Das Beste draus machen

Die Stiftung, 09.12.2020

Die Stiftungen haben sich an die Umstände der Corona-Pandemie angepasst, machen sich jedoch Sorgen um ihre Finanzen. Das zeigt das 6. Deutsche Stiftungsbarometer, das das Magazin "Die Stiftung" zusammen mit dem VZ VermögensZentrum erstellt.

Zahlreiche Stiftungen haben wegen der Coronakrise Aktivitäten ins Internet verlagert. 40 Prozent der befragten Stiftungen gaben an, Vorstandssitzungen digital durchgeführt zu haben. 32 Prozent haben Zoom, Webex und Co für informelle Treffen genutzt, 24 Prozent für Stiftungsratssitzungen und 7 Prozent Mitgliederversammlungen. Nur jede dritte Stiftung hat keine Online-Treffen organisiert. Dabei sind digitale Veranstaltungen nach dem „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie“ auch ohne Satzungsänderung erlaubt.

Einschränkungen bei Förderungen und Projekten möglich

Nur wenige Stiftungen gehen davon aus, ihre Förderzusagen im nächsten halben Jahr nicht einhalten zu können. 58 beziehungsweise 24 Prozent erklärten, ihren Zusagen ganz beziehungsweise größtenteils nachzukommen. Bei der Verwaltungsarbeit gab es so gut wie keine Einschränkungen. Vier von fünf Stiftungen haben weder Kurzarbeit noch Mangel an ehrenamtlichen Helfern. Bei operativ tätigen Stiftungen zeigt sich ein gespaltenes Bild: Bei 42 Prozent der Stiftungen unterlagen Projekte keinerlei Einschränkungen, während 43 Prozent ihre Projekte zurückgefahren oder zum Teil eingestellt haben. Lediglich 6 Prozent der Stiftungen mussten ihre Aktivität ganz einstellen.

Trübe Stimmung bei den Kapitalanlagen

2020 hat die Coronakrise den Kapitalmarkt stark beeinflusst. Es ist vermehrt zu Kürzungen der für Stiftungen wichtigen Ausschüttungen gekommen. Dennoch bezeichnet jede dritte Stiftung ihre Stimmung in Bezug auf die Kapitalanlagen als gut, elf Prozent sogar als sehr gut. 32 Prozent der Stiftungen beurteilt ihre finanzielle Situation als befriedigend, 18 Prozent als schlecht und 4 Prozent als sehr schlecht. Die meisten gehen davon aus, dass sich ihre Lage in den nächsten 12 Monaten nicht verbessert. 57 Prozent der Stiftungen glauben, dass sie unverändert bleibt. 29 Prozent schätzt, dass sie sich verschlechtert. Lediglich jede zehnte Stiftung rechnet damit, dass sich ihre Situation verbessert.

Aktien und Anleihen sind beliebt

57 Prozent der Stiftungen gaben an, Aktien im Stiftungsportfolio zu haben. 56 Prozent der Stiftungen sind in risikolose Anleihen investiert und 37 Prozent in renditestärkere Anleihen, die wegen niedrigerer Bonität riskanter sind. 52 Prozent setzen zudem auf Immobilien und 44 Prozent auf Stiftungsfonds. 29 Prozent der Stiftungen haben ETFs im Portfolio, gefolgt von Private Equity (18 Prozent) und Sachwerte wie zum Beispiel Wälder (17 Prozent). Beim Anlagevolumen liegen risikolose Anleihen aber nach wie vor vorne. 20 Prozent der Stiftungen gaben an, über 60 Prozent in Anleihen mit hoher Bonität investiert zu haben. Bei 17 Prozent der Stiftungen lag der Anteil zwischen 20 und 60 Prozent und bei 18 Prozent unter 20 Prozent.

Uneinigkeit bei Fundraising und Anlagerichtlinien

29 Prozent nutzen die Möglichkeit, niedrige Kapitalerträge durch Fundraising zu kompensieren. Je 13 Prozent betreiben Fundraising regelmäßig beziehungsweise zu Anlässen wie Weihnachten. 20 Prozent der Stiftungen geben an, zukünftig Fundraising betreiben zu wollen. Jede zweite Stiftung macht kein Fundraising.

Auch beim Thema Anlagerichtlinien sind die Meinungen geteilt. Die Hälfte der Stiftungen hat Anlagerichtlinien aufgestellt. 28 Prozent hat keine Anlagerichtlinien. 12 Prozent der Stiftungen plant, Anlagerichtlinien aufstellen zu wollen.

Zum Deutschen Stiftungsbarometer

Das Deutsche Stiftungsbarometer ermittelt zweimal pro Jahr die Stimmungen, Strategien und Trends in der deutschen Stiftungslandschaft. Die Befragung von Stiftungen führt "Die Stiftung", das Fachmagazin aus der FAZ-Verlagsgruppe, zusammen mit dem VZ VermögensZentrum durch. Dabei geht es um die finanzielle Situation und die Zukunftserwartungen von Stiftungen im Bezug auf ihre Vermögensanlage.

An der Befragung zum 6. Deutschen Stiftungsbarometer nahmen Vertreter von 225 Stiftungsvertreter teil, darunter 46 Prozent ehrenamtliche Stiftungsvorstände und 14 Prozent hauptamtliche Geschäftsführer. 40 Prozent der befragten Stiftungen haben ein Grundstockvermögen von unter einer Million Euro. 34 Prozent verfügen über 1 bis 10 Millionen Euro, 15 Prozent über 10 bis 100 Millionen Euro und 5 Prozent liegen darüber.

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