Vorsicht vor den Rententipps der Banken

FAZ am Sonntag, 03.03.2019

Mit einer größeren Summe lässt sich die Altersvorsorge verbessern. Banken und Versicherungen bieten Sofortrenten an. Die haben allerdings große Nachteile. Tom Friess vom VZ VermögensZentrum erklärt, warum die Etappenstrategie besser ist.

Viele kommen in die erfreuliche Lage, plötzlich einen größeren Geldbetrag auf dem Konto zu haben. Sie machen eine Erbschaft, erhalten eine Schenkung oder Abfindung, verkaufen eine Immobilie, oder die Lebensversicherung wird fällig. Wer kurz vor dem Rentenalter steht, denkt häufig daran, das Geld in seine Altersvorsorge zu investieren.

Banken und Versicherungen preisen Sofortrenten an, auch Leibrente genannt. Nach einer Einmalzahlung erhält man jeden Monat eine Rentenzahlung in vereinbarter Höhe. Das ist bequem und man muss sich um nichts kümmern. Allerdings hat die Sofortrente sehr große Nachteile. Die Abschlusskosten sind sehr hoch (allein dadurch gehen in der Regel vier bis zehn Prozent des Kapitals verloren!). Das Geld ist unwiederbringlich gebunden und ohne Zusatzvereinbarungen für die Erben verloren. Zudem rechnet sich die Sofortrente nur, wenn man überdurchschnittlich alt wird.

Sofortrente lohnt sich nur, wenn man über 90 Jahre alt wird

Das liegt daran, dass die Versicherer äußerst konservativ kalkulieren. "Sie gehen nicht von der aktuellen Lebenserwartung aus, sondern schlagen noch als Sicherheitspuffer fünf bis zehn Jahre obendrauf", sagt Tom Friess vom VZ VermögensZentrum. Heute 60-Jährige Männer müssen mindestens 87 bis 92 Jahre und Frauen 90 bis 95 Jahre alt werden, damit die Versicherung mehr als den einbezahlten Betrag auszahlt. Stirbt man vorher, ist die Sofortrente ein Verlustgeschäft und das verbliebene Kapital weg.

Besser: Sich selbst eine Etappenrente auszahlen

Tom Friess vom VZ VermögensZentrum findet die Sofortrente nicht ratsam. Er empfiehlt stattdessen, die Etappenstrategie in Eigenregie umzusetzen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Etappenstrategie hat in der Regel eine bessere Rendite. Sie ist deutlich flexibler, denn das Kapital ist jederzeit verfügbar und die Rentenzahlungen können an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Das übrige Kapital kommt den Erben zugute. Und: Die Etappenstrategie kann so konstruiert werden, dass sie genauso sicher ist wie die Sofortrente.

So funktioniert die Etappenstrategie

Angenommen, Sie haben 100.000 Euro und wünschen sich – wie bei einer Sofortrente möglich – eine monatliche Rente von rund 300 Euro. 36.000 Euro legt man auf ein Tagesgeldkonto, das ist der Kapitalbedarf für die ersten 10 Jahre. Alternativ könnte man auch Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten. Entscheidend ist eine sichere Anlageform, bei der der benötigte Betrag zum benötigten Zeitpunkt verfügbar ist.

Übrig bleiben 64.000 Euro, die frühestens in zehn Jahren gebraucht werden. Das Kapital kann am Aktienmarkt angelegt werden, denn wegen des langen Anlagehorizonts ist das Verlustrisiko gering. Seit 1970 machten Anleger mit DAX-Aktien zu keinem Zeitpunkt mehr als drei Prozent Verlust pro Jahr, selbst bei größeren Marktkorrekturen. Nach 13 Jahren Haltedauer verzeichnete an zu keinem Zeitpunkt Verluste. Wer in ganze Indizes investierte, erzielte eine durchschnittliche Rendite von 8 Prozent pro Jahr, nach Steuern und Kosten von 6 Prozent. Das geht am günstigsten mit ETFs.

Der Wachstumsteil baut das Verbrauchskapital immer wieder auf

Ziel ist es, damit in zehn Jahren das Geld, das für die Renten der ersten Zehn-Jahres-Etappe verbraucht wurde, wieder aufzubauen. Dafür braucht man eine Rendite von mindestens 4,6 Prozent. Ist die Zehn-Jahres-Etappe vorbei, verkauft man ETFs und zahlt sich aus dem Erlös die Rente in der nächsten Zehn-Jahres-Etappe aus. Ist der Bedarf geringer, kann das weniger als 36.000 Euro sein.

Den Aktienanteil im Wachstumsteil des Kapitals kann jeder selbst bestimmen. Je niedriger der Aktienanteil ist, desto schwieriger ist es, die benötigten 4,6 Prozent Rendite zu erzielen. Ist der Kapitalerhalt nicht zwingend erforderlich, kann man einen Teil des Kapitals verbrauchen.

Die Etappenstrategie bringt zwei Herausforderungen mit sich

Wer sich für die Etappenstrategie in Eigenregie entscheidet, hat damit mehr Arbeit als mit der Sofortrente oder als wenn man diese Aufgabe an ein Finanzinstitut delegiert. Mit Wertschwankungen im Depot muss man ebenso zurechtkommen wie mit dem Schrumpfen, wenn man das Geld für die Rentenzahlungen entnimmt. Darum sollte man ein bisschen Disziplin mitbringen.

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