In Saus und Braus

WirtschaftsWoche, 06.11.2020

"Wir machen Sie reich!" lautet der Lockruf von Bestsellerautoren, Coaches und anderen "Geldgurus". Dabei sind ihre Vorschläge oft riskant und nicht für jeden umsetzbar. Besser ist es, langfristig effizient Kapital aufzubauen und sein Geld richtig anzulegen. Tom Friess vom VZ VermögensZentrum zeigt, worauf man dabei achten sollte.

Geht es um das Sparen, weiß Tom Friess um die displizierende Wirkung eines Hauskredits. Immobilien sind zwar nicht das Nonplusultra der Geldanlage; die Kaufnebenkosten für Makler und Grunderwerbsteuer sind sehr hoch, die Renditen in vielen Fällen gering und es ist viel Kapital in einem Objekt gebunden. Aber beim Abzahlen der Immobilie erweist sich der "Zwang zum Sparen" als ebenso wirkungsvoll wie beim Sparen für den Ruhestand. "Wer immer zehn Prozent vom Netto zurücklegt und die Hälfte von Sonderzahlungen, etwa dem Bonus, der füllt damit jede Rentenlücke", erklärt Tom Friess, Geschäftsführer des VZ VermögensZentrums.

Wichtige Regeln: Breit streuen und lange sparen – schon für die Kinder

Wie also sollte man vorgehen, um erfolgreich bis zum Ruhestand ein Vermögen aufzubauen? "Früh anfangen, kostengünstig anlegen und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, also vor allem regelmäßig und mit breiter Streuung," rät Tom Friess. Auch für die Kinder: "Wenn Eltern für die einen Sparplan mit Aktien oder Indexfonds auflegen, sind das optimale Ausgangsbedingungen", sagt Tom Friess.

Er selbst hat für seine beiden Töchter, die heute in den 20ern sind, von Anfang an je 150 Euro pro Monat in einen Aktiensparplan eingezahlt. "Die haben das Platzen der New-Economy-Blase mitgenommen, die Finanzkrise. Und dennoch sprangen im Schnitt fünf Prozent Rendite nach Steuern heraus", berichtet Tom Friess. "Da sind noch keine Emotionen im Spiel. Die Kids sind eh außen vor, und die Eltern schauen oft nur einmal im Jahr nach dem Depotstand."

Bei langer Anlagedauer spielen Wertschwankungen immer weniger eine Rolle

Sparen mit Wertpapieren lohnt sich. Wer zum Beispiel seit 20 Jahren 100 Euro pro Monat in einen Indexfonds auf den MSCI World investiert hätte, hätte ein Depot von 60.000 Euro. Mit festverzinslichen Anlagen hingegen wäre das Ersparte nur rund halb so groß. Wer einen Einmalbetrag in ein ausgewogenes Depot gesteckt hätte (30 Prozent Aktien und Anleihen, 25 Prozent Gold, 15 Prozent Liquidität), hätte nach 2000 mit jedem Startjahr bis Anfang November 2020 zwischen 5 und 11 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet. Größere Verluste gab es nur in den Krisenjahren 2002 und 2008. Diese wurden aber bereits im Folgejahr wieder ausgeglichen.

Sparen und Anlegen ohne Emotionen

Ob Angst vor Verlusten oder Gier nach schnellem Reichtum: Bei der Geldanlage sind Emotionen Gift. Nicht nur, weil sie Anleger von bestimmten Anlageklassen fernhielten, sondern auch, weil sie das Anlageverhalten beeinflussten. Gewinne wirken emotional viel weniger als Verluste. Die Folge: Viele Anleger würden Gewinne zu schnell mitnehmen, Verluste aber aussitzen, anstatt sie sinnvoll zu begrenzen, weiß Tom Friess.

Und: "In kurzer Zeit reich werden, das ist wie Roulette: Wo ich am meisten gewinnen kann, ist auch das Verlustrisiko extrem," warnt er. Anleger wetten darauf, dass sie den Markt schlagen können. "Heiße Tipps gehen allerdings meist in die Hose." Selbsternannte Geldgurus haben leichtes Spiel, "weil viele sich nicht trauen, zuzugeben, dass sie von Geld keine Ahnung haben" – und dann über den Tisch gezogen werden. Experten des VZ VermögensZentrums zeigen im Vortrag "Plötzlich Geld – so legen Sie richtig an", wie man eine größere Summe wie eine Erbschaft oder den Erlös aus einem Hausverkauf am besten anlegen sollte. Danach gebe es eine "Riesennachfrage", so Friess.

Finanzielle Unabhängigkeit erreichen

Wenn man es richtig verstehe, sei Reichwerden eigentlich keine große Kunst. "Reich sein, bedeutet für mich, finanziell unabhängig zu sein", sagt Tom Friess. Wenn ich also statt des Erwerbseinkommens meine Renten erhalte, muss mein Lebensstandard auch damit gesichert sein. Beim VZ VermögensZentrum lassen sich häufig Gutverdiener beraten, die sechsstellige Jahreseinkommen haben. Tom Friess: "Einige können nicht mit Ende 50 aufhören zu arbeiten, weil für die Lebenshaltung 8000, 9000 Euro im Monat draufgehen."

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