4 Prozent sind immer drin

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.03.2019

Die Europäische Zentralbank hat die Nullzinsphase auf unbestimmte Zeit verlängert. Mit einem "50-50-Depot" aus Aktien und Anleihen können Sparer dennoch eine ordentliche Rendite erzielen. Tom Friess vom VZ VermögensZentrum zeigt, wie das geht.

Viele Deutsche Anleger haben Angst vor Aktien, weil sie im Wert schwanken und sie Verluste fürchten. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Langfristig erzielen Anleger mit Aktien im Durchschnitt acht Prozent Rendite pro Jahr, und wer länger als 13 Jahre in den DAX investiert war, hat in den letzten Jahrzehnten zu keinem Zeitpunkt Verluste gemacht. Mindestens zwei Prozent Rendite war immer drin.

Trotzdem scheuen sich viele Sparer und Anleger davor, ihr ganzes Geld in Aktien zu stecken. Doch wer allein auf Anleihen setzt, sitzt in der Nullzins-Falle. Wie aber wäre es mit "50:50", also einem Depot, das je zur Hälfte aus Aktien und Anleihen besteht? Anlage-Experten des VZ VermögensZentrums haben für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ausgerechnet, wie vorsichtige Anleger damit gefahren wären.

Im Test: Ein 50-50-Depot aus Aktien und Anleihen

Das Depot besteht zu 47 Prozent aus europäischen Staats- und –Unternehmensanleihen mit guter Bonität, die im Euro Aggregate Bond Index enthalten sind. Ausschüttungen oder Steuerrückzahlungen fließen in die 3 Prozent Liquidität. Die andere Hälfte sind Aktien. 15 Prozent des Depots sind Aktien großer und mittelgroßer europäischer Unternehmen aus dem MSCI Europa. Die übrigen 35 Prozent werden in außereuropäischen Industrieländern investiert (MSCI World ex Europe). Während die Aktien für Rendite sorgen, sollen Anleihen Kursverluste abfedern.

Resultat: Hohe Rendite, überschaubares Risiko

Die Experten des VZ VermögensZentrums haben analysiert, wie sich dieses "50:50"-Depot zwischen 1970 und 2018 in jedem Anlagezeitraum verhalten hätte. Die Resultate sind erfreulich. Die durchschnittliche Rendite von 7,2 Prozent pro Jahr liegt nicht wesentlich unter der Rendite eines reinen Aktiendepots. Dabei hält sich das Verlustrisiko in Grenzen. Dank des Anleiheanteils war das Depot selbst bei großen Korrekturen am Aktienmarkt nach fünf Jahren Haltedauer stets in der Gewinnzone. Dafür kam die Rendite, zum Beispiel bei 15 Jahren Haltedauer, nicht über 10 Prozent pro Jahr hinaus. Das ist zwar weniger als mit einem reinen Aktiendepot, aber vorsichtige Anleger dürften damit sehr zufrieden sein.

Zukünftige Entwicklung: 4,5 Prozent Rendite im Niedrigzinsumfeld möglich

Die Frage ist, wie sich das "50:50"-Depot in den nächsten Jahren entwickeln könnte. Die Experten des VZ schätzen, dass die Renditen etwas niedriger ausfallen könnten. Wenn das Wirtschaftswachstum in den Industrienationen leicht zurückgeht, gehen auch die Unternehmensgewinne nach unten. Aktien werden aber nach wie vor die höchste Rendite erwirtschaften und langfristig keine Verluste machen.

Tom Friess, Geschäftsführer des VZ VermögensZentrums, geht davon aus, dass das "50:50"-Depot in den nächsten Jahren im Durchschnitt eine Rendite von 4,5 Prozent pro Jahr erzielt. Dafür sind in erster Linie die Anleihen verantwortlich. "Die Renditen wurden bisher durch die lange Phase von Zinsrückgängen begünstigt", sagt Tom Friess. Bundesanleihen hatten in den 1990er Jahren Renditen von 9 Prozent und vor der Finanzkrise 4 Prozent. Wegen der sinkenden Zinsen stiegen die Kurse der Anleihen. Das hat im "50:50"-Depot für hohe Erträge gesorgt. Sollten die Zinsen wieder steigen, würden die Anleihekurse sinken. Dann könnte es auch länger dauern, bis das Depot aus der Verlustzone kommt. Daher empfiehlt Tom Friess, die Wertpapiere mindestens 7 bis 10 Jahre zu halten und die folgenden drei Grundregeln zu beachten.

Regel 1: In ganze Indizes investieren

Anleger sollten nicht in einzelne Aktien oder Anleihen investieren, sondern in ganze Indizes wie den DAX oder den Euro Aggregate Bond Index. Mit Einzeltiteln ist das Verlustrisiko nämlich deutlich höher. Zehn der 30 DAX-Unternehmen haben es in den letzten zehn Jahren nicht geschafft, ihre früheren Höchststände zu erreichen. Auch solide Aktien liegen zum Teil noch 70 oder 80 Prozent darunter.

Regel 2: Kosten so gering wie möglich halten

Bank- und Fondsgebühren nagen an der Rendite und addieren sich über die Jahre zu hohen Beträgen auf. Anleger sollten auf die Kaufkosten und Depotgebühren achten und keine aktiv gemanagten Fonds auswählen, da sie häufig bis zu 2 Prozent Gebühren pro Jahr kassieren. Bei vergleichbarer oder besserer Performance sind ETFs viel günstiger. Zum Teil verlangen sie nur bis zu 0,3 Prozent Gebühren pro Jahr. Die Streuung über die drei Indizes (MSCI Europe, MSCI World ex Europe und Euro Aggregate Bond Index) reicht aus. Lediglich die Gewichtung sollte einmal pro Jahr mit einem Rebalancing auf die Ausgangsverteilung zurückgeführt werden.

Regel 3: Regelmäßig investieren und vom Durchschnittskosten-Effekt profitieren

Wer versucht, mit größeren Geldbeträgen Titel zu niedrigen Kursen zu kaufen, riskiert, dass er einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt und zu teuer investiert. Besser ist es, jeden Monat einen Teil seines Anlagekapitals in wenige ETFs zu investieren. Am einfachsten geht es mit ETF-Sparplänen, deren Sparraten schon bei 25 Euro beginnen. In guten Zeiten erhält man für seinen Anlagebetrag mehr Anteile, in schlechten Zeiten weniger. Langfristig erhält man auf diese Weise einen attraktiven Durchschnittskurs.

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