Selbstständige im Rentendilemma

Extra Magazin, 29.11.2019

Wie sorgen Unternehmer am besten vor? Laut Altersbericht der Bundesregierung verfügt jeder zweite Selbstständige im Ruhestand über weniger als 1.000 Euro Nettoeinkommen pro Monat. Fünf Tipps helfen, die richtige Strategie zu finden.

Selbstständige zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein und erhalten später keine Rente. Anders als Ärzte oder Rechtsanwälte haben Handwerksmeister oder freie IT-Berater keinen Zugang zu Versorgungswerken, mit denen sich ein adäquates Alterseinkommen aufbauen ließe. Und Einzahlungen in die staatlich geförderte Rürup-Rente reichen als alleinige Finanzierungsquelle für den Ruhestand nicht aus.

Unternehmer und Freiberufler verweisen gern auf besondere Rahmenbedingungen, die es ihnen schwer machen, Geld für die Altersvorsorge freizuschaufeln: In den Anfangsjahren bzw. bei hohem Investitionsbedarf fließe jeder Euro in die Firma, außerdem sei die Abgabenlast hoch. Nicht selten würden schwankende Einkünfte oder hoher Liquiditätsbedarf Rücklagen für die Rente verhindern.

Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Läuft das Geschäft auf Hochtouren, verfügen Unternehmer und Selbstständige durchaus über die finanziellen Möglichkeiten, ausreichend fürs Alter vorzusorgen. Dass der Vermögensaufbau oft nur schleppend vorankommt, liegt auch daran, dass sie das Potenzial nicht ausschöpfen oder falsch sparen. Oft nagen teure Versicherungsverträge oder niedrig verzinste Sparpläne an der Rentenausbeute.

Mit Strategie zum Erfolg

Bei der Altersvorsorge müssen Selbständige mehrere Säulen aufbauen und optimal miteinander verzahnen. Dabei ist wichtig, dass die gewählten Anlagestrategien individuell auf die jeweilige Situation und die persönlichen Ziele abgestimmt sind. Hierbei können steuersparende Betriebsrentenmodelle oder chancenreiche Kapitalmarktstrategien tragende Rollen spielen. Fünf Maßnahmen haben sich bewährt:

1. Ist-Zustand checken

Als erstes muss man sich klar machen, an welcher Stelle man steht und wie die finanzielle Situation im Alter aussieht. Dazu benötigen Selbstständige eine Aufstellung Ihrer Einkünfte und Ausgaben (jetzt und im Ruhestand). Berücksichtigen Sie dabei auch die Geldentwertung durch Inflation. Auf Grundlage der Ergebnisse wird dann die Rentenlücke und der notwendige Kapitalbedarf im Alter ermittelt.

2. Vorsorgesituation prüfen

Im zweiten Schritt sollte man eine Bestandsaufnahme seiner bestehenden Vorsorgemaßnahmen vornehmen. In welche privaten Rentenversicherungen, Rürup-Renten oder Sparpläne investiere ich? Welche Vermögenswerte kann ich zur Verbesserung meiner Alterseinkünfte heranziehen, zum Beispiel das selbstgenutzte Eigenheim, Mietwohnungen, Betriebsvermögen oder Wertpapier-Depot? Klären Sie, ob dies ausreicht.

3. Strategie herleiten

Vorsorgesparer brauchen einen klaren Plan. Dazu ist es wichtig, neben der Höhe des benötigten Alterskapitals das Sparziel und das akzeptierte Risiko festzulegen. Unternehmer sollten sich zum Beispiel darüber im Klaren werden, wann sie in Rente gehen möchten, wie viel Kapital Sie dann zur Verfügung haben möchten und wie der Kapitalverbrauch im Alter aussieht. Soll der Vermögensstock komplett erhalten bleiben oder darf sukzessive Geld entnommen werden?

Auch die Frage der Anlagewege steht auf dem Prüfstand. Welcher Weg verspricht steuerliche Förderung? Mit welcher Geldanlage bleibe ich flexibel und wie erreiche ich attraktive Renditen ohne übermäßige Risiken einzugehen?

4. Betriebliche Vorsorge aktivieren

Klare Vorteile erzielen Unternehmer mit einer betrieblichen Altersvorsorge. In diesem Rahmen hält vor allem die Pensionszusage zahlreiche Pluspunkte bereit. So kann man unbegrenzt steuerbegünstigt Beiträge einzahlen und mit der richtigen Anlagestrategie hohe Renditen einfahren. Investiert der BAV-Vertragspartner die Vorsorgegelder vorrangig in chancenreiche und kostengünstige Aktien-ETFs, können Einzahler bis zu 40 Prozent mehr Alterskapital erreichen als mit klassischen Versicherungslösungen.

Denn über die lange Vertragslaufzeit versprechen Indexfonds attraktive Aktienrenditen. Höhe und Anzahl der Einzahlungen sind dabei variabel. Die Steuerentlastung für Top-Verdiener ist enorm. Die Steuerlast im Ruhestand ist aufgrund des meist geringeren Einkommens eher moderat.

Wichtig: Der BAV-Vertrag sollte so ausgestaltet sein, dass die aufgebauten Altersguthaben vor Insolvenz geschützt sind und nur zweckgebunden verwendet werden dürfen.

5. Kapitalaufbau mit ETFs

Neben der Betriebsrente ermöglicht privates Wertpapiersparen zielgerichteten und effizienten Kapitalaufbau. Aktien, Fonds und ETFs versprechen langfristig überdurchschnittliche Erträge zu akzeptablen Preisen. Bei finanziellen Engpässen können Selbstständige und Unternehmer jederzeit Einzahlungen stoppen oder Geld entnehmen.

Entscheidend für den Anlageerfolg ist die Zusammensetzung des ETF-Depots und die Auswahl der Fonds. Je nach Anlegertyp beinhalten risikoadjustierte Depots zehn bis 15 ETFs und Indexfonds, die strategisch für unterschiedliche Sparziele zusammengesetzt sind. Die Auswahl der Titel ist für unerfahrene Anleger nicht ganz einfach, da sich selbst ETF mit demselben Vergleichsindex in Bezug auf Rendite, Kosten oder der Replikationsart deutlich unterscheiden können. Wer unsicher ist oder wenig Zeit hat, sollte bei Auswahl und Zusammensetzung des ETFs-Depots professionelle Hilfe zu Rate ziehen.

Diese Seite teilen