Vorsorge beginnt im Hier und Jetzt

Deutsche Handwerks Zeitung, 07.08.2020

Jeder muss seine Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen, insbesondere als Unternehmer. Sobald man seine Finanzreserve angelegt, seine Arbeitskraft abgesichert und Rücklagen gebildet hat, sollte Geld in die Altersvorsorge fließen. Christian Lange vom VZ VermögensZentrum erklärt, wie es richtig geht.

Deutsche Handwerks Zeitung: Was machen die Deutschen bei der Altersvorsorge nicht richtig?

Christian Lange: Kurz gesagt, die meisten sorgen falsch vor und beginnen oftmals zu spät. Zuerst geht es nach dem Motto, kann ich auch noch später machen, und dann fließt das Geld in Tagesgelder oder Sparbriefe oder wird gar auf dem Konto belassen. Damit wird aber nicht mal die Inflation ausgeglichen, somit geht über die Jahre viel Kaufkraft verloren. Wer es besser machen will, sollte in Sachwerte und Produktivvermögen, vor allem also in Aktien investieren.

Deutsche Handwerks Zeitung: Viele haben Angst davor, und Entwicklungen wie im Fall Wirecard bestätigen sie darin.

Christian Lange: Mit Aktien Vermögen aufzubauen, heißt für mich auch nicht, in Einzelunternehmen zu investieren. Im Gegenteil: Ich rate jedem, die Finger davon zu lassen, vor allem, wenn er sich nicht super gut auskennt. Langfristig ist niemand schlauer als der Markt. Stattdessen gilt es, global und breit zu streuen. Zum Beispiel mit ETFs (Exchange Traded Funds). ETFs bilden Aktienlisten, sogenannte Indizes, ab, beispielsweise den Dax oder den Weltaktienindex MSCI World. Das ist eine einfache Art, Geld gut und sinnvoll anzulegen.

Deutsche Handwerks Zeitung: Viele setzen bei der Altersvorsorge auf die eigene Immobilie. Was halten Sie davon?

Christian Lange: Wirtschaftlich gesehen ist die Immobilie nicht die beste Alternative. Aber das eigene Heim ist ohnehin immer eher eine Bauch- als eine Kopfentscheidung. Der größte Vorteil, den eine Immobilienfinanzierung hat, ist aus meiner Sicht, dass sie enorm diszipliniert. Wer ein Haus abzahlt, investiert somit zwangsläufig und regelmäßig in die Altersvorsorge. Diesen Zwang gibt es bei ETFs leider nicht, hier ist mehr Selbstdisziplin gefragt.

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