Investieren in Krisenzeiten

Handelsblatt, 04.03.2020

Vorsichtige Anleger wünschen sich Geldanlagen, die hohe Kursschwankungen – wie aktuell wegen des Corona-Virus – abmildern. Es gibt ETFs, die sich auf Titel mit geringer Volatilität und Value-Aktien konzentrieren. Fabian Frey vom VZ VermögensZentrum erklärt die Unterschiede.

Seit einigen Wochen lässt das Corona-Virus die Börsenkurse purzeln. Indizes wie der DAX, der S&P 500 und der Dow Jones haben spürbar an Wert verloren. Das hinterlässt auch bei ETFs ihre Spuren, denn diese bilden einfach den Kurs ihres Vergleichsindex ab.

Spezial-ETFs dämpfen Schwankungen

Doch nicht jeder ETF macht die Bewegung eins zu eins mit. Es gibt ETFs, die darauf ausgerichtet sind, Kursschwankungen (auch Volatilität genannt) so weit wie möglich auszuschalten. Sie bilden nicht einen kompletten Markt ab, sondern geeignete Ausschnitte. Diese ETFs tragen oft Namenszusätze wie "Low Vola" oder "Minimum Vola". Es gibt sogar spezielle Indizes dafür, zum Beispiel den "MSCI Europe Minimum Volatility Index". Dieser besteht aus schwankungsarmen Aktien von mittleren und großen westeuropäischen Unternehmen. Dieser macht Marktbewegungen nur gedämpft mit, gewichtet weniger nach Marktkapitalisierung und berücksichtigt risikoarme Aktien stärker. So sind Immobilienaktien und nichtzyklische Konsumgüter überdurchschnittlich vertreten, IT-Werte hingegen unterdurchschnittlich.

Richtig beurteilen und einsetzen

Diese Spezial-ETFs eignen sich für Anleger, die in Aktien investieren möchten, ohne sich großen Schwankungen auszusetzen. Die Volatilität ist allerdings nur eine von mehreren Aspekten, die defensiven Anlegern wichtig sind. Diese interessieren sich häufig auch für sogenannte Value-Fonds, weil sie aus Aktien von Unternehmen bestehen, die niedrig bewertet werden.

Fabian Frey vom VZ VermögensZentrum, das unter anderem eine Vermögensverwaltung mit ETFs anbietet, macht auf deutliche Unterschiede aufmerksam. "Bei 'low vol' geht es meist um solide Unternehmen, deren Kurse wenig schwanken", sagt der Finanzexperte. "Bei 'value' finden sich auch Unternehmen, die Probleme haben und deswegen niedrig bewertet sind."

Ebenfalls ansprechend für vorsichtige Anleger sind Fonds, die sich auf Aktien mit hohen Dividenden konzentrieren. Die Dividendenrendite kann ein Ausdruck großer Finanzstärke eines Unternehmens sein, allerdings kann auch der Aktienkurs zu niedrig sein.

Es gibt Spezial-ETFs am Markt, die diese und weitere Aspekte miteinander kombinieren. Es ist allerdings nicht ganz einfach, Funktionsweise und Entwicklung nachzuvollziehen und die passenden ETFs fürs eigene Depot herauszufiltern.

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