommt nicht den Nachkommen zugute. Entsprechende zusätzliche Vereinbarungen, das Geld an die Erben auszuzahlen, kosten Gebühren und damit Rendite.

Die Sofortrente eignet sich für Selbstständige ohne hohe Rentenansprüche und wenn man überzeugt ist, ein hohes Alter zu erreichen. Eine mögliche Alternative ist die Immobilien-Verrentung, also der Verkauf des Eigenheims im Austausch gegen eine monatliche Sofortrente.

Individueller Auszahlplan

Ein Vermögensverwalter stellt ein Wertpapier-Depot zusammen, das auf die individuellen Ziele und das Risikoprofil des Rentners zugeschnitten ist. Tom Friess vom VZ VermögensZentrum bietet häufig Misch-Portfolios an, die aus Tagesgeld und kurz laufenden Staatsanleihen sowie Aktien bestehen.

Der Auszahlplan sieht folgt aus: Zu Beginn des Ruhestands wird die Zusatzrente vom Tagesgeld und den Staatsanleihen finanziert. Die Aktien werden länger gehalten. So profitiert der Anleger auf Dauer von den Aktienrenditen. Durch den gestaffelten Verkauf kommt man nicht in die Situation, Aktien zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen zu müssen.

Gesetzliche Rente

Viele möchten vor der Regelaltersgrenze in den Ruhestand gehen. Je nach Geburtsjahrgang ist das bis zu 48 Monate früher möglich. Bei der gesetzlichen Rente wird die Rente pro vorbezogenem Monat um 0,3 Prozent gekürzt. Geht man zum Beispiel drei Jahre früher in Rente, bekommt man statt der erwarteten 1.682 Euro nur 1.500 Euro Rente. Dieser Abschlag lässt sich mit einer freiwilligen Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung ausgleichen. In diesem Beispiel wären nach derzeitigen Sätzen dafür 40.000 Euro notwendig, rechnet Tom Friess vor. Sollte man doch nicht in Frührente gehen, führt die Zusatzzahlung zu einer höheren Rente. Sechsstellige Beträge können in den meisten Fällen allerdings nicht angelegt werden.

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