Trotz alledem: Aktien lohnen sich

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.03.2020

Die Coronavirus-Krise hat nicht nur die Börsen schwer erschüttert, sondern auch den Glauben so mancher Anleger an Aktien. Experten des VZ VermögensZentrums haben für die FAZ ausgerechnet, dass sich ETF-Sparpläne trotz immer wiederkehrender größerer Börsenausschläge lohnen. Michael Huber vom VZ gibt Tipps, worauf Anleger achten sollten.

In den vergangenen Wochen hat die Coronavirus-Krise für starke Kursschwankungen und große Verunsicherung unter den Anlegern gesorgt. Wer die Nerven verlor, realisierte Verluste. Wer jedoch einen langen Anlagehorizont hat, für den zahlt sich Wertpapieranlage aus, wenn man einige grundlegende Regeln beachtet.

"Für seriöse Sparer sind Einzelwerte mit Vorsicht zu genießen", sagt Michael Huber vom VZ VermögensZentrum. Besser ist es, in einen breiten Aktienmarkt zu investieren. "Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit einem selbstgebastelten Portfolio besser abschneidet als ein Index, ist relativ gering."

ETF-Sparplan lohnt sich auch bei fallenden Kursen

Besonders einfach und günstig sind Sparpläne, die schon ab Monatsraten von 25 Euro angeboten werden. Damit investiert man regelmäßig in ETFs auf Indizes wie den Deutschen Aktienindex (DAX) oder den globalen MSCI World. ETFs bilden die Rendite ihres Vergleichsindex nach: Steigt der Index, legt der ETF genauso stark zu. Von einem ETF-Sparplan profitieren Anleger langfristig sogar bei sinkenden Kursen. Wenn die Kurse niedrig sind, erhalten sie für ihre monatliche Sparrate mehr Anteile. Wenn die Kurse steigen, nehmen sie an der Wertsteigerung teil. "Wir motivieren die Kunden zum Durchhalten und gegebenenfalls eine Schippe draufzulegen", sagt Michael Huber. Sparer haben aber die Flexibilität, ihre Monatsrate jederzeit senken oder erhöhen zu können.

Wie sind die Sparplan-Renditen, wenn die Börse einbricht?

Aber lohnt sich ein ETF-Sparplan, wenn es zu einem Crash an den Börsen kommt? Das haben die Experten des VZ VermögensZentrums für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ausgerechnet. Die Berechnungen gehen davon aus, dass 100 Euro pro Monat in den DAX bzw. den MSCI World Total Return investiert werden. Es gibt drei Szenarien: Spardauern von fünf und zehn Jahren sowie ein Sparbeginn vor der Finanzkrise 2007/08. Stichtag ist der 25. März 2020.

Wer im Juli 2007 begann, der hat 15.300 Euro in den Sparplan eingebracht. Mit ETFs auf den DAX ist das Kapital auf 18.126 Euro gewachsen, ein Plus von 2.826 Euro. Wer 2010 begann und zehn Jahre lang sparte, zahlte 12.300 Euro ein. Diese Summe hat einen Wertzuwachs von 925 Euro auf 13.225 Euro erfahren. Wer 2015 begann und fünf Jahre lang sparte, hat 6.300 Euro eingezahlt und musste einen Verlust von gut 1.000 Euro am Ersparten hinnehmen; sein Portfoliowert beträgt 5.297 Euro.

Mit ETFs auf den MSCI World Total Return fuhren Anleger besser. Der Sparer, der vor der Finanzkrise begann, zahlte 15.300 Euro ein und sein Portfolio hat einen Wert von 24.414 Euro; das sind über 9.000 Euro mehr. Wer 2010 startete, zahlte 12.300 Euro ein und hat einen Portfoliowert von 17.289 Euro, ein Plus von fast 5.000 Euro. Der Sparer, der die letzten fünf Jahre dabei war, machte nur sehr geringe Verluste: Er zahlte 6.300 Euro ein und sein Portfolio hat einen Wert von 6.281 Euro.

Entscheidend ist, einen ausreichend langen Anlagehorizont zu haben, um Krisen "aussitzen" zu können und bei Börsenstürzen nicht verkaufen zu müssen. Michael Huber rät: "Das Geld, das ich in den nächsten 7 bis 10 Jahren brauchen könnte, hat auf dem Aktienmarkt nichts verloren." Geld, das kurz- oder mittelfristig nicht benötigt wird, sollte man aber nicht auf dem Sparbuch oder Festgeldkonto liegen lassen. Wegen der niedrigen Zinsen verliert es inflationsbedingt an Wert.

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