So machen Sie aus Ihrem Vermögen eine Zusatzrente

Capital, 08.08.2019

Viele Deutsche erhalten in den Jahren vor dem Ruhestand einen größeren Geldbetrag, zum Beispiel aus einer Lebensversicherung. Dieses Kapital möchten sie meist für die Altersvorsorge einsetzen. Doch wie? Tom Friess vom VZ VermögensZentrum erläutert Vor- und Nachteile verschiedener Anlagemöglichkeiten.

Kurz vor dem Renteneintritt fließen bei vielen größere Summen aufs Konto. Die Lebensversicherung wird fällig, und bei so manchem kommt eine Abfindung, eine Erbschaft oder der Erlös aus dem Verkauf des Eigenheims hinzu. Die meisten möchten dieses Vermögen so anlegen, dass es ihnen im Rentenalter eine Zusatzrente beschert, die ihre Rentenlücke schließt und von der sie gut leben können. Dafür kommen unterschiedliche Modelle in Frage.

1. Der individuelle Auszahlplan

Der Ruheständler lässt sich ein Wertpapier-Depot einrichten, dessen Anlagestrategie auf seine persönliche Ziele und sein Risikoprofil ausgerichtet ist. Dabei kommen verschiedene Anlageklassen zum Einsatz.

Tom Friess vom VZ VermögensZentrum bietet Ruheständlern häufig Mischmodelle an. Die Portfolios bestehen zum einen aus Tagesgeld und kurz laufenden Staatsanleihen und zum anderen aus Aktien. Erstere Papiere werden zu Beginn des Ruhestands verkauft, Aktien erst später. Auf diese Weise profitiert der Anleger von den attraktiven Aktienrenditen. Durch den gestaffelten Verkauf kommt man nicht in die Situation, Aktien zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen zu müssen.

2. Sofortrente

Sofortrenten, auch Leibrenten genannt, sind ein Tauschgeschäft. Der Ruheständler zahlt dem Versicherer einen Einmalbetrag, zum Beispiel im Alter von 65 die Summe von 100.000 Euro. Dafür erhält er garantiert bis zum Lebensende rund 320 Euro Privatrente. Die Auszahlung beginnt in der Regel im Monat nach der Einzahlung. Die Höhe der Sofortrente lässt sich variieren. Entscheidet man sich für eine steigende Rente, ist die Anfangsrente niedriger oder das einzusetzende Kapital höher.

"Die Sofortrente hat einen bestechenden Vorteil: Sie müssen sich nach dem Abschluss um nichts mehr kümmern", sagt Tom Friess, Deutschland-Chef des unabhängigen Finanzberaters VZ VermögensZentrum und Autor des Buchs "Finanzcoach für den Ruhestand". Allerdings muss man überdurchschnittlich alt werden, dass sich die Sofortrente gegenüber einem Auszahlplan lohnt. "Bis mindestens zur statistischen Restlebenserwartung wird lediglich das eingelegte Kapital ausbezahlt, ohne Rendite", sagt Tom Friess.

Weitere Nachteile: Die Konditionen sind wegen des Niedrigzinsumfeldes nicht sehr attraktiv und lassen sich nach Vertragsabschluss auch nicht mehr ändern. Im Todesfall ist das eingesetzte Kapital in der Regel verloren und kommt nicht den Nachkommen zugute. Entsprechende zusätzliche Vereinbarungen, das Geld an die Erben auszuzahlen, kosten Gebühren und damit Rendite.

3. Gesetzliche Rente

Viele möchten vor der Regelaltersgrenze in den Ruhestand gehen. Je nach Geburtsjahrgang können Erwerbstätige bis zu 48 Monate früher Rente beziehen. Der vorzeitige Rentenbezug führt aber zu Abschlägen. Bei der Deutschen Rentenversicherung sind dies 0,3 Prozent pro vorbezogenem Monat. Geht man zum Beispiel drei Jahre früher in Rente, bekommt man statt der erwarteten 1.682 Euro nur 1.500 Euro Rente.

Abschläge lassen sich vermeiden, indem man freiwillig in die Rentenversicherung einzahlt und zusätzliche Rentenpunkte erwirbt. Tom Friess rechnet vor, dass man die Abschläge in diesem Beispiel mit einer Einmalzahlung von 40.000 Euro ausgleichen kann. Sollte man doch nicht in Frührente gehen, führt die Zusatzzahlung zu einer höheren Rente.

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