Der Traum vom frühen Ausstieg

Handelsblatt, 31.05.2019

Viele Menschen streben nach finanzieller Unabhängigkeit. Immer mehr verfolgen den Plan, mit 50 oder noch eher aus dem Erwerbsleben auszusteigen. Doch ist das realistisch und erstrebenswert? Michael Huber vom VZ VermögensZentrum gibt ein paar Denkanstöße.

Die Anhänger der Fire-Bewegung haben ein klares Ziel: Fire bedeutet "Financial Independence, Retire Early". Dafür sind sie bereit, einiges in Kauf zu nehmen. Ihre Sparquote ist sehr hoch, ihre Ausgaben so niedrig wie möglich. Auf diese Weise legen Sie so schnell wie möglich genug Geld auf die Seite, um den Rest ihres Lebens von den Erträgen zu finanzieren.

Extrem-Sparen ist nichts für jeden

In einer kleinen Wohnung leben und jahrelang auf Auto, Urlaub und Restaurantbesuche verzichten? Das ist nicht für jeden das Richtige. Wer mit unter 50 in Rente gehen will, der muss schon sehr gut verdienen und sehr wenig ausgeben. "Vom extremen Sparen halte ich persönlich wenig", sagt Michael Huber, Mitglied der Geschäftsleitung des VZ VermögensZentrums. "Man muss da schon der Typ dafür sein, ansonsten büßt man enorm an Lebensqualität ein, wenn man auf alles verzichten muss."

Ältere halten Frührente für weniger erstrebenswert

Den Wunsch nach einem frühen Ausstieg hegen überwiegend Jüngere. Wer Familie und Beruf unter einen Hut bringen muss, verspürt viel stärker den Wunsch, aus dem Hamsterrad auszusteigen und Versäumtes nachzuholen. Auf Ältere wirkt die Vorstellung, nicht mehr im Erwerbsleben zu stehen, viel weniger attraktiv. Wer also früher aussteigen will, braucht in jedem Fall einen Plan B, denn die psychologische Komponente ist nicht zu unterschätzen.

"Arbeit bringt uns Anerkennung, Erfolgserlebnisse, soziale Kontakte, und wir bleiben geistig fit, solange wir uns anstrengen müssen", argumentiert Michael Huber. "Einfach in den Tag hineinzuleben, macht häufig unglücklich. Auch die schönste Weltreise ist irgendwann zu Ende. Nur wer dann eine Aufgabe hat, beispielsweise eine ehrenamtliche Tätigkeit, dürfte dauerhaft zufriden bleiben. Auch ein strukturierter Tagesablauf ist für die meisten Frührentner wichtig.“

Immobilie: Laufende Kosten nicht unterschätzen

Viele investieren in ein Eigenheim, um ihre Wohnkosten zu senken. In den eigenen vier Wänden zahlt man zwar keine Miete, wohnt aber bei weitem nicht kostenlos. "Eine eigengenutzte Immobilie kann sinnvoll sein, um später mietfrei zu wohnen", gibt Michael Huber zu bedenken. "Allerdings dürfen die laufenden Kosten etwa für die Instandhaltung nicht vergessen werden."

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