Die neuen Ruheständler

Euro, 01.07.2020

Viele junge Menschen möchten finanzielle Unabhängigkeit erreichen und früh in Rente gehen, am liebsten schon mit 40. Dafür legen sie so viel Geld wie möglich zur Seite. Christian Lange vom VZ VermögensZentrum weiß, dass es dazu mehr braucht als reines Ansparen.

Die FIRE-Bewegung findet immer mehr Zulauf. FIRE steht für "Financial Independence, Retire Early". In Deutschland nennen sich ihre Anhänger "Frugalisten". Ihr Ziel: Schon in jungen Jahren große Teile ihres Gehaltes sparen, um in nicht allzu ferner Zukunft vom Ersparten und den Kapitalerträgen leben zu können. Dafür beschränken sie sich auf das Wesentliche und verzichten auf viele Annehmlichkeiten. Das müssen sie auch, denn mit einem ausschweifenden Lebensstil lässt sich dieses ambitionierte Ziel nicht erreichen. Christian Lange vom VZ VermögensZentrum geht sogar noch weiter: "Mit reinem Ansparen hat man keine Chance, das zu schaffen."

Das ist den "Frugalisten" bewusst. Viele kombinieren ihren strikten Sparkurs mit diversen, häufig passiven Anlagestrategien, zum Beispiel ETF-Portfolios. Allerdings unterschätzen viele, wie viel Geld man als "Ultrafrührentner" braucht.

Kosten für Wohnen, Steuern und Versicherungen

Die größten Ausgabeposten sind Wohnkosten (inklusive Nebenkosten), Steuern und die Krankenversicherung. Gesetzliche Krankenkassen stufen Nicht-Erwerbstätige als "freiwillig Versicherte" ein. Diese müssen auf ihr Gesamteinkommen – dazu zählen auch Kapitalerträge – 14 Prozent Krankenversicherungsbeiträge plus Zusatzbeitrag abführen. Als Untergrenze setzen die Kassen derzeit ein Mindesteinkommen von 1061,67 Euro pro Monat an, auch wenn man weniger hat. Die aktuelle Beitragsbemessungsgrenze beträgt 4687,50 pro Monat; wer mehr Einkünfte hat, zahlt trotzdem keine höheren Beiträge. Gesetzlich Versicherte müssen also zwischen 148 bis 656 Euro pro Monat für die Krankenversicherung einplanen. Dazu kommen die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung von 3,05 Prozent des Einkommens, bei Kinderlosen sind es 3,30 Prozent. Wer freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung bleiben möchte – das ist kein Muss! – kann zwischen 83,70 und 1246,20 Euro pro Monat einzahlen. Damit lässt sich ein Anspruch auf Alters- und Hinterbliebenenrente aufbauen.

Wie viel Kapital braucht man für 2000 Euro pro Monat?

Wer kein Wohneigentum hat, sondern zur Miete wohnt, braucht rund 2000 Euro pro Monat, sagt Christian Lange. Um dieses Einkommen rein aus Kapitalerträgen zu erzielen, sind 1,06 Millionen Euro notwendig. Die angenommene Rendite ist 3 Prozent, die Inflation 2 Prozent, und der Kapitalstock bleibt unangetastet. Wer das Geld geplant verzehrt, braucht nicht ganz so viel. Das geht aber erst im fortgeschrittenen Alter: "Wer mit 40 in den Ruhestand geht, muss erst vom Kapitalertrag leben und kann noch nicht an die Substanz gehen", sagt Christian Lange.

Diese Seite teilen